Österreich, ich komme

 Meine Mitbewohnerin hat sich genau wie ich einen ganzen Tag Pause verordnet und will heute per Fahrrad die Donau entlang fahren. 

Heute ist der erste Nieseltag und trotzige 10° erwarten uns draußen.

Nach dem Frühstück gehen wir zusammen in die Stadt hinunter und verabschieden uns voneinander.

Ich laufe an der Donau entlang und lese dieses Schild.


Ich schaue mir den Weg an und denke, wenn alle Straßen in Leipzig so aussähen, hätten wir kein Problem. Passau ist pingelig.

An einem Restaurant lockt ein anderes Schild.


Ich gehe über die Donau und ein Stück an ihr entlang, bevor ich auf eine Straße nach rechts abbiegen und...


...dann bin ich in Österreich. Einfach so....genial. Ich laufe in einen Wald hinein und auf die Höhe hinauf.

Oben komme ich auf Wiesen und Felder und habe einen herrlichen, aber verregneten Blick auf die Landschaft und zurück auf die 3- Flüsse- Stadt.




Das Getreide hat schon seine Ähren rausgestreckt und leuchtet kräftig nass.

Danach geht es wieder bergab, zurück zur Donau und die Tannen strecken mir  ihr Maigrün entgegen.


Die Pusteblumen sind so feucht herrlich anzuschauen. Ich genieße die Landschaft.


 Kaum bin ich wieder am Donauradweg, klingelt es von hinten und Sueeli kommt angeradelt. Ich Frage, wie es ist und sie antwortet, sie muss es lernen. Es ist ihre erste Radtour auf einem E- Bike, und biegt falsch ab.😂


Ich darf kurz danach wieder in die Höhe steigen und bewundere Pfingstrosen, die im Garten blühen.


Ein Selfie am Straßenrand. Noch ist es ein feiner Nieselregen, der mich begleitet.


Die ist direkt am Recyclinghof und ich habe noch nie darüber nachgedacht, wohin mit der toten Katze. 

In meiner App steht, dass in Schörgeneck Margit Pilgern einen "Support" gibt. Einfach klingeln, steht da. Okay, das mache ich, doch leider ist Margit nicht zu Hause. Ihr Mann, Harald öffnet mir die Tür und nach einem kurzen Gespräch fragt er, ob ich einen Kaffee möchte. Oh ja gern, denn bei dem Wetter ist eine Pause sehr willkommen. Er ist sogar so nett und kocht mir noch einen Zweiten und wir unterhalten uns über Pilgern und seinen Job. Ich esse mein Brötchen dazu und gut gestärkt, möchte ich ihn nicht länger aufhalten.


Als er die Tür öffnet, regnet es nun einen schönen gleichmäßigen Landregen hinunter. Nun kommt mein neues Regencape zum ersten Mal zum Einsatz und Harald assistiert mir, damit ich mich nicht verheddert. Die Übung kommt noch.


Im leichten auf und ab, laufe ich durch kleine Ortschaften, wo jeder neuer Erdenbürger groß willkommen geheißen wird. Hier ist es Mathea.




Bei dem Wetter lassen es sich die Bauern nicht nehmen, die Gülle zu verteilen und so schwebt eine leichte Duftwolke über die Wiesen.


Recht früh bin ich schon in Viechtenstein. Hier muss ich mich entscheiden, ob ich weitergehen oder auf meine Abholung am Abend warte. Da ich mich noch fit fühle, entscheide ich mich, die letzten 10 Kilometer noch zu laufen. Es geht vorbei an der Burg Viechtenstein in den Wald hinein, auf den Donausteig. Kaum bin ich drin, Frohlocken ich. Der Untergrund ist weich und die Luft klar. Der Weg ein Traum und als er in einen Wiesenweg einbiegt, habe ich sofort die Wasserstandsmeldung im Schuh🤣 Solange ich laufe bleiben aber die Füße warm. Ich sehe einen Salamander, kann auf die Donau hinabschauen, kleine Bäche murmeln und suchen ihren Weg, teilweise über meinen Weg. Es ist magisch so allein im Wald zu sein.







              Er verspeist ungerührt einen Regenwurm.

Der Weg ist gut und manchmal ganz clever markiert.




So komme ich nach Engelhartszell und laufe am Kunstmuseum ( leider geschlossen) vorbei.




Der Ort hat hübsche Häuser und ich gehe zur Stiftskirche, um für den Tag zu danken und im Klosterladen den Stempel zu erbitten.







Im angeschlossenen Café lacht mich eine Kuchentheke an und der Kardinalschnitte kann ich nicht wiederstehen. Nach mehr als 30 km belohnen ich mich selbst, auch wenn der Preis exorbitant ist. Das Café wird von der Caritas geführt und ich glaube für jeden Buchstaben wurden 50 Cent aufgeschlagen🫣

Ich genieße meine Belohnung.

Dann ist immer noch Zeit, bis ich am Spar-Markt abgeholt werde. Ich dachte ich kann darin warten, aber er ist klein und zugestellt. Ich stehe unschlüssig davor und eine ältere Dame fragt was ich suche: Ein warmes Plätzchen für eine gute halbe Stunde. Sie sagt, ich soll zum Metzger gehen, da kann ich sitzen. Ich muss lachen, als Vegetarierin bitte ich in der Metzgerei um Asyl. Doch die Verkäuferin sagt, na klar. Ich erkläre ihr, warum ich ihr keinen Umsatz machen kann und das findet sie auch sehr lustig. Wir klönen eine ganze Weile und als sie sagt, dass sie Brigitte heißt, weiß ich warum wir uns verstehen. Es wird 18 Uhr und sie beginnt auszuräumen, schmeißt mich aber nicht aus dem Laden. Sie ist so nett. Deshalb biete ich ihr meine Hilfe an und putze die Scheiben der Ladentheke. Wir haben wirklich viel zu lachen.


Dann kommt der Anruf, dass ich am Spar erwartet werde. Erika holt mich mit dem Auto ab und fährt mich zu ihrem schönen Haus. Matthias, ihr Mann ist der Pilger und beide bereiten mir einen wunderbaren Abend mit Gemüsesuppe. Es ist total nett von Ihnen. Ihr kleiner Hund ist ein ganz gemütlicher und lässt sich von mir nicht stören.


Am nächsten Morgen bekomme ich noch ein ausgezeichnetes Frühstück und die selbst gekochte Marillenmarmelade ist der Hit. Danach bringt mich Erika zum Ausgangspunkt zurück und unterwegs müssen wir zweimal bremsen, weil die Feldhasen übermütig am Straßenrand hoppeln. Wir verabschieden uns heute herzlich. Sie sagt, sollte ich irgendwie oder wann Hilfe in Österreich brauchen, solle ich anrufen, denn Matthias fährt jede Woche Kreuzbund quer durchs Land. Wie lieb ist das denn?


Bei frischen, aber trockenen 7°C begebe ich mich an der Donau zurück auf den JW. Auf einen Weg direkt am Wasser komme ich bei Faber- Castell vorbei und erinnere mich an die schönen Stifte, die ich sehr mag. Heute machen sie auch Textmarker und die " Farbeimer" stehen auf dem Dach.




Bei Oberranna geht es den Donausteig wieder steil bergauf zu einer Kapelle und weiter auf den Hügel.



Von oben habe ich einen herrlichen Blick über die Donau. Eine Bank am Weg ist nicht mehr zu erreichen und wächst langsam zu.


Am Wegesrand blüht es und der Wald ist frisch gewaschen und glänzt im jungen grün. Die Vögel zwitschern und mir ist wieder ganz leicht ums Herz.

Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter. Durch das Kösselbachtal geht es zurück zur Donau. 




Ich überquere diese und laufe an der anderen Seite auf dem Standstreifen des Radweges entlang.



Dieser Pilz hat einen wunderschönen Hut und ich bewundere die Kunst der Natur.
An einem aufgegebenen Restaurant setze ich mich auf die Terrasse und mache eine Pause.


Dann geht es hinter Freizell wieder von der Donau weg und wieder stetig ansteigend die Via Sancti Martini zur Burgruine Haichenbach. Unterwegs ist der Durchgang gesperrt,aber ich ignoriere das Schild, denn ich höre nix von Waldarbeiten.

Der Ginster blüht Dottergelb und ich entdecke die ersten, noch unreifen Blaubeeren.





Die Ruine kann begangen werden und ich steige die Metallstufen nach oben, die merkwürdige Geräusche von sich geben. Manchmal knackt es oder wackelt ein bisschen. Trotzdem erklimmen ich die Stufen und der Blick auf die Donauschlinge ist super.



Danach geht es auf einen schmalen, wurzligen Pfad hinunter und der Boden ist weich und rutschig. Hier sind die Stöcke wieder richtig im Einsatz.


Wieder unten fahre ich mit der Fähre auf die andere Seite.


Nun laufe ich die letzten Kilometer bis nach Inzell, wo die heutige Etappe endet. Die Wiesen blühen herrlich.
Am Rand steht ein Kreuz zur Erinnerung an die Ertrunkenen von 1923. Auf dem Fluss fährt der Donau Bus. Was es alles gibt!😃




In Inzell gibt es zwei Gasthöfe und sonst nichts. Im preiswerteren steht heute mein Bett und das Zimmer ist hübsch rustikal. Ich bin schon am Nachmittag da und trinke erst einmal einen Kaffee und esse ein paar Kekse dazu 

Ich telefoniere mit Holger und er überredet mich mal in die Vollen zu gehen und mein Knäckebrot im Rucksack zu lassen und essen zu gehen. Das tue ich dann auch und esse sehr leckere Käsetaler mit Salat.

Nach einem guten Frühstück laufe ich vollgefuttert los und gleich geht es steil bergauf. Zuerst auf einem nassen Wiesenweg und dann auf einem Forstweg. Eigentlich ist es noch frisch,doch bergauf wird mir schnell warm und ich packe die Jacke in den Rucksack. Später wird der Weg schmal, steinig und wurzelig und links und rechts geht es hinunter. Schluchten und Täler öffnen sich. Ich genieße jeden Schritt und fühle mich großartig.




Die Ausblicke zur Donau sind wunderschön, die Vögel zwitschern und sonst ist nur mein Schritt zu hören.





Die Bäume sind mächtig und diese Beiden sind eng verschlungen und ich bin gerührt und muss an meinen Lieblingsmenschen denken.





Nach diesem schönen Weg geht es an blühenden Wiesen vorbei zu kleinen Weilern und Orten.



Unterwegs steht ein kleiner Kühlschrank am Weg, der für Proviant sorgt.




In Haibach mache ich Pause und genieße die Sonne. Als ich weiter gehe, habe ich einen wunderschönen Blick ins Land. 



Dann gehe ich wieder über Wiesen und Felder und leider sind die kleinen Höfe alle mit einer Asphaltstraße verbunden und ich nehme jeden Grasrand mit.


Diese Bachstelze trippelt eine Zeit vor mir her. Im Wald wird es wieder einfacher. Nun geht es stetig bergab.







Ich genieße die Natur, bleibe stehen, schaue, lausche und bin überwältigt. Auf einer Wiese pflücke ich ein Strauß Blumen für den Seelsorger, der mir heute den Jugendraum aufschließt.



An einem Gehöft wird die 70 groß gefeiert und ich finde es großartig, was die Nachbarn so schreiben.



Dann kommt der erste Weinberg auf meinen Weg in Österreich.


Und dann bin ich schon in Aschach an der Donau. Die Häuser sind hübsch saniert, aber viele Geschäfte stehen leer.



In der Kirche halte ich,wie jeden Tag inne und bin dankbar für den schönen Weg. Es gibt ein hübsches Boot mit Gedicht.



Im Pfarramt werde ich schon erwartet, bekomme eine Einweisung, Schlüssel und Wasserkocher. Mehr Bedarf es nicht, um glücklich zu sein.
Nach einer Kaffeepause laufe ich noch zum Schloss. Das liegt tatsächlich hinter einer Raffinerie und eine Futtermittelfabrik. Es riecht übel und ich bin erstaunt, dass sich ein Schloß genau hier dahinter befindet.



Die Rückseite hat noch ein bisschen Renovierung nötig.
Der Innenhof ist wunderschön, doch der "Duft in der Luft" vergrault mich schnell von diesem Platz.





Im Ort sehe ich dann noch dieses Haus mit Terrasse mit Siloblick. 


Abends kuschel ich mich in meinen Schlafsack und finde mein Basiscamp gemütlich.




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