Über Hügel und durch Täler

Auf dem Pilgerboden war es recht frisch und so bin ich schon 7 Uhr draußen. Ich hänge die noch klamme Wäsche in die Morgensonne und frühstücke bei Johannes. Dabei unterhalten wir uns angeregt über eine Werbestrategien für den Weg, denn so schön der Weg ist, die Bettensuche ist anstrengend. Dadurch ist es fast 10 Uhr, als ich die inzwischen trockene Wäsche einpacke.


Dann bringt er mich zur Kirche zurück und wir machen ein Abschiedsfoto.


Die Sonne lacht, der Wind weht frisch und der Hohlweg liegt idyllisch vor mir in der Sonne. Der rote Mohn lacht mich an, die Katze wartet auf dem Weg und mein Herz springt vor Freude. Das ist der perfekte Start.



Johannes hat mich noch an seinen Cousin am Weg verwiesen, falls ich Kaffee trinken möchte. Allerdings habe ich im Moment genug und seine Beschreibung war vage: Am Ende, an einem Marterl im gelben Haus. Ich komme an mindestens 3 Plätzen vorbei, die auf die Beschreibung passen. So gehe ich einfach vor mich hin, als in Puchberg eine Frau mir winkt. Ich gehe hin und sie sagt, Johannes hat die angerufen, dass ich vorbei komme. Der liebe, besorgte Johannes! Ich lasse mich zu einem Glas Wasser und einem Käsemitnehmebrot überreden und unterhalten mich nett mit Ingrid und Heinrich. 

Mit guter Laune laufe ich weiter, durch sehr hohes Gras und plötzlich fliegt ein Fasan direkt vor meinen Füßen auf. Ich habe ihn nicht gesehen, er mich nicht, beide sind wir erschrocken und ich spüre seinen Flügelschlag. Was für ein verrückter Tag. In Steindl fragt mich auch noch eine Frau, ob ich pilgere. Als ich ja sage, fragt sie, ob ich etwas brauche. Heute ist mein Tag! Aber nein, lieben Dank, ich habe alles. Ich bin gerührt.

Die Landschaft ist lieblich, sanfte Hügel, Felder und wunderschöne Blumenwiesen.

In der Klammschlucht laden Hängematten zum verweilen ein. Ein Hersteller feiert sein 40- jähriges Betriebsjubiläum und lädt ein. Ich lege mich rein, sehe die Bäume und den Himmel über mir. Das Wasser plätschert, die Vögel singen und der Wind rauscht in den Blättern. Ich bleibe liegen und empfinde pures Glück. Als ich müde werde, laufe ich weiter.





An der Hammermühle begegne ich einer Kräuterfee, die Weißdornblüten in der Mittagssonne pflückt. Ich frage, was sie daraus macht und sie erklärt, dass es Tee wird gegen Bluthochdruck und Herzprobleme. In der Mittagssonne geerntete Blüten sind besonders gehaltvoll. Wieder etwas gelernt.


An der Burg Kahm laufe ich die steilen Treppen hoch, gehe durch zwei Türen und stehe im Burghof. Kaum habe ich ein Foto gemacht, kommt ein junger Mann und erklärt mir, ich dürfe hier nicht sein. Die Tore seien doch verschlossen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst und sage es ihm. Er geleitet mich hinaus und schließt die Tore ab.


Nun geht es ein Stück auf der Landstraße entlang nach Unterhörnbach, wo es einen Molkerei - Hofladen gibt. Ich kaufe mir einen Becher Joghurt und ein Keksherz und setze mich auf eine Bank zur Pause. Käsebrot, Banane und Joghurt, was für ein Menü. 



Die Landschaft wird hügeliger und ich komme nun nach Niederösterreich. In Grein wurde ich von mehreren Personen angehalten unbedingt im Café Schörgi anzuhalten, weil es dort das beste Eis, die beste Kuchentheke, die besten Mehlspeisen und einen Stempel gibt.





Also plünder ich mein Budget für Chai-latte, der wahrhaftig exzellent schmeckt, und Kremschnitte. Diese ist lecker wie immer. Das Pralinenkarussell ist verführerisch, doch ich nehme nur noch eine Kugel Eis der Woche: Williamsbirne mit Karamell, auf die Hand. Das Eis überzeugt mich nicht. Karamell vermisse ich und die Birne schmeckt künstlich.

Ich gehe zur Fähre und ein Schild erklärt: Fährverkehr erst ab 20.05. Super! Nun laufe ich einen Umweg von fast 5 km auf Asphalt um zu einer Brücke zu gelangen, dabei ist es schon 17 Uhr.



Unterwegs spricht mich Anita an und fragt mich ganz interessiert über meine Pilgerreise aus. Dann wünscht sie mir Glück und gute Füße. Ich pflücke noch einen Wiesenblumenstrauß, dass muß sein.


Der letzte Anstieg zum Nadlingerhof ist sehr schön durch einen Wald, aber auch noch einmal richtig anstrengend. Nach 20 km noch einen Berg erklimmen bringt mich doch noch einmal zum Schwitzen.

Am Nadlinger Hof steht die 1. Friedenstaube des JW und im Museum werde ich von Hans mit einer leckeren, kalten Mostschorle empfangen.




Fotoshooting für das Gästebuch und dann fährt er mich zu seinem Bruder nach Neustadt an der Donau, wo ich heute schlafen darf. Vor dem Haus ist alles mit der 60 geschmückt. Ich erfahre, dass der Hausherr letzte Woche Geburtstag hat und Hühner geschenkt bekommen hat.


Wilma, seine Frau empfängt mich freundlich und freut sich über die Blumen. Sie zeigt mir mein Zimmer und das Bad. Ich kann duschen und sie macht Abendessen. Inzwischen ist Leo, ihr Mann von der Arbeit gekommen. Ich nehme das Keksherz mit und gratuliere ihm nachträglich. Er freut sich und wir essen gemeinsam und unterhalten uns über Politik, Familie, Kinder und am Ende gibt es noch ein paar Witze. 

21 Uhr bin ich müde und verabschiede mich schon von Leo, der 6 Uhr das Haus verlässt.

Morgens bekomme ich noch ein süßes Frühstück und dann verabschiede ich mich auch von Wilma. Ich laufe auf kleinen Landstraßen in der Sonne, nur der Wind pfeift kalt über die Felder.


Fast immer kann ich auf ein gemähten Randstreifen die Füße schonen. Der JW verläuft ein paar Kilometer mit dem Pilgerweg Österreich, immer leicht bergauf und bergab und dann geht er bergab an die Donau. Ein Stück ich ein schöner Treppelweg, doch dann wird es eine Betonstraße und soll es bis zur Querung der Donau am Kraftwerk bleiben. 

Ich schaue auf die Karte und sehe, dass ich über einen Forstweg auf halber Höhe im Wald laufen kann. Also wieder bergauf in einen schönen Wald. Der Forstweg ist breit und läuft sich tannennadelweich. Doch nach ca. 2 km ist er zu Ende und wird ein etwas 50 cm breiter Pfad, dem ich folge. Mit jedem Meter wird er schmaler und der Abgrund steiler. Ich konzentriere mich und schaue, dass ich den Weg vorraus sehen kann. Über Steine, Stöcke, viel Laub versuche ich weiter zugehen. Doch dann wird der Weg noch steiler und schmaler und ich drehe um. Es hat keinen Zweck, da ich nicht weiß wohin das führt.

Ein Blick auf die Karte zeigt mir eine Kreuzung, an der ich nochmals steil nach oben laufe und dann wieder auf den Jakobsweg kommen. Der Weg wird zwar dadurch wieder länger, aber das nehme ich in Kauf.

Irgendwie verpasse ich einen Abzweig und komme tatsächlich wieder auf den Weg, den ich verlassen habe. Er ist also unterbrochen, denn hier ist er wieder richtig breit. 

Steil bergab laufe ich zum Kraftwerk Persenbeug und laufe über die Brücke, auf der der Wind kräftig weht, sodass ich Probleme habe geradeaus zu gehen.



In Persenbeug setze ich mich unter eine mächtige Linde, die um 1300 gepflanzt wurde und gönne mir endlich eine Pause.

Nach einer Stunde nehme ich den Weg wieder auf und komme nach Gottsdorf zurück zur Donau. Der Weg zieht sich und langsam denke ich, ich habe mir zuviel vorgenommen. 

Kurz Telefon aufladen😀

Vor Granz sehe ich vor einem Haus eine große Pilgerfahne wehen mit einem gelben Pfeil und Muschel. Der Weg dahin ist frisch gemäht und ich hoffe auf ein Pilgerbett. Leider öffnet niemand auf mein Klingeln. Also zurück auf den Weg und weiter gehen. 

In Marbach setze ich den Rucksack auf einer Bank ab, um etwas zu trinken. Eine alte Dame (86) sitzt in der Sonne und verwickelt mich in ein Gespräch. Ich setzte mich zu ihr und höre zu. 



Nach einer Viertel Stunde verabschiede ich mich und laufe über den Bußweg zum Kloster Maria Taferl hoch. Nach einigem Hin- und Her finde ich oder der Pfarrer mich und ich bekomme ein Pilgerzimmer für die Nacht. Der Ausblick ist wunderbar zur Donau und die Sonne scheint bis 20 Uhr ins Fenster hinein. 





Ich bewege mich nicht mehr aus dem Haus, denn meine Füße wollen einfach nur ausruhen nach diesem 30-Kilometer- Ritt mit fast 800 Höhenmeter nach oben und 830 nach unten


Morgens gehe ich früh in einen windigen, sonnigen Tag über kleine Hügel, immer hoch und runter weiter. Ich komme durch kleine Ortschaften und bin überall allein unterwegs.




Ab und an durchqueren ich ein Waldstück und bald bin ich schon in Artstetten. Laut Wegweiser in Maria Taferl braucht man 1:40, doch ich hatte wohl den Turbo an und bin in 50 Minuten da und somit fast 2 Stunden bevor das Schloss mit seinen berühmten Pfingstrosen- Garten öffnet. Solange will ich nicht warten und schaue mich ein bisschen in der Kirche und im öffentlichen Teil des Gartens um.







Der weiße Tisch ist leider verwaist, aber die Idee des " Friedens- Tisches" gefällt mir.



Am Ende finde ich noch einen Bilderrahmen für Fotostorys und probiere ihn aus.




 
Dann gehe ich weiter und treffe tatsächlich zwei Pilgerinnen, die mir entgegen kommen und auf dem " Lebensweg" unterwegs sind. Ein kurzer Plausch und dann trennen sich unsere Wege wieder.


In Leoben finde ich einen Laden und kaufe mir etwas zum Brunch. Im Gemeindeamt bitte ich um heißes Wasser für einen Tee und setze mich unter eine große Linde.


Am Schloss finde ich eine Stempelbox, doch alles andere ist verschlossen und ich gehe weiter.



Auf einer kleinen Landstraße gehe ich erst noch einmal hinauf, bevor es in Serpentinen langsam zurück zur Donau geht. Am Ende kommt ein steiler, zugewachsener Pfad hinunter und erinnert mich an meinen letzten Camino, wo ich auch manchmal den Weg nur erfühlen konnte.


Am Ende stehe ich am Bahnübergang und muss über das Schild schmunzeln.


Nun laufe ich auf einer Donau- Nase mit herrlichen Blumenwiesen zur Schleuse, über die ich die Donau quere. Ich sehe schon mein Ziel- das Stift Melk.



Am Ufer der Donau mache ich eine Pause und genieße die Sonne. Eine Radlergruppe fährt dicht an meiner Bank vorbei und plötzlich fällt jemand hin. Ich schaue und schaue noch einmal. Es ist Anita, die ich vor zwei Tagen getroffen habe. Wir ratschen bis ein Laster genau vor unseren Füßen hält und mit der Montage von Laternen beginnt. Das ist das Zeichen sich zu verabschieden.
Ich gehe in die Stadt und finde auch hier die Friedenstaube vom Weg.



Der Ort selber ist hübsch, die Fußgängerzone gemütlich und ich steige zum Stift hinauf. Hier ist der Boom. Jede Menge Reisegruppen. In die Kirche kommt man nur mit einem Rundgang- Ticket und so kann ich nur von der Seite hineinschauen.
Vor dem Kloster steht eine Pilgerstatue von Koloman, der nach Jerusalem pilgern wollte, doch als "Spion" am Holunderstrauch aufgeknüpft wurde. Später wurde sein Leichnam in Melk beigesetzt. Ich nehme das als gutes Ohmen und gehe zur Klosterpforte, um um ein Nachtlager zu Bitten. 





Das wird mir verwehrt, weil die Pilgerzimmer belegt seien. Komisch, ich begegne kein Pilger, aber die Zimmer sind belegt.

Ich gehe zur Touristeninfo, um das Internet zu nutzen und mein Akku braucht Strom. Ich frage nach der Pfarrerei und rufe da an. Der Pfarrer ist bereit mich zu beherbergen, allerdings ist er erst Abends zu Hause 
Ich gehe noch etwas zu Essen kaufen und dann setze ich mich in die Sonne und warte.
Er kommt und ich darf im " Krabbelzimmer" übernachten. Es gibt sogar eine ( kalte) Dusche und ich bekomme eine vorzügliche Kürbissuppe mit Sahnehaube, steirischen Kürbiskernöl und Kerbel serviert. Einfach so lieb und lecker.
Dazu noch ein nettes Gespräch und so geht wieder ein Tag voll Erlebnissen, Begegnungen und Überraschungen zu Ende.







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