Ein bisschen Urlaub im Urlaub muss sein

Wer zuviel bestellt, hat ein Frühstück. Unsere Riesenpizza ließ gestern keinen Platz für den Nachtisch und so habe ich aus einer Portion Palatschinken zwei Frühstücke gezaubert.

Dadurch können wir uns den Weg in den Ortskern sparen und auf einer Abkürzung durch Weingärten zurück auf den JW gehen.


Wie finden die Markierung und werden in einem schattigen Hohlweg geführt. Die Wetteraussichten sind für die kommenden Tage himmelblau und jeden Tag ein klein bissel mehr auf der Temperaturskala. Heute sind wir bei 29°C.


Bald können wir wieder an großen Feldern vorbei und später an einer Tankstelle so mitten im Nirgendwo.  Wir laufen parallel zur Donau aber ein Auwaldstreifen verwehrt uns den Blick darauf. Er hält auch den Wind ab, sodass es schön warm ist.


Ein riesiges Maisfeld wird bewässert und ich beneide die Pflanzen um ihre Dusche.



Aus dem Unterholz brechen zwei Hirsche hervor und rennen schnell wieder zurück. Mehrere Hasen hoppeln vor und neben uns her und den einen oder anderen Fasan hören wir " meckern" und flattern. Eichelhäher, Starte, Krähen fliegen am Himmel und Schmetterlinge gibt es wieder in Hülle und Fülle. Manchmal finden sich 2,3 oder 4 derselben Art und kreieren ein schönes Ballett. Ihre Leichtigkeit erfreut mich immer wieder.

Wir passieren ein Kieswerk, vor dem eine große " Düne" aufgeschüttet ist. Die " Düne Duna". (Ein kleines Wortspiel).

Wir kommen nach Harta und eigentlich geht der JW daran vorbei, aber Durst und Hunger lassen uns abbiegen. Im Ort finden wir ein Restaurant und genießen die erste große Pause. Bisher haben wir nur kurz zum trinken angehalten. Hier gibt es eine neue Sorte alkoholfreies Radler, dass auch schmeckt.🫠




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Holger studiert noch einmal die Landkarte und findet den "alternativen" JW. Statt zurück auf den Damm an die Donau zu laufen findet er einen Weg quer durch die Felder, dass spart uns auch ein Stück Straße. Wir laufen durch endlose Sonnenblumen- und Getreidefelder, welche golden die Sonne reflektieren. Es ist einfach nur schön. Blühstreifen voller Schmetterlinge und ab und an ein bisschen Schatten, was braucht es mehr?




Dann müssen wir aber noch 2 km auf dem Radweg an der Straße laufen und bei Holger ist die Luft raus. Er schimpft ein bisschen, aber es hilft nichts. 

Wir kommen nach Szelidi, einem kleinen Ort an einem See. Eigentlich wollten wir am Sonntag Pause machen, aber da sind wir in einem kleinen Dorf ohne Infrastruktur. Deshalb hat Holger eine schöne Lodge, direkt am See für 2 Nächte gebucht, um ein bisschen Urlaub in seinem Urlaub zu machen. 



Es wird für uns die Panorama-Sauna angemacht und so relaxen wir nach 31 km im Staub.


Dann gehen wir in ein "Familienrestaurant" und essen einen mäßigen Burger. Auf unsere Bitte nach Besteck, wurde uns eines hingestellt. Ungarn überrascht immer wieder.


Zum Absacker setzen wir uns in der Lodge am See und wir sind die einzigen Gäste. Wir fragen uns, ob sich die Öffnung des Hotels lohnt. Mal sehen, ob wir beim Frühstück auch allein sind. Ein Wiedehopf stolziert über die Wiese und ein Kranich landet in der Nähe. Landidylle pur.





Am Samstag morgen werde ich tatsächlich erst halb acht wach. Die Sonne lacht und wir setzen uns zum Frühstück auf die Terrasse. Tatsächlich ist noch ein Paar beim Frühstück und sonst niemand. Es ist mehr Personal da, als Gäste. Verrückt. Wir genießen dass leckere Frühstück und Holger sieht, dass das Zimmer heute nur die Hälfte von unserem Preis kostet. Was sagt uns das? Auch bei Booking muss man zocken.🫢


Danach beginnen wir unseren faulen Tag am See.
Wir bewegen uns nur zwischen See, Sonnenliege  und Zimmer. Ich lese meinen Roman zu Ende und schwimme ein paar Runden. Mittags ist Zeit für ein Schläfchen. 



Wir essen unseren ersten Langos und sind überrascht, dass er gar nicht so fett schmeckt, wie gedacht. Auch hier outen wir uns als Nicht- Fast- Food- Experten, denn wir fragen nach Besteck. Außer einen komischen Blick bekommen wir immerhin zwei Mal Besteck.


Danach ist die Sauna heiß und wir machen unser Gänge. Die Dusche ist verschlossen und so tauchen wir im See ab. Unsere Beobachtungen im Hotel sind amüsant, haben wir doch das Gefühl in einer Lehranstalt zu sein. Alles geht sehr unkoordiniert und langsam. Niemand spricht eine Fremdsprache auf Hotelniveau, sodass wir mit Übersetzer hantieren. 

Die Lodge ist das erste Haus am Platz, aber einen Zimmerservice gibt es nicht. Das exklusivste ist die Website.🤭 Allerdings hat der Preissturz heute noch zu neuen Gästen geführt.


Abends ist an Schlafen nicht zu denken, da gegenüber eine Diskothek ( so sagt man nicht mehr, oder?) aufgebaut wurde und die Bässe bummern. Zum Glück ist mein Holger dabei, der noch einmal aufsteht und sich beim Personal beschwert, denn auf der Website wurde die Ruhe vermarktet. Wir bekommen das Zimmer, dass am weitesten entfernt ist und ziehen zum Schlafen um. Es ist viel größer als unseres und hat den Seeblick der uns bisher verwehrt war. Die Bässe bummern immer noch, aber bei weitem nicht mehr so schlimm, sodass wir schlafen können. Drei Uhr ist die Party zu Ende.

Morgens genießen wir nochmals das gute Frühstück und stoßen mit einem Prosecco auf den Sonntag an.

Wir checken aus und Holger betont noch einmal seinen Unmut. Der Manager entschuldigt sich und erlässt uns die Getränkerechnung.

Wir starten und dieser Tage ist wie die letzten Tage: himmelblau, sonnig und der Weg ist wie: täglich grüßt die Weite der Felder (Mais, Getreide und heute auch Mohnkapseln), die Hasen, Rehe und Fasane.


Ein leichter Wind versucht uns Kühlung vorzugaukeln aber es ist irre heiß. In der Mittagshitze kommen wir in Kalocsa, eine der ältesten Städte Ungarns an.

Um die Kathedrale herum ist eine große Baustelle und hinein kommt man nur mit einem Kombi- Ticket für das Museum. Also gehen wir dran vorbei.





        Priesterseminar

Dann kommen wir an der St. Joseph - Kirche vorbei und sie ist offen, da ein Auto davor etwas aus- oder einlädt. Wir gehen hinein und setzen uns auf die letzte Bankreihe, um kurz inne zu halten und endlich in einer Kirche zu danken. Vorn sind vier Leute, die zu uns schauen und dann kommen. Einer fragt, ob er uns helfen kann. (Er spricht gut deutsch.) Holger antwortet: Wir sind Pilger und wollen uns nur die Kirche ansehen. Antwort: Das geht nicht! Holger: Schade, dass in Ungarn alle Kirchen zu sind. Antwort: Ja, das Leben ist hart. Dazu eine eindeutige Handbewegung, wie: Dalli, Dalli...raus mit euch. Ich bin fassungslos, denn die Arbeiten gehen weiter, es ist nicht so, dass sie abschließen wollen. Ehrlich, das finde ich nicht gastfreundlich und auch ziemlich unerhört. Ich ärgere mich über diese Episode.

Wir laufen durch die Stadt und in der Fußgänger - Passage ist ein Fest aufgebaut " Blaue Vogel Fest" mit lustigen Kinderspielen.



Dann kommen wir zu Spar und kaufen für das Abendessen und Frühstück ein, denn heute übernachten wir in der Pilgerherberge in Fajsz. Dort gibt es zwar ein Restaurant, doch ob es offen ist, ist ein Glücksspiel. 50:50 sind die Chancen.😌Sicher ist sicher.


Inzwischen ist es Mittagszeit und die Hitze ist heftig. Unser Weg führt noch etwas 20 km auf Straße, Feld und Damm entlang, dass heißt Sonne pur. Wir laufen zum Busbahnhof gegenüber und es kommt gerade ein Bus an, der zu unserem Ziel fährt. Das ist ein Zeichen. Mit den schweren Rucksäcken halte ich den Kilometerzähler an und wir steigen in den Bus. 


Auf dem Weg zur Herberge noch einmal frisch machen, denn es sind gefühlte 40° in der Sonne.


Wir kommen zur Herberge und in der App ist die Holzhütte abgebildet. Holger sofort: Hier schlafe ich nicht! Doch das renovierte Gebäude ist die Pilgerherbergen, die mit EU- Geldern ausgebaut wurde. Ein Telefonat mit Erika, meiner Dolmetscherin und kurz darauf kommt der Mann mit den Schlüssel, der auch ein wenig deutsch spricht. Wir sind drin.


Holger kehrt, ich putze schnell das Bad, denn die Herberge wird nicht oft frequentiert, wie das Gästebuch zeigt. Dann beginnt die Pilgerroutine.




Nachher gehen wir in das daneben liegende Restaurant, dass heute geöffnet hat.🤭 Also haben wir schon für morgen eingekauft.🫣

Wir sitzen direkt an der Donau und lassen es uns gut gehen. 


Da die Hitze noch größer wird und Holger noch genug Zeit hat, beschließen wir in den nächsten Tagen nur kurze Etappen zu gehen.

Abends setzen wir uns mit unserem Wein an die Donau und genießen die Stimmung. Dabei beobachte ich einen Radler, der mit seinem bepackten Rad im Dickicht verschwindet. Wir überlegen, ob es ein Radpilger ist. Vielleicht eine Deutscher oder Holländer? Wenn er zeltet, freut er sich bestimmt über eine Dusche. Ich beschließe ihn zu fragen und gehe hin. Da kommt er mit schon entgegen. Ja gerne würde er duschen. Aber erst noch die Stimmung genießen. Holger spendiert sein Bier und wir sitzen und reden über Abenteuer. Alex ist Bulgare, der in Serbien gelebt hat und seit 6 Jahren in Münster wohnt. Ein Globetrotter der besonderen Art. Er will alle Länder bereisen und ist jetzt auf dem Weg nach Aserbaidschan. Wahnsinn! Nächstes Jahr ist Südamerika dran. Wir amüsieren uns herrlich über seine direkte Art. Dann ist die Dusche dran und wir tauschen Telefonnummern, falls ich einen Übersetzer brauche. Cool, wieder einen Anker ausgeworfen.  

Wir verabschieden uns und gehen auch schlafen.




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