Wenn einer eine Reise tut...

 ...unter diesem Motto begann am Dienstag unser Aufbruch in den Kosovo.

Da noch Zeit bis zur Abfahrt des Busses ist, gehen wir spontan in die katholische Kirche, um uns den Beistand zu holen.

Wir entzünden spontan eine Kerze, bitten für unseren Weg und versprechen uns offen zu sein und nicht die Geduld mit dem Anderen zu verlieren.

An der Haltestelle in Schöllnach kamen wir mit einem älteren, gepflegten Mann ins Gespräch, der auch nach Deggendorf wollte. Über das Wandern, Reisen erzählte er uns, dass er 1947 in Dresden Kunst studiert hat. Holger errechnet, dass er 97 Jahre ist, was er uns bestätigt. Hut ab, nur mit Stock noch mobil, geistig fit, leider etwas schwerhörig, wie er uns erklärt. Im Bus wird er vom Fahrer begrüßt und mit ihm entspinnt sich ein lustiges Gespräch zwischen den drei Männern. Als noch eine 90- jährige Dame einsteigt, dem Fahrer Schoki schenkt, und Holger ihr auf den Sitz hilft, wird das Gespräch noch amüsanter, denn die Dame reist noch gern und hat sich deshalb die Augen operieren lassen, damit sie noch alles sehen kann. Wahnsinn, diese Power bewundere ich.

In Deggendorf werden wir herzlich verabschiedet und fahren mit dem Zug nach Plattling. Von da geht es problemlos nach Passau, wo wir frühstücken gehen.

Dann laufen wir zum Bahnhof zurück und warten auf unseren Zug nach Wien. Der Bahnsteig ist zugig, und es ist recht frisch, sodass wir etwas auskühlen. Der Zug wird aller 5 Minuten mit Verspätung wegen der Reparatur eines Signales ausgerufen und irgendwann dann nicht mehr.


15 Uhr war er schließlich da und uns war klar, dass der Anschluss in Wien nach Budapest nicht zu schaffen ist. Was soll's? Im Zug ist es wenigstens warm. In Wien bleibt dann noch soviel Zeit, dass Holger in den Supermarkt stürmt, um einen Schlaftrunk zu kaufen.

Sein Motto: No Vino, no Pellegrino!

Im Kaffee gibt es noch ein Teilchen. Dann geht es weiter.


Im Zug sehe ich, dass wir durch Györ fahren, wo meine Pilgerfreundin Erika zu Hause ist. Ich schicke ihr ein Bildchen und schreibe ihr, dass ich gleich an sie denke.

Kurz darauf bekomme ich eine WhatsApp, ich soll aus dem Fenster schauen, sie kommt zum Bahnsteig. So verrückt ist Erika!
Natürlich stehe ich bei der Einfahrt des Zuges an der Tür und kurz darauf liegen wir uns in den Armen. Die Freude über das 3 minütige Wiedersehen ist auf beiden Seiten und ich lade sie nochmals herzlich ein, mich zu besuchen. Die neue Heimat ist einfacher zu erreichen.



Erika hat uns auch noch Reiseverpflegung mitgebracht. Was für eine Liebe!


In Budapest kommen wir erst nach 20 Uhr an und dann haben wir ein Problem am Fahrkartenautomaten, um ein Metro- Ticket zu ziehen. Ein junger Mann erklärt, dass es der falsche Automat ist. Wir brauchen einen pinken Automaten. Wer sucht, der findet, aber die Metro fährt uns davon. Inzwischen ist es so spät, dass alle Läden geschlossen sind und auch im Hotel die Küche kalt ist. Also Zimmer- Dinner mit den Resten aus dem Rucksack.



Am nächsten Morgen checken wir früh aus und laufen zur Busstation. Unterwegs kaufen wir Teilchen für die Fahrt. Am Busbahnhof fragen wir uns durch, und der Bus fährt fast pünktlich ab.  Kurz hinter Budapest ist die Autobahn wegen eines Unfalls komplett gesperrt und der Verkehr wird abgeleitet. Der Busfahrer versucht einige Experimente durch sehr enge Straßen, um den allgemeinen Stau zu umfahren und ich schicke innerlich einige Stoßgebete gen Himmel. Ein bisschen beruhigt es mich, dass ich angeschnallt bin, doch Holger hat das Reifenprofil ( serbisches Unternehmen) gesehen und meint, damit wäre er in Deutschland nicht mehr unterwegs.🫣
Als er wieder auf der Autobahn ist, haben wir schon eine gute Stunde Verspätung. Dann kommen wir zur Grenzkontrolle und alle müssen aussteigen. Im Bus sitzt eine kleine kanadische Reisegruppe, welche von den Ungarn genau kontrolliert wird, mit Foto und mehrmaligem Fingerabdruck. Irgendwie scarry. Als Deutsche werden wir durchgewinkt und ich bin froh EU- Bürgerin zu sein. Die Serben waren dann ein bissel schneller. Kaum im Bus geht es zum einzigen Zwischenstopp in Novi Sad, wo der Bus halb leer wird. Dann wieder auf die Autobahn und tatsächlich ist diese kurz vor Belgrad wieder komplett gesperrt und wird abgeleitet. Soviel Glück muss man erst Mal haben! Eine zweite wilde Fahrt durch das serbische Hinterland bringt uns mit satten zwei Stunden Verspätung nach Belgrad. Wir sind glücklich anzukommen, denn der Fahrer hatte einen langen, anstrengenden Tag hinter sich.
Mit einem Bus ( öffentlicher Nahverkehr ist in Belgrad kostenlos) geht es in die Altstadt, wo Holger ein kleines Apartment gemietet hat.
Es ist wirklich zentral und nett.
Wir machen uns frisch und suchen etwas zu Essen. Direkt vor der Tür sind jede Menge "Touri- Kneipen" und Holger will da unbedingt rein. Nach langem Diskutieren gehen wir zu den " Zwei Hirschen", einem der ältesten Restaurants. Der erste Saal ist beeindruckend, getäfelt und schick, ähnlich den Prager Bierstuben oder Paulaner- Kneipen, nur vornehmer. Ich fühle mich nicht wohl in meiner Wanderkluft mit den weißen Tischdecken...Die Kellnerin schaut uns auch dementsprechend an und führt uns in den hintersten Teil (3. Saal) an einen kleinen, eingeklemmten Tisch am Toilettenabgang. Da möchte ich wirklich nicht sitzen, zumal es ziemlich laut ist. Zum Glück geht es Holger ähnlich. So gehen wir wieder und landen in einer Pizzeria. Nicht wirklich serbisch, aber lecker.
 
                
                 Ein Jakobus an der Straße.


Am nächsten Morgen schlafen wir aus, frühstücken im Appartement und gehen dann auf Sight- Seeing- Tour. Mein gut vorbereiteter Lieblingsmensch hat natürlich einen Reiseführer aufs Handy geladen und so geht es los.

       Festung Belgrad




       Blick auf Donau und Save 

Demo immer noch wegen des Einsturzes des Bahnhofes in Novi Sad und weil heute ein 91jähriger Demonstrant bei einem Unfall verletzt wurde.

             Blick vom Café im Taschmain- Park

                Dritthöchstes Haus Serbiens

       Nationaltheater

       Ehemaliges Kunsthandwerker- Viertel



                Dom des Heiligen Sava

        


                Auf dem Wochenmarkt 




       Die eine Seite....

....und die andere Seite eines Platzes. Schöner
Fahrradständer 😉

Nachmittags machen wir ein Päuschen, bevor wir abends zum Essen in eine Kneipe im Handwerkerviertel fahren, die etwas rustikaler aussah. Wir bestellen und erfahren aus der Speisekarte, dass dies Restaurant für seine Cevapcici berühmt ist. Im Restaurant hängt eine " Promi- Galerie".



 

Holger möchte unbedingt noch mit einer der uralten Straßenbahnen fahren und so sitzen wir in der erst Besten und fahren zur " Belgrad Waterfront. Was für ein Erlebnis!



Die " Waterfront" ist ein neu gebautes Viertel an der "Save". Die Hochhäuser zeigen sich beleuchtet in einer für mich faszinierenden Architektur, die am Tage eher langweilig wirkt. Zwischen den Häusern gibt es Spiel- und Sportplätze, eine Tartan - Jogging- Bahn und dicke, frisch gewässerte Rasenflächen. Es erinnert an Golf-Rasen. In den Häusern gibt es immer eine Rezeption und wir fragen uns, wer sich das hier leisten kann. 







Interessant ist ein Maklerbüro vor Ort, dass seine Angebote in € angibt. Die Landeswährung ist der Dinar. Das sagt doch viel aus.


Dann geht es zurück zum Appartement, wo 
wir am Bristol- Hotel mit wirklichen Charme vorbei kommen.




Am nächsten Morgen fahren wir zur  Busstation, um nach Pristina weiter zu fahren. Unterwegs sieht Holger das heutige Datum und überlegt und fragt sich.. ? Hey, wir haben heute Hochzeitstag! Das war uns Beiden nicht bewusst.😉

Um auf den Bussteig zu kommen, müssen wir ein Ticket lösen (umgerechnet 5€ für Zwei), doch sind unsere Dinar alle. Holger geht zur Wechselstube und tauscht ungarische Forint gegen Dinar und dann dürfen wir zum Bus. Was für eine komische Praxis, haben wir doch ein Busticket gekauft.
Der Bus ist wieder etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Frontscheibe hat zwei Steineinschläge und  somit von unten nach oben einen Riss. Carglass hat es noch nicht bis nach Serbien geschafft. Dann geht die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Pilgerreise los.



Die Busfahrt ist dann wieder abenteuerlich. Nicht nur, dass der Fahrer immer wieder an der Straße anhält und Leute einsteigen ( keine Haltestellen), auch macht die Kupplung seltsame Geräusche und die Gänge kommen erst beim 2. oder 3. Anlauf. Holger meint, dass wird nichts, doch der Fahrer hat Geduld und fährt mit der Herausforderung. 
Wir sind die einzigen Deutschen im Bus und die Einzigen, die sich anschnallen. Ich bemühe mich, meine schwarzen Gedanken zu verdrängen und lasse meine Blicke in die Landschaft schweifen. Positive Eindrücke und die Vorfreude nun bald wieder loszulaufen lassen meinen Optimismus siegen. 
Bei einer Pause gibt es für die nun allerletzten Dinar ein Erdbeereis, dass wir uns teilen.



Die Grenzkontrolle ist diesmal schnell erledigt und es geht weiter auf Landstraßen, über Baustellen und Straßen, die eine Tempo- Begrenzung ohne Limitschilder selbstverständlich machen. 

Mit fast zwei Stunden Verspätung  (Ankunftszeiten sind Richtwerte) kommen wir in Pristina an und werden an der Straße vor dem eigentlichen Busbahnhof rausgelassen, da alle Straßen von der Rushhour verstopft sind.

Wir laufen über einen Kreisverkehr ohne Fußweg zur Bushaltestelle und fahren zu unserem Appartement. Dort stellen wir die Rucksäcke ab und laufen in die Stadt zum Essen. Die Stadt ist voller Menschen, der Verkehr immer noch mega und wir finden ein kleines albanisches Restaurant, wo die Musik nicht so laut ist. Allerdings wird in dem Restaurant geraucht und für draußen ist es uns zu kalt. Ein junger Mann spricht uns auf Deutsch an und will uns helfen, doch erklärt er uns, geraucht wird überall. Wir sollen draußen sitzen. Er besorgt uns Decken und ein Kissen unter den Po. So ist es auszuhalten. Er übersetzt uns die Speisekarte und schon sind wir in einem Gespräch. Er ist 23, hat Deutsch in der Schule gelernt und arbeitet in einem Callcenter für die Schweiz. Als er von unserer Route hört, wird sofort der Serben- Albaner- Konflikt zum Thema. Allerdings wechseln wir das Thema, um nicht diskutieren zu müssen. Wir wollen einen ruhigen Abend genießen.


Postzustellung am Zählerkasten😀

                 Schlüsselübergabe 

                 Unser Appartementchen🤣

       In der Kneipenmeile.



Heute Morgen ist es etwas grau und die Temperaturen sind angenehm für eine Stadt- Visite. Zuerst laufen wir zur Mutter-Theresa-Kirche, um uns den ersten Stempel in unserem Pilgerausweis zu holen. Doch an der brutalistischen Bibliothek stoppen wir.





Dann erreichen wir Don Agim und bekommen den ersten Stempel in den Pass.

             Katholische Mutter- Theresa- Kirche

                 Father Don Agim

                 Der 1. Stempel

Gleich in der Nähe ist das New Born- Denkmal und das Nationaltheater.


Der Regen treibt uns in ein Café und dann besichtigen wir ein kleines Geschichtsmuseum. Doch der Regen kommt immer wieder und so pausieren wir im Appartment.

                 Neu gebautes Viertel in der Nähe.

                 Das ist auch da.🫣

                Mutter Theresa- Denkmal

                 Uhrturm


Ja, und nun ist es soweit. Vorbei ist die Planung! Morgen starten wir mit dem ersten Schritt Richtung Jerusalem.🙏







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