Die 1000 kommt

 Ehrlich, der letzte Post war anstrengend, weil irgendetwas immer nicht stimmte. Mal war der Text verrutscht, dann die Bilder weg...ich habe beschlossen kürzer zu treten auch wenn ich die Leser etwas enttäusche, für die Bildergucker bleibt alles, wie es ist.

Am Donnerstag bin ich früh los und bin nach Spitz gelaufen. Da die Etappe nur 20 km lang ist und die ganze Zeit an der Donau entlang geht, somit Radweg, habe ich kurzerhand beschlossen dem Welterbesteig in das Hügelland hinein zu folgen und genieße das auf und ab im Wald und über Wiesen und Felder.













Später geht der Weg wieder bergab zur Kartause Aggsbach, welche ich kurz besichtige. Hier begegnet mir eine polnische Reisegruppe.





Als ich wieder rauskomme ist es sehr windig und dicke Wolken ballen sich am Himmel. Da gehe ich lieber nicht durch den Wald sondern laufe den letzten Teil der Strecke den JW an der Donau. Ich habe Glück, denn ich kann viel auf gemähten Randstreifen laufen.

Nun bin ich in der Wachau angekommen, die vor allem für ihre Marillen bekannt ist und eben eine Welterberegion ist.





Mit der Fähre setze ich nach Spitz über und gehe zur Kirche. Ich bin dem Regen heute davon gelaufen und am Ende wieder ein Drittel mehr gelaufen, als geplant. In Spitz habe ich den katholischen, polnischen Pfarrer überredet mich im Pfarrsaal schlafen zu lassen.




Nach dem Besuch der Kirche klingel ich am Pfarrhaus und er zeigt mir den Pfarrsaal. Ich bekomme eine kleine Einweisung in die Lichtschalter- Technik, dann macht er die Heizung an und ward nicht mehr gesehen.


Ich koche mir erst einmal einen Kaffee und dann folgt die Routine. Da ich Zeit und eine funktionierende Heizung habe, wasche ich mal ein bissel Wäsche und hänge sie Kreuz und quer auf.  


Die Nacht war etwas unruhig, da meine Luftmatratze ein bissel aus den Schweißnähten platzt. So musste ich 2 Uhr nachpumpen, um nicht zu hart zu liegen.
Um 6 Uhr dröhnen mich die Glocken aus dem Tiefschlaf und ich erledige die übliche Pilgerroutine. Ich koche mir Kaffee und Porridge mit Banane und 7 Uhr stehe ich in den Startlöchern. Es sind 4°C und die Regenprognose ist 50% ab 12 Uhr. Na mal sehen.

Im Gegensatz zu gestern, kürze ich heute die Etappe ab, denn der JW soll über alte Bergwerksstollen in 1,5 Stunden mit etlichen Höhenmetern nach St. Michael gehen. Ich nehme den direkten Weg, parallel zur Eisenbahn und bin in 30 Minuten da. Leider ist die alte Wehrkirche so früh noch verschlossen.


Am Wegesrand leuchtet der Mohn und in den Weingärten haben die Reben Trauben angesetzt.



Vor mir sitzen wieder zwei Hasen und lassen sich Zeit mit dem davon Flitzen.


In den Gärten und an den Häusern blühen die Rosen üppig und ich bestaune die Pracht und schnupper an vielen Blüten.


Ein Heuriger setzt auf SB und hat seinen Garten rund um die Uhr geöffnet.



Die Wolken wechseln sich mit der Sonne ab und noch ist alles trocken. Bald erreiche ich Weißenkirchen, eines der ältesten Dörfer Österreichs (1500). 



Nun laufe ich durch die Weinberge und überall werden die Reben gehegt. Dann geht es ein Stück an die Donau und der Zug fährt hupend durch die Ortschaften, denn Schranken gibt es keine.




Von weitem sehe ich schon die Ruine von Dürnstein. Am Wegesrand stehen die Marillenbäume und haben auch schon Recht beachtliche Früchte angesetzt.



Als ich meinen Rucksack an einer Steinmauer absetzen will, hätte ich ihn beinahe dem Smaragd- Salamander auf den Kopf gesetzt.


Der Flachs blüht leuchtend und die Bienen sind emsig.


So komme ich nach Dürnstein, wo sich die Touristen von den Hotelschiffen tummeln. So viele Leute bin ich nicht mehr gewohnt. Ich laufe zum Stift und bekomme als Pilgerin keinen freien Zutritt zur Kirche. Ich finde das beschämend und gehe einfach weiter.






Dem Getümmel entfliehe ich und steige auf zur Burgruine. Über einen Treppenweg, durch einen blühenden Akazienwald mit einem betörenden Duft steige ich in die Höhe und genieße die Ausblicke.








Am Ortsende gibt es einen Supermarkt und ich besorge mir ein zweites Frühstück, dass ich auf einer Bank verzehren.


Nun geht es gestärkt weiter, vorbei am " Franzosenturm". In der Ferne sehe ich schon mein heutiges Ziel- Stift Göttweig.



Ich wechsel über eine Brücke die Donauseite und laufe durch Mautern und wieder durch Weinberge. Ich komme an einem wunderschönen Pausenplatz vorbei und finde einen "Stoaroas", lasse ihn liegen, weil ich das nicht kenne. Abends lese ich im Netz, dass es "Wandersteine" sind und man den Fund bei Facebook dokumentieren soll. Naja, er liegt noch da, in dem Baum.



Nun geht es zwischen den Weinbergen in einen langen Hohlweg bergab und zu beiden Seiten stehen Lösswände... faszinierend.



Dann kommt der letzte steile Anstieg des Tages zum Stift hinauf.
Der Weg ist faszinierend schön und ich genieße jeden schweißtreibenden Schritt hinauf 






Oben dann bin ich im Stift und schaue mich um. 16 Uhr werde ich von Abt Columban herzlich begrüßt. Ich bekomme mein Zimmer gezeigt, den Speiseraum und die Gebetszeiten. Er ist sehr interessiert und wir unterhalten uns nett. Jedes Kloster hat eine andere Willkommenskultur und hier bin ich als Pilgerin willkommen. Ein sehr schönes Gefühl.






Dann habe ich Zeit und koche mir erst einmal einen richtig leckeren Kaffee, bevor ich die Dusche genieße.


Nach der Abendandacht esse ich Abendbrot und genehmige mir ein Gläschen stiftseigenen Messwein. 


Nach dem Komplet gehe auch ich in mein schönes Bett. Der Tag war wieder schön anstrengend und berauschend.

Am nächsten Morgen, nach einem reichlichen Frühstück verlasse ich das Kloster früh und laufe auf der Landstraße los. 

       Mir genügt der Käse🫣

Am Himmel ziehen Wolken, es ist sehr frisch, mein Handy zeigt 4°C!! und eine " Starke Winde"- Warnung! Na zum Glück geht es heute nur über Landstraßen und Feldwege, im Wald wäre ich vielleicht nicht so sicher.
Der Wind pfeift wirklich kräftig, aber dadurch verweht es auch immer wieder die dicken, grauen Wolken. Es geht bergab und nach einer Weile drehe ich mich um und das Stift glänzt in einem Sonnenstrahl vom Berg herab.
Der JW geht ein Stück mit dem "Tut Gut! Schritte Weg" zusammen und ich lächle über die Ösis, die so wunderbare Wege kreieren.




Ich höre ein schönes Vogelpfeifen und möchte den Sänger entdecken. Ich bleibe unter einem Baum stehen und suche in den Zweigen und tatsächlich sitzt ein Stieglitz gut getarnt im Geäst des Walnussbaums. 


Ich laufe heute recht flott, damit ich nicht friere und habe tatsächlich den ganzen Tag die Wanderjacke über den langen Pulli an. In Inzersdorf am Traisen wird der 50. richtig gefeiert und die Feuerwehr hat eine riesige Skulptur in den Garten gestellt.


Durch eine (Wein) Kellergasse komme ich zum Schloss Walpersdorf, wo ein Pranger steht und



...ein interessantes Schild🫣



Das Schloss selbst kommt mir französisch daher. Ein Mann, der gerade vorbei kommt, meint ja der Stil wäre so Renaissance. Ich könne ruhig reingehen, der Möbelladen in der 1. +2. Etage sei sehr schön. Ich könne auch ein AIRBNB mieten oder eine Festivität abhalten. Ich sage, ich glaube mit dem Rucksack nehme ich kein Möbelstück mit und der Zimmerpreis liegt bestimmt über meinem Budget. Leider macht der Laden erst in einer viertel Stunde auf und zum Warten ist es zu kalt. Deshalb mache ich nur ein paar Fotos und gehe weiter.



Bald erreiche ich das Stiftsweingut von Herzogenburg und daneben blüht ein Blauglockenbaum ganz prächtig.





Nach der nächsten Kurve sehe ich auch schon die Stiftskirche. 


11 Uhr bin ich schon da und schaue mir die Kirche an. In dem Museumsshop bekomme ich den Pilgerstempel und dass Pilgerzimmer angeboten. Wahnsinn, angeboten ohne Nachfrage! Ich bin begeistert, aber ich laufe noch ein Stück weiter.





Am Straßenrand blüht der Mohn und ich kann mich nicht satt sehen. Ab jetzt schaue ich immer wieder auf meinen Kilometer-Zähler, denn heute, nach 16,6 km habe ich die 1000km- Marke ab Fulda erreicht. Total verrückt, nach 40 Tagen (3 davon ohne Kilometerzahl) und ich genieße es jeden Tag aufs Neue, auch wenn abends die Füße schmerzen.
An einem Pausenplatz, an der Brücke über die Traisen ist es soweit. Kein Mensch weit und breit und so muss ich improvisieren. Ich hefte mir mein Schild auf die Brust und mache ein Selfie.



Es geht weiter über verschiedene Feldwege und Untergründe. Der Wind wird immer stärker und treibt mich vorwärts oder will mich vom Weg abdrängen. Es pfeift um meine Ohren. Kurz regnet es, dann lacht die Sonne wieder.




So komme ich nach Maria Jeutendorf, wo ich heute bei den Karmel- Schwestern ein Bett stehen habe. Am Dorfeingang ist ein großes Erdbeerfeld mit roten Früchten, aber ich traue mir nicht, denn die Häuser sind nah. Es ist auch niemand unterwegs, um zu fragen, ob ich ein paar Früchte pflücken darf. Schade.
MIch schaue in die Kirche und dann gehe ich zur Pforte.



Schwester Johanna begrüßt mich freundlich und führt mich in mein Zimmer. Sie zeigt mir die Ikonen, die die Schwestern malen und ich bin beeindruckt.




Während ich dusche stellt mir jemand das Abendessen in die Küche und über den Zettel muss ich schmunzeln.


Ich habe Zeit bis 18 Uhr zum Abendgebet und schlafe tatsächlich ein. Inzwischen hat es draußen geschüttet und auch gehagelt. Zum Glück bin ich im Trockenen und wohlbehütet.


Morgen ist Sonntag und ich habe die Einladung von Schwester Johanna für einen Ruhetag angenommen. Ich laufe also nur zur Kirche, wo morgen Erstkommunion gefeiert wird, und zurück. Ansonsten hoch das Bein...



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