Auf dem Treppelwegen an der Donau

 Morgens, in der Frische geht es von Aschach an der Donau entlang, auf einem sog. Treppelweg. ( Treidlerpfad auf deutsch). Der ist ursprünglich und grasbewachsen und deshalb gut für die Füße. Am Wegesrand blüht es in allen Farben und ich sehe wieder einen Hasen, der vor mir davon läuft, dabei bin ich doch harmlose Vegetarierin.





Flach bin ich Recht flott unterwegs und da die Temperaturen heute unter 10° sind suche ich Zuflucht in der Kirche von Goldwörth für eine Pause.
Hier entdecke ich eine Fasten/Osterkrippe, die jemand geduldig gebastelt hat.


Weiter folge ich der Ausschilderung und dem GPS, dass mich hier eindeutig geradeaus schickt. 


Ich laufe und laufe, der Weg ist gemäht, bis ich vor diesem Gesträuch stehe. Ja, das war einmal ein Weg.

Doch da ist kein Durchkommen mehr. Ich folge dem gemähten Streifen in einer anderen Richtung und nach einer Weile ist wieder Schluss. Also zurück und die Etappe verlängert.

Mein Blick geht in  wunderschöne Blumenwiesen und auch heute kann ich es nicht lassen...



Dann erreiche ich Ottensheim über das Bundesleistungszentrum für Kanu und Rudern.


Über der Stadt thront ein Schloss und am Ufer ist Kunst zu bewundern.



Mit der Fähre setze ich über und laufe zum Stift Wilhering. Unterwegs entdecke ich eine perfekt getarnte Köcherfliege.

                   


In Wilhering darf ich im Pilgerzimmer übernachten. Über meinen Blumenstrauß freut sich der Organist, der mir das Zimmer zeigt, sehr. Ich freue mich mit ihm.





Abends gibt es eine Maiandacht und da gerade der neue Papst, Leo XIV ausgewählt wurde, wird er willkommen geheißen, in Wort und mit einem gewaltigen Orgelspiel.

Morgens bin ich schon zeitig unterwegs und laufe auf dem Prinzensteig auf Linz zu. Der Weg hat es in sich. Er geht steil bergauf, wird schmaler und ist bald nur zwei Fuß breit. Rechts ist Hang und links ist Abgrund. Wurzelig, steinig, hoch und runter, kletternd über und durch umgestürzte Bäume, auf Gesteinsbrocken brauche ich meine ganze Konzentration. Ich nehme das Tempo raus und stecke das Handy in eine verschließbare Tasche, für den Fall der Fälle. Immer wieder queren kleine Wasserläufe den Weg und es wird rutschig. 




Nach 3 km ist der Spuck zu Ende und ich komme zu einem Aussichtspunkt und den Resten eines alten, römischen Wachturmes 



Auf einem Forstweg laufe ich auf einen Berg mit guter Sicht auf Linz hinauf und dann hinunter ins Zaubertal und in den gleichnamigen Ort. Dort stehen ein paar sehr moderne, riesige Häuser.



Was ich runter lief, laufe ich wieder hoch, um dann hinunter nach Linz zu laufen, vorbei an der ältesten Kirche Österreichs, einer Martinskirche, die von Bäumen fast verdeckt und geschlossen ist.

Am Schlossturm laufe ich zum Schlossmuseum mit seinem futuristischen Neubau und seiner Aussichtsplattform.







In der Stadt ist Markt und ich gehe zur Touristeninfo zwecks Stempel und Bett.

Eigentlich würde ich gern noch weiterlaufen, aber in 10 km Entfernung kostet das Bett 77€ und hier in der JH 39€. Somit ist klar, dass es heute eine kurze Etappe mit Citybummel wird und morgen wieder länger.







Der Mariendom ist mit seinen alten, bunten Fenstern sehr beeindruckend.




 Oberhalb der Arena steht die JH. Ich komme an riesigen Gebäuden der Diözese Linz und der Caritas vorbei und verstehe nicht, wieso diese kein Pilgerzimmer anbieten. Meine Anfrage verlief ins Leere. Das finde ich immer wieder schade.


Noch habe ich das Mehrbettzimmer für mich allein. Ich gehe nochmals den Froschberg hinunter in die Stadt und Stelle fest, dass ich eigentlich schon die Highlights gesehen habe, nur fürs Museum fehlt mir die Muse. Die Hauptstraße ist eine einzige Baustelle, staubig, voll, verstopft...Ich finde keine Linzer Torte beim Bäcker, da alles nur Ketten sind. Bei Billa kaufe ich mir dann einen Eiweiß-Buster und laufe zurück zum Hostel, wo ich es mir mit einem Kaffee aus dem Automaten im Foyer gemütlich mache.







Dann geht die Bettensuche für das Wochenende weiter und als ich die Preise sehe, schreibe ich wieder zwei Pfarreien am Weg an. Schließlich ist in der katholischen Kirche das heilige Jahr unter dem Motto" Pilger der Hoffnung" ausgerufen, also habe ich Hoffnung.

Am nächsten Morgen überrascht mich die JH mit einem wirklich guten Frühstück. Gestärkt laufe ich zurück zum Startpunkt. Der Tag beginnt himmelblau und sonnig und ich laufe froh gelaunt los. 

Immer an der Donau entlang ist heute viel los. Jogger, Radler, Gassi gehen und ich bin froh, als sich der Weg teilt und ich auf dem alten Treppelpfad laufen kann, denn die Radler fahren echt knapp an mir vorbei. 


Am Hafen liegt ein Schiff, dass wie ein Elbedamfer aussieht und am Himmel ist heute Geometrie mit Kreis. Die Spiegelung in der Donau ist faszinierend.

Ich höre die Vögel und die Grillen und merke, dass ich nichts denke. Mir fällt nichts ein, worüber ich nachdenken kann...absolute leere, ein Vakuum im Kopf. Was für ein Erlebnis. Ich bin absolut im hier und jetzt und sauge jeden Grashalm mit den Augen auf.

Am Wegesrand sehe ich eine " Treibholz -Skulptur" und wie ich sie mir näher anschauen, ist es eine Obdachlosen- Schlafstätte. Bedrückend!



Dann geht es von der Donau weg, nach oben und ich mache auf einer Wiese unter einen Kirschbaum Pause. In der Ferne sehe ich schneebedeckte Berge. Genial.


Über St. Georgen an der Gusen laufe ich durch kleine Ort und komme an einer überdimensionierten Garage an einem beeindruckenden Einfamilienhaus vorbei. Sie hat die Tiefe für zwei Autos und die Breite für mindestens vier. Ein großer Spiegel lässt an ein Fitness-Studio denken.





Über eine Anhöhe geht es in einen schönen Wald und dann komme ich am Steinbruch von Mauthausen an. Die dort aufgeschriebenen Geschichten treiben mir die Tränen in die Augen.




Ich gehe mit meinen 12 kg- Rucksack die " Treppe des Todes" hinauf zum ehemaligen Lager und mache mir bewusst, dass sich die Häftlinge mit 50 kg- Granitblöcken auf lose angeordneten Steinen hier im Laufschritt hochschleppen mussten. Wenn nicht gab es Schläge. Grausam, unmenschlich, ich fühle einen Schmerz und die Tränen rollen. Margot Friedländer ist gestern gestorben und ihre Mahnung wird an solchen Orten greifbar.

 
Oben angekommen ist sehr viel los, denn morgen wird die 80 jährige Befreiung gefeiert. Das ORF baut Bühnen und Technik auf. Ein Probelauf ( Bundespräsident wird erwartet) wird durchgeführt und jede Menge Gruppen erhalten Führungen in verschiedenen Sprachen der Welt. Diese ganze Unruhe empfinde ich als verstörend und als ich mir den Stempel in dem Besucherzentrum hole, bin ich entsetzt, dass dort die Leute in einem Bistro sitzen, essen, trinken, lachen...Das normale Leben.




Ich gehe weiter, pflücke unterwegs Blumen und komme in den Ort Mauthausen, der sich farbenfreudig zeigt.



Ich habe den Zug zu meinem Bett verpasst und habe keine Lust anderthalb Stunden auf einem Bahnsteig zu verbringen. 6,5 km würde ich vielleicht noch schaffen, aber dann wäre ich bei fast 40 km, dass will ich meinen Füßen nicht zumuten.
Also Daumen raus....und Glück gehabt. Ein junges, türkisches Pärchen, Sheila und Emir nehmen mich mit nach Schwertberg.
Kurz danach stehe ich bei Franziska und Johannes, Freunden von Hanns und vom Jerusalemweg, vor der Tür und werde freundlich empfangen. Franziska freut sich über die Blumen, auch wenn der Mohn den Transport am Rucksack nicht wirklich überstanden hat.

Nach einer heißen Dusche gibt es wunderbare Gespräche und einen sehr, sehr leckeren Salat, mit allem was das vegetarische Herz begehrt. Blattsalat, Radies, Tomate, Gurke, Erdbeeren, grünen Spargel, Kerne...in einem leckeren Dressing. Dazu ein Butterbrot. Perfekt. 
Abends falle ich todmüde ins Bett, fasst 34 km und 9 Stunden frische Luft machen müde.


Erholt wache ich morgens auf und bekomme ein ebenso leckeres Frühstück. Als i- Tüpfelchen obendrauf gibt es noch Weg -Begleitung von den Beiden, bis ich nur noch entlang der Aist laufen muss, um auf den JW zurück zu kommen.
Auch heute wieder Sonnenschein und an der Donau entlang. Unterwegs scheuche ich auch heute mehrere Hasen und ein Reh auf. Eine kleine Schlange räkelt sich in der Sonne.




Auf dem Damm komme ich bis Au an der Donau, wo ich meinen morgendlichen Dank in der Schifferkapelle abgeben kann. 



Noch ein Stück geht es am Damm entlang bis zu einen Aussichtsturm, den ich natürlich besteige.



Danach biege ich ins Hinterland ab und laufe durch ein herrliches Mühlbachtal, wo es nach Knoblauch riecht. Tatsächlich blüht im Schatten noch Bärlauch.




In Naarn im Marchland steht ein gigantischer Maibaum, der Ort selbst liegt aber in mittäglicher Ruhe vor mir. Also laufe ich weiter.



Ich komme zum Naarn- Fluss und finde eine Bank. Zeit für eine Pause. Ich ziehe die Socken aus und nehme ein kühles Bad im klaren Wasser. 





Als ich weiter gehe, sitzen am Ufer Familien mit Grill und Kindern. 

Ich pflücke wieder ein Blumensträußchen für meinen heutigen Gastgeber und komme recht früh in Arbing an. In der Kirche finde ich den Stempel und im Handy, eine Nachricht, dass ich langsam gehen soll, denn er ist erst Abends da. Es ist Muttertag. 


Zu spät, langsam war ich nicht. Ich setze mich in die Sonne, lese, schreibe, esse, telefoniere und genieße das herrliche Wetter. Pausentag auf der Spielplatzbank. Daneben ist die Schule und ich entdecke eine Außensteckdose. Perfekt, so kann ich mein Handy aufladen. Fotos, Navigation und alles zieht doch recht schnell das Akku leer.
Abends werde ich von Johannes, dem Chef des JW-Vereins abgeholt. Er ist erst gestern aus Jordanien von der Markierung des Weges dort zurück gekommen und heute renne ich seine Tür ein.
Schnell bereitet er den Schlafboden in der Scheune vor und ich dusche. Saubere Sachen anziehen und noch die Waschmaschine angestellt. Dann fahren wir in ein türkisch- griechisch - mexikanische Restaurant essen etwas und tauschen uns über den JW, den Verein und meine Erfahrungen auf dem Zubringerweg aus. 
Dann falle ich müde auf meine Matte. 

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