Ostern pilgernd unterwegs
Von Rothenburg ob der Tauber breche ich wieder etwas verspätet auf, da das Gespräch mit Lore so interessant ist. Ein Abschiedsfoto und dann winkt sie mir noch lange nach.
Beim Bäcker sehe ich ein interessantes Gebäck, aber ich bin mit allem versorgt und ziehe weiter. In der Spitalkirche halte ich kurz inne und laufe dann aus der Stadt.
Erst geht es in einen Bärlauchwald, doch die Freude hält nur kurz, denn dann biege ich auf einen betonierten Fahrradweg ab. Ich schaue auf die Karte und sehe, dass die Via Roma in Bockenfeld abbiegt und in einem Waldgebiet verläuft. Klar dass ich lieber ein paar Meter mehr laufe, als den ganzen Tag auf Asphalt. Und so ziehe ich fröhlichen Herzens in den Wald und langsam wird es etwas wärmer.
Im Wald blühen die ersten Walderdbeeren und ich sehe mich schon in ein paar Wochen Vitamine pflücken.
In Wohnbach halte ich eine kurze Pause, aber da ich nirgends heißes Wasser finde ( alle Dorfbewohner sind ausgeflogen) ist sie wirklich nur kurz, denn es sind nur 8°C und ich vermisse ich meine Handschuhe.
Danach komme ich nach Schillingfürst, wo ich ein interessantes Museum entdecke. Doch Ich verweile nicht, sondern laufe weiter, denn mein Zielpunkt hat sich mangels Bett um ein paar Kilometer verschoben.
Vom Kloster Sulz hatte ich mir mehr versprochen, doch in der Kirche wird geputzt und so ist weder Ruhe zur Einkehr noch traue ich mir, dort mein Brötchen auszupacken.
Also laufe ich weiter und auf einer Weide stehen die ersten Kühe draußen. Es wird Frühling.
Die letzten Kilometer beeile ich mich, um für die allerletzten 5 km den Bus zu bekommen. Leider verpasst, also weiter laufen. Langsam merke ich, dass es anstrengend wird, zumal immer wieder Asphaltstrecken dabei sind. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass meine Gastgeber direkt am Anfang von Feuchtwangen wohnen, sodass ich die Stadt Stadt sein lasse und dort hin laufe.
Nach 37 km werde ich freundlich von Barbara begrüßt. Ich kann duschen, die Füße hochlegen und bis zum Abendessen ausruhen, was ich echt nötig habe.
Beim Essen lerne ich noch ihren Mann kennen und wir reden den ganzen Abend über Engagement, soziale Verantwortung, Bürokratie...und auch hier lerne ich wieder viel über einen Berufszweig, in dem ich wenig Einblick hatte.
Danach habe ich himmlisch geschlafen und nach dem Frühstück und einem Abschiedsfoto geht es weiter auf meinem Weg.
Freitag nur eine kurze Etappe, da ich gestern weiter gelaufen bin. Es ist frostig, nieslig kalt. Ich laufe in die Stadt und in der Stiftskirche ist Karfreitag- Gottesdienst und die Kirche ist geheizt. Der Pfarrer hält eine trockene Rede und als ich ihm am Ausgang nach einem Stempel Frage, hat er keine Ahnung und verweist mich an die Küsterin. Diese zeigt mir, dass der Stempel frei zugänglich ausliegt ( da kennt sich jemand in seiner eigenen Kirche nicht aus) und wir tauschen noch ein paar Worte aus.
Dann laufe ich los und habe kein Auge für die hübsche Altstadt, denn noch nieselt es und ist kalt. Ich folge wieder einem asphaltierten Radweg und sobald der Main- Donau- Weitwanderweg Weg in Wald und Feld führt, nehme ich die Umwege in Kauf und laufe auf Forst- und Feldwegen.
In den Dörfern blühen die Blumen und es sieht fast wie in Holland aus.
Ich merke, dass ich vergessen habe meine Wasserflasche aufzufüllen. In Zehdorf, dem letzten Dorf vor dem nächsten Walde klingel ich an vier Türen umsonst, erst an der Fünften ist jemand zu Hause und füllt mir die Flasche.
Ich pilger durch einen schönen Mischwald, der Niesel hat aufgehört und nur ganz allmählich wird es wärmer. Plötzlich sehe ich durch die Bäume gehörnte Tiere stehen, doch nach dem ersten Schreck erkenne ich den Weidezaun.
Weiter laufe ich und plötzlich höre ich ein Rauschen, dass immer lauter wird und auf einer Lichtung stehen zwei Windräder. Schilder warnen vor Eisabfall, aber so kalt ist es zum Glück nicht, obwohl ich heute meine Handschuhe vermisse.
Nirgends ist eine Bank und so entfällt eine Pause. Ich komme in einen hohen Fichtenwald zu deren Wurzeln viele Heidelbeersträucher stehen.
Über einen Feldweg komme ich dann nach Dinkelsbühl, der schönsten Altstadt Deutschlands, sagt der Focus. Ich denke, da kennt er Görlitz nicht.
Die Stadt ist komplett mit einer erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer mit zig Türmen umgeben. Ich bin mit Andi Wandersman, ein Pilger, der mir freundlicher Weise ein Bett besorgt hat, verabredet. Mein Rucksack landet in seinem Auto und dann bekomme ich eine Gratis- Stadtführung. Ich fühle mich so leicht ohne Gepäck, sodass ich problemlos noch 6 km Stadtführung schaffe. Wirklich famos ist, dass in der Altstadt keine Leuchtreklame oder Werbung erlaubt ist. Die Namen dürfen nur in einer vorgegebenen Schriftart angebracht werden. Das lässt die Häuser richtig zur Geltung kommen. Nur die geparkten Autos stören. Es sollten vor den Toren ein großes Parkhaus gebaut werden, dann wäre es perfekt. Aber das Für und Wieder wird auch hier endlos diskutiert, wie ich erfahre.
Danach kehren wir in eine Brasserie ein und ich genieße einen wirklich heißen Kaffee und eine Schokobanane. Andi trinkt lieber dunklen Hopfensaft. Ich möchte mich bedanken und ihn einladen, doch er sagt nein. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, bin ich dran, diesmal lädt er mich ein. Wie lieb von ihm. Ich bin jedes Mal erfreut, erstaunt und euphorisch wenn ich diese Pilger- Solidarität erfahre. Wir verabschieden uns und ich werde von meiner Gastgeberin abgeholt
In einem wunderschönen Schwedenrot- Holzhaus darf ich die Nacht verbringen. Auch hier werde ich zu einem leckeren Abendessen eingeladen und unterhalten mich herrlich dabei.
Morgens bekomme ich noch ein schönes Frühstück und wir fahren zurück in die Altstadt, wo sie mir noch den Stempel in der Tourismus- Info besorgt. Perfekt!
Der Ostersamstag beginnt wieder mit nur 5°C und ich laufe wieder viel Asphalt. Bei Rewe kaufe ich leichten Proviant für zwei Tage und dann geht es los.
Kühe stehen auf den Weiden und die Felder werden bestellt. Wildgänse schnattern aufgetegt. Die Sonne kommt raus und es wird richtig warm. Osterwetter!
Sobald es geht, wechsel ich auf den Fernwanderweg und laufe auf Forstwegen durch herrliche Wälder. Die ersten Maiglöckchen- Teppiche sehe ich.
In Bosacker, einem 5 -Häuser- Dorf, aber mit Ortseingang -und Ortsausgang - Schild, frage ich einen jüngeren Bauern, ob ich heißes Wasser bekommen kann. Natürlich, und dann frage ich, ob der Baum am Platz eine mächtige Eiche ist. Ja, die ist über 100 Jahre alt, dass muß er wissen, denn sie gehört ihm. Okay, dass ist scheinbar der Großbauer von Bosacker, der mit seiner Mama zusammen wohnt, wie er mir erzählt.
Ich frage, ob ich darunter Pause machen darf. Na klar und so sitze ich unter diesem mächtigen Baum, esse meine Käsebrötchen und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Der Wind streift durch meine Locken und ich bin endlos glücklich in diesem Moment.
Ich will Holger eine Nachricht schicken und sehe, dass ich keinen Empfang habe. Wahnsinn, Bosacker ist noch ein Funkloch. Ich entdecke eine Blutblase an der rechten Ferse und verarzte sie gleich, bevor sie größer wird. Hoch lebe das Blasenpflaster .
Nach einer guten Stunde Träumerei laufe ich die letzten Kilometer durch den Wald und lausche dem Frühling.
So komme ich schon nachmittags im Kloster Maria de Victoria in Fremdingen an und die letzte Schwester des Ordens öffnet mir die Tür und hat mich schon erwartet. Ich bin sehr erstaunt, denn ich hatte telefonisch keinen Kontakt bekommen und gestern halbherzig eine Mail an den Mutterorden in Augsburg geschickt. Sie haben sie tatsächlich gelesen und weiter geleitet. Ich bin sehr dankbar dafür.
Einer kurzen Einweisung in das Haus und die Geschichte der Schwester lausche ich interessiert. Dann zieht sie sich zurück und ich kann duschen. Danach muss ich unbedingt ein paar Sachen waschen, denn langsam stinke ich gegen die Wolle an. Mit ziemlich schlechtem Gewissen, am Ostersamstag zu waschen, lege ich die Shirts hinter dem Kloster auf Marmorsteine und da trocknen sie in der Sonne, während dessen ich das hier schreibe.
20:30 Uhr ist noch ein Auferstehungs- Gottesdienst zu dem ich schlendere. Die Liturgie ist ausdauernd und die Stimmung wundervoll. Allerdings ist die Kirche A....kalt und nach 2,5 Stunden bin ich völlig ausgekühlt. Der Pfarrer malt das Paradies aus, so schön " wie wir es uns gar nicht vorstellen können, viel schöner als eine DDR- Plattenbau- Wohnung" ( Zitat Ende). Ich glaube mich verhört zu haben, aber nein...
Er hat ein Mikrofon um den Hals und meint, wenn er flüstert hört es niemand, aber dem ist nicht so und so geht oft ein Schmunzeln durch die Reihen. Z.B. sucht er die Gaben die er segnen will😅
Ich gehe danach in mein Zimmer und dort ist es genauso kalt. Mit langen Klamotten, meinem Schlafsack und Decke gehe ich ins Bett und bibbere mich in die Osternacht.
Am Ostersonntag bin ich früh wach, koche mir Kaffee und esse mein Müsli. Dann starte ich und laufe durch das schlafende Dorf in den Wald hinein. Die Sonne scheint, die Vögel jubilieren " Der Herr ist auferstanden" und ich laufe weiter über Felder. Die Saat ist aufgegangen und in den Halmen glitzert der Tau. Was für österliche Botschaften!
Wegkreuze stehen am Rand und bald verläuft der Weg parallel zu einem Bachlauf, an dem gelbe Sumpfdotterblumen ihre Köpfe in die Sonne recken.
Früh bin ich schon am Kloster Maihingen. Davor ist ein wunderschöner Picknickplatz mit Schaukel. "Oma willst du schaukeln", na klar.
Die barocke Klosterkirchen ist beeindruckend mit ihren verschwenderischen Malereien, den kunstvollen Balustraden, der geschnitzten Orgel und dem überbordenden Altar. Wow, was waren das für Baumeister.
Bayrisch Pub🥳
Spülen und Lüften muss sein🤭






















































































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