Gestern wollten wir früh los, damit wir vor der großen Hitze ankommen. Als der Wecker 3:40 Uhr klingelt ist es sehr windig und ein Blick nach draußen zeigt ein Gewitter vom Horizont aufziehen. Also gehen wir wieder ins Bett und stehen 6 Uhr auf. Draußen ist es hell und wir ziehen los. Kaum sind wir aus dem Ort laufen wir auf einer Betonstraße ins freie Feld. Wir sehen, dass hinter uns schwarze Wolken aufziehen und es donnert und blitzt. Rechts von uns sehen wir Regenschleier und Blitze. Alles ziemlich ungemütlich.

Wir diskutieren kurz und schon platschen die ersten dicken Tropfen auf uns herab. Also zurück ist unsere Entscheidung. Da wir die Schlüssel auf dem Postkasten deponieren sollten, können wir zurück in unser Apartment und trinken erst einmal Kaffee, bis das Gewitter vorbei ist.
Nun laufen wir viel später als geplant los und es wird schnell warm. Kaum sind wir auf der Betonstraße hält ein Auto und der Fahrer sagt wir sollen auf der Straße laufen, denn es wäre alles matschig. Wir beschließen ihm nicht zu glauben und laufen los. Tatsächlich ist es nicht so schlimm nur etwas rutschig. Die Sonne versucht durch die Wolken zu kommen, aber noch gelingt es ihr nicht.
Wir durchqueren jede Menge Felder und immer wieder erfreuen mich die Sonnenblumen.
An einer aufgegebenen Kolchose erschrecke ich mal wieder wie müllig Serbien daherkommt.
Nach 15 km kommen wir in Mladenevo an, einem Straßendorf, wo aller 200 m Container zum Sammeln von Alt Plastik und Dosen stehen. Trotzdem liegen dazwischen jede Menge Flaschen im Straßengraben. Die Kirche ist nur halb. Die Häuser stehen teilweise leer und sind sich selbst überlassen. Alles ziemlich trostlos.
An der Kirche gibt es eine "Buden- Bar", wo wir etwas essen wollen. Essen gibt es nicht. Nur Getränke. Wir fragen, ob wir im Laden gegenüber einkaufen können und hier essen dürfen. Das ist kein Problem. Also Picknick. Am Nachbartisch sitzen 5 Männer, beobachten uns, lästern und einer versucht zu flirten. Irgendwann trauen sie sich zu fragen, was wir hier tun. Als wir sagen, dass wir zu Fuß pilgern, sind sie erstaunt und wünschen uns einen guten Weg.
Auf dem Weg aus dem Dorf sehen wir einen Storchenhorst und eine skurrile Busstation.
Dann geht es an einer Feldstraße entlang und der Müll ist überall und die Pflanzen am Weg bewundere ich.
Dann schafft es die Sonne und die Hitze ist extrem. Ein Feldweg führt uns zu einem Kreuz mit Bänken, wo wir pausieren.
Weiter geht es an fast reifen Pflaumen und Mirabellen vorbei. Dann beginnen die ersten Haselnussplantagen und wir sinnieren, ob es den Haselnussbauern gibt. Ich denke an Haselbauereis ( bei der Hitze kein Wunder) und erzähle Ursula meine Gedanken. So geht es den ganzen Tag. Mal erzählt sie etwas aus ihrem Leben oder von ihren Gedanken, dann wieder ich und dann laufen wir auch schweigend. Es ist ein angenehmes Pilgern mit ihr.
So kommen wir ziemlich staubig nach Backa Palanka, wo nicht allen Hunden die Laune aufs bellen vergangen ist und am Straßenrand Landmaschinen wie PKWs geparkt werden.
Wir beschließen noch nach Iluk zum Franziskaner -Kloster zu laufen und unterschätzen etwas die Entfernung. Der Grenzübertritt ist einfach und Kroatien erscheint uns viel sauberer. Es gibt Vorgärten mit Blumen und viel weniger Müll auf den Straßen.
In der Klosterkirche ist gerade Messe und ein Bruder will uns abwimmeln, aber Ursula bleibt hartnäckig, steht doch in unserer App, dass es möglich ist. Wir sollen warten bis der Priester mit der Messe fertig ist. Wir setzen uns in den Garten neben der Kirche.
Nach der Messe spricht Ursula den Pfarrer Gregorius an und er ist von ihrem Italienisch und unserer Wanderung beeindruckt, sodass wir ein schönes Zimmer im 3- Sternetrakt bekommen.
Abends habe ich eigentlich keine Lust mehr, nach fast 40 km noch Essen zu gehen. Doch das kann ich Ursula nicht antun. Mitgegangen, mitgehangen. In einem schönen Restaurant direkt an der Donau freuen sich die Kellner endlich Gäste begrüßen zu dürfen. Der Platz ist stimmungsvoll und das Essen lecker.



Am nächsten Morgen gehen wir früh los und auch die Rückreise geht unproblematisch. Dann beginnt ein Tag, den wir Abends als einen "Scheißtag" abhaken, denn irgendwie klappt nichts und nachdem ich gestern Abend meinen Blog schon geschrieben hatte, ist er heute weg. Also das I- Tüpfelchen obendrauf. Da ich nicht nochmal diesen anstrengenden, entmutigenden Tag rekapitulieren möchte, nur eine Kurzfassung.
Es war schwierig ein Frühstück zu finden und der von uns gekaufte Apfelkuchen war widerlich fettig und schmeckte nach alten Speck/ Fett.
Der Damm war wieder unser Spielfeld: heiß, ging es an einer riesigen, stinkenden, offenen Deponie vorbei. Mehrere Hundeattacken im Laufe des Tages erfolgreich abgewehrt. An einer befahrenen Landstraße immer wieder an Tierkadavern der ganzen Bandbreite der heimischen Tierwelt ( die auch übelst in der Hitze rochen) vorbeigelaufen und immer wieder in den Seitenstreifen gesprungen, weil Abstand nicht der Serben Ding ist. Versucht noch schönes zu entdecken, wo Müllberge überall am Rand lagen.
Ursula erzählt mir einen Witz, damit mir das Lachen nicht vergeht: Ein Mann überfährt ein Huhn und bringt es dem Bauern und sagt: Entschuldigung, ich habe ihr Huhn überfahren. Der Bauer guckt es an und sagt: Ist nicht meins, so flache Hühner habe ich nicht. Da muss ich lachen und erzähle ihr den von der Dampfwalze.
Dann wieder auf dem Damm die kleinen Hundebabys, die uns japsend folgen, bis wir sie einer Mädelsgruppe "überlassen" können. Doch im Kopf kreisen die Bilder und das Herz ist schwer.
Auch als es endlich über Feldwege geht, ist der Müll überall, teilweise verbrannt, teilweise die Möhrenernte dem Verderb preisgegeben und immer wieder diese kläffenden, frei laufenden Hunde.
Auf dem Weg zum Quartier lagen soviele überfahrene Schlangen, dass es für eine Handtasche gereicht hätte.
Dann kommen wir zu unserem Quartier mit Pool und stellen fest, dass die Realität weit von Booking- Bewertungen entfernt ist. Wir haben uns nicht die Mühe gemacht alle 36 Bilder anzuschauen und unser Bungalow kam ganz zum Schluss und wurde noch ein bissel retuschiert. Statt eines sanierten Exemplars, hatten wir ein Altes und die Dusche schimmelte vor sich hin. Ursulas Kommentar: der passt zum Tag. Dann funktionierte auch nicht alles und der Ehemann musste noch zum Arbeitseinsatz kommen. Der Pool war cool, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der neue Ausschlag von den 34° kam oder vom Wasser. Das Wasser in der Dusche war muffig und wir haben 1,5 l Wasser gratis zum Zähneputzen bekommen.
Fazit: Ich habe mich das erste Mal gefragt, warum mache ich das? In Frankreich der Küstenweg wäre schöner. Zum Glück bin ich nicht mehr allein, sonst hätte ich aufgesteckt.
Trotzdem ein paar Bilder.




Unmittelbar vor der Deponie wird geerntet 🫣
Die Deponie
Sonntag morgen sind wir schon 5 Uhr losgezogen, da es heiß bleibt. Wir überlegen, ob wir den kürzeren Weg durch den Wald nehmen oder lieber die Straße laufen, wegen der Schlangen. Pragmatisch gehen wir davon aus, da es ein Radweg ist, wird er befestigt sein und wir sehen alles. Weit gefehlt.
Doch der Weg ist heute fast frei von Müll und wir genießen die Fast- Kühle. Die Sonnenaufgangsstimmung macht uns Mut für den Tag. Freudig laufen wir weiter.
Ein alter Olivenbaum steht am Ufer und ist über und über mit Flusen behangen. Ein Frosch hüpft über den Weg und versteckt sich am Rand.
In Futog sind wir 7:30 Uhr und da Sonntag ist, finden wir kein Frühstück. Also laufen wir weiter, nachdem wir die schönen Restaurants an der Donau bewundert haben.
Uns fällt beiden auf, dass heute wesentlich weniger Müll herum liegt und wir fragen uns, ob wir den Tiefpunkt erreicht haben und es nun in Richtung Novisad und Belgrad besser wird. Wir schöpfen Hoffnung. Über die Außenbezirke nähern wir uns Novisad.
Nach langem Suchen und einem Hundeerlebnis finden wir ein offenes Restaurant, einen Pizza-Pub, wo wir Palatschinken zum Frühstück essen. Der Besitzer fragt, wie alle, wo wir herkommen und kann es nicht fassen, dass wir zu Fuß unterwegs sind. Er spendiert uns, nach unseren Palatschinken, ein Sandwich. Sehr lieb von ihm.
Gestärkt laufen wir in die Stadt, auf riesigen Boulevards, an Neubauten verschiedener Epochen vorbei.
An einer Markthalle erfreue ich mich an Blumen, Obst und Gemüse. Auch Novisad macht einen sauberen Eindruck.
Die Synagoge ist leider geschlossen, aber die Kirche "Maria Namen" ist offen. Wir warten bis der junge Priester eine Beichte abgenommen hat und bitten ihn dann um einen Stempel. Ihn beeindruckt unsere Pilgerreise. Er nimmt uns mit ins Büro, fragt, ob wir etwas zu Essen, zu Trinken oder eine Toilette brauchen. Wir verneinen und sagen, wir brauchen nur den Stempel, den er uns gibt. Dann bittet er uns zu warten und kommt zurück. Er will mir eine Rolle Geldscheine in die Hand drücken, doch ich wehre ab, da wir genug Geld haben. Dann gibt er Ursula eine Flasche Sonnencreme, die wir gern annehmen, wollten wir sowieso welche kaufen.
Rathaus
Die orthodoxe Kirche hat auch geöffnet und so schauen wir hinein. Wir werden von einer jungen Serbin zur Taufe eines Kindes eingeladen. Sie spricht gut deutsch und erzählt, dass sie auf einem Donauschiff für eine österreichische Reederei arbeitet. Spontan lädt sie uns ein, bei ihr zu übernachten, allerdings wohnt sie außerhalb und nördlich. Wir danken ihr, lehnen aber ab. Die Taufgesellschaft verspätet sich massiv, was nicht einmal den Pfarrer stört. Wir wollen aber weiter und verabschieden uns.
Mit einem Eis geht es weiter durch die Stadt und über die Donau.
Auf der Donaubrücke Feier ich meinen 2000 km seit Fulda. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht und wir geschmiert mein Körper zu mir hält. Es läuft!🤗 In einem Restaurant am Ufer stoßen wir darauf an.
Dann laufen wir auf die Festung, die nie eingenommen wurde und haben einen tollen Blick auf Novisad.
Weiter geht es nach Petrovaradin. Dort beschließen wir für heute Schluss zu machen, denn es ist extrem heiß, 15 Uhr und es gibt hier ein günstiges Apartment mit Waschmaschine. Dank Booking ist es gebucht und 10 Minuten später bekommen wir den Schlüssel.
Die Wäsche ist in zwei Stunden trocken und ich freue mich auf tiefengereinigte Klamotten.
Alles in allem haben Ursula und ich heute einen sehr schönen Pilgertag, der uns Hoffnung geschenkt hat. Es geht also weiter.
Das Appartement ist neu, modern und sauber. Ich hatte aber noch nie ein Appartement mit Hausschuhen und Handytisch im Bad gebucht. Luxus pur🤗.
Ach und wer sich fragt, wie ich es schaffe bei 36°C im Schatten 10 Stunden in der Sonne zu laufen und 40 km zu schaffen, hier mein Trick:
Früh aufstehen, 3-4 l Wasser, 1 l Alkoholarmes Bier (2%) und 0,5l türkischer Kaffee. Holger nennt mich liebevoll "Minikamel"🤣
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