Nachdem wir am folgenden Tag bis nach Elez Han gelaufen sind, suchen wir die Bushaltestelle, um mit dem Bus nach Skopje zu fahren. Der Jerusalemway geht nämlich direkt an der "Autobahn" entlang und das ist uns zu gefährlich. Wir finden die Haltestelle nicht und fragen in einem Laden. Da heißt es, wir sollen am Kreisverkehr warten, der Bus hält da. Noch ist Zeit und so gehen wir erst einmal frühstücken. Im Cafe kommt Holger mit einem österreichischen KFOR- Soldat ins Gespräch.
Dann stellen wir uns an besagten Kreisverkehr und ein Taxi hält und fragt, ob wir nach Skopje wollen. Drin sitzen schon drei Frauen und für 10€ würde er uns mitnehmen. Wir sagen ja und steigen ein. Ich sitze in der hinteren Reihe und will mich anschnallen, was hier keiner tut, doch ist der Verschluss kaputt. Wilder Balkan🫣!Eine der Frauen spricht ein bisschen deutsch und so unterhalten wir uns.
An der Grenze werden wir aufgehalten, da eine der Frauen die falschen Papiere hat. Es dauert eine ganze Weile, bis wir unsere Ausweise zurück bekommen. Die Frau muss da bleiben und für uns geht es weiter. Nun sitze ich weiter vorn und da funktioniert der Gurt. Am Grenzübergang haben wir den Bus gesehen und dessen Reifen ließen uns froh sein, dass Taxi genommen zu haben. In Skopje lässt uns der Fahrer am alten Basar aussteigen und wir schlendern durch die Altstadt.
In einem Café buchen wir ein hübsches Appartement mit Waschmaschine für zwei Tage und kommen auf dem Weg dahin in den neueren Teil der Stadt. Hier thronen jede Menge geschichtsträchtige Männer.
Unser Appartement ist wirklich hübsch nur leider ist die Galerie mehr ein Kriechboden, sodass wir einen ziemlich anstrengenden Weg ins Bett haben. Natürlich stoße ich mir den Kopf ein.
Auf dem Markt haben wir endlich eine kleine Schuhbürste für unsere Schlammschuhe gefunden. Mit 1€ waren wir dabei, hatten wir doch noch gar kein Geld getauscht. Nun wird auch ganz schnell klar, was der große Vorteil ist, mit Holger zu pilgern. 🤣
Nach einer Pause laufen wir noch einmal in die Stadt....zu Mutter Theresa
Mutter Theresa- Haus, wo wir einen Stempel bekommen.
....
Kirche des Heiligen Konstantin, die gerade abgeschlossen wurde.
Triumphbogen... ein bissel wird alles kopiert
Abendstimmung am Fluss Vardar
Der Mütterbrunnen...auch übernatürlich groß.
Alexander der Große vor der Bierreklame 😂
Am nächsten Tag entscheiden wir uns am Pausentag zum Milleniumskreuz aufzusteigen. Der JW geht direkt auf den Hügel, doch auf 4 km sind fast 900 Höhenmeter zu überwinden, was mit Rucksack sicher eine Qual ist, zumal dadurch auch die Etappe extrem lang wird. Wir starten nach dem Frühstück ohne Stöcke, was wir erst am Berg bemerken. Es geht schön hoch und Holger hofft, dass er auf dem letzten steilen Abschnitt in die Seilbahn steigen kann. Als wir an der Station ziemlich durchgeschwitzt ankommen steht da:" njet rabotaet" sie arbeitet nicht. Also weiter. Nun wird es ein Recht schmaler Pfad, teilweise geröllig und noch steiler hinauf. Wir schnaufen kräftig und ich denke nur: zum Glück ohne Rucksack.
Aber wir kommen an und trinken etwas an einem kleinen Kiosk. Der Turm ist eine Investruine und das Kreuz sieht von unten wesentlich spektakulärer aus. Alles ist ein bissel trostlos.
Dann geht es wieder bergab und am Ende brennt mir das linke Schienbein. Zurück in der Stadt gehen wir etwas essen und ich verzichte auf weitere Besichtigungen, um mein Bein nicht zu überfordern. Kenne ich doch die Symptome und weiß, dass für heute Schluss sein soll.
Am Morgen des 23. Mai trinken wir nur Kaffee im Appartment und laufen dann aus Skopje hinaus. An der großen Ausfallstraße rauscht der Verkehr, es ist laut, staubig und bis zur Stadtgrenze ist noch ein Fußweg vorhanden. Dann wird es nervig, denn wir müssen sehen dass wir nicht unter die Räder kommen. Mein Schienbein hat sich beruhigt und so läuft es sich gut.
In Drazevo finden wir eine Konditorei, wo es ein leckeres Törtchen und ein Mini- Espresso unser Frühstück ist. Ich ziehe meine Bandage über, denn die Etappe heute hat es in sich mit dem vielen Asphalt.
Durch die Vorstädte zu laufen ist nicht wirklich schön, doch der rote Klatschmohn macht selbst aus Müllhalden noch Hingucker.
Ein Gartenmöbelcenter am Wegesrand
Private Müllverbrennungsanlage neben einer Baustelle, entsetzt mich jedes Mal wieder.
Wir laufen durch kleine Orte ohne Laden oder Restaurant. Die wenigen Leute die wir sehen, schauen aber grüßen selten zurück.
In Taor brauche ich eine Pause und laufe zur orthodoxen Kirche hinauf, die sogar offen ist.
Wunderschöne, farbintensive Malereien und jede Menge gefärbte Eier überraschen mich. Ich habe Hunger, doch auch das orthodoxe Osterfest ist schon lange vorbei.
Vor der Kirche setze ich mich, trinke Wasser, esse einen Müsliriegel und als ein kurzer Regenschauer kommt, ist Holger versöhnt mit meiner Pause. Nach dem Regen nehmen wir den letzten Abschnitt in Angriff.
Nun ist die Straße fast autofrei, da eine neue Straße in der Nähe gebaut wurde. Die Alte wächst langsam zu.
Riesige Heuschrecken entdecken wir auf der Strecke.
Dann kommen wir nach Katlanovo, wo uns der heilige Nikolaus an der Kirche begrüßt. Genau gegenüber ist der einzige Laden und wir kaufen etwas zu trinken und setzen uns davor. Dann suchen wir ein Zimmer und buchen ein Appartement. Irgendwie ist es schon irre, dass wir in der mazedonischen Walachei sitzen und ein Bett buchen können, wo wir eine halbe Stunde später davor stehen. Vorher kaufen wir noch kaltes Bier, Radler ( dass hier auch so heißt) und Wasser.
Der Hund zeigt uns den Weg und läuft vor uns her. Einer von der netten Sorte.
Unsere Vermieterin fährt uns nach einem kurzen Gewitterguß noch in ein Restaurant, dass ein Stück entfernt liegt und sie sich nicht sicher ist, ob es geöffnet ist. Wir haben fast 30km in den Füßen und wollen nicht umsonst bergauf laufen. Wir haben Glück und es ist geöffnet. Der Hunger lässt uns viel bestellen und erstaunlicher Weise schaffen wir alles. Nun geht es uns wieder gut. Holger wird seiner Devise: "No Vino, no Pelegrino" voll auf gerecht.😂
Draußen riecht ein Schoßhündchen Holgers Fleisch und schaut treuherzig durch die Scheibe.
Auf dem Heimweg haben wir noch einen schönen Abendspaziergang, was der Verdauung hilft.
Am Pfingstsonntag schnüren wir die Rucksäcke und den Gürtel etwas enger, denn Frühstück gibt es hier heute nirgends. Wir laufen in einen sonnigen Tag, auf einem ruhigen Weg zu einem Kieswerk, wo sich Gänse tummeln und uns ein Hund kläffend hinterher rennt. Die Vögel zwitschern, der Bach rauscht, die Frösche quaken, eigentlich idyllisch.
Aber auch hier wieder, wo ein Auto hinfahren kann, wird Müll entsorgt.
Doch ich sehe überall den Klatschmohn und kann das Fotografieren nicht lassen. Ich nötige Holger, ein paar Fotos von der " Klatschmohn- Frau" zu machen. Es ist einfach zu schön!
Übrigens das Buch: Die Klatschmohn-Frau von Noëlle Châtelet kann ich nur empfehlen. Ein bezauberndes Buch über die späte große Liebe.
Danach laufen wir einen Wanderweg entlang, der die Straße abkürzt.
Holger hat Hunger und nährt sich von Bier.
(Ursula, kommt dir das bekannt vor?🤗)
Dann geht es wieder auf einer alten Straße weiter und ich entdecke viele mir unbekannte, schöne Blumen, Heuschrecken, Käfer, Geckos, Schlangen am Wegesrand.
Dann gibt es das 2. Frühstück, Müsliriegel mit Radler. Nährt auch🫣.
Färberkamille und ?
Immer wieder haben wir schöne Weitblicke und ich habe das Gefühl, Mazedonien besteht nur aus Hügeln und Bergen. Wunderschön.
In der Ferne sehen wir den Mladost-See, wo wir auf ein geöffnetes Restaurant hoffen.
Hier eine riesige, schillernde Heuschrecke von mir unbekannter Art, aber faszinierend.
Wir kommen an den ersten Weingärten vorbei und vielleicht ist hier der Wein gewachsen, den wir gestern getrunken haben.
Jungfer im Grünen laut Google
Purpurklee sagt hier Google
Am See ist das erste Restaurant -Bele Voda- unser. Wir sitzen direkt am Wasser und bestellen uns ein leckeres Mittagessen. Vegetarisch ist hier bei den vielen Vorspeisen überhaupt kein Problem.
Wir lassen es uns gut gehen.
Eigentlich wollte Holger hier die Etappe beenden, doch wir sind nur 18 km gelaufen, es ist erst Mittag und die morgige Etappe wäre dann 35 km. Ehrlich, heute sind 29,°C, das muss ich nicht machen. Dann lieber heute weiter gehen.
Gestärkt und etwas überfuttert laufen wir los und der nervige Teil des Tages beginnt. Die Straße ist stark befahren, nicht sehr breit und nicht jeder will wegen uns anhalten.
Holger hält rigoros seinen Stecken mit der Spitze zur Straße hinaus. So zwingt er die Raser zum Abstand halten. Nicht jeder findet das okay und einer hupt und schimpft. Holger schimpft zurück. Das Auto fährt ein Stück zurück und ich befürchte schon Ärger. Holger geht hin und brüllt in das Auto: Was soll das? Du musst 1,5 m Abstand halten! Dann musst du eben mal anhalten, ... dreht ab und geht. Das Auto fährt wieder. Ich staune über diese Art der Deeskalation, aber Holger meint, hast du gesehen, der ist gar nicht zu Wort gekommen. Mein Gott, was war das denn? Mein sonst so ruhiger Mann brüllt einen Typen an die Wand.
Strandfeeling nach Balkan- Art
Diese Blüte an einem Baum roch phantastisch und erinnerte an Flieder.
In der Ferne sehen wir Veles, unser Ziel. Der Weg wird nicht besser und auch nicht schöner. Ab Bashino Selo laufen wir durch die "Auto- Werkstätten- Meile". Jeder hat Karossen aller Art in verschiedensten Ausschlachtungsgraden rumstehen oder überlässt sie der Natur. Dreck und Müll überall. Dazu der Verkehr, die Hitze....es ist anstrengend.
An der ersten Tankstelle trinken wir etwas kaltes und schauen, was booking bietet. A: ein Appartement für 27€ oder B: ein Hotel International für 66€ mit Frühstück. Wir entscheiden, uns beides anzuschauen.
Wir laufen in die Stadt und kommen zur Kirche des Heiligen Kiril. Sie ist von innen wieder wunderschön ausgemalt. Ich frage am Souvenirshop nach einem Stempel und wir werden zum Priester gebracht. Es entspinnt sich ein nettes Gespräch zwischen dem Popen Igor, seinem Angestellten Bobby und uns. Sie wollen nicht glauben, dass wir zu Fuß unterwegs sind. Natürlich bekommen wir einen Stempel. Sie wünschen uns einen guten Weg.
Das Theater von Veles ist so ziemlich das neueste Gebäude der Stadt.
Auf dem Weg durch die Hauptstraße werden wir von einem Rudel Hunde angebellt und verfolgt. Alles macht einen schmuddligen Eindruck, aber die Papierkörbe sind witzig.
Das Appartement ist in einem ziemlich herunter gekommenen Hochhaus und Holger dreht sofort um. Das Hotel- Hiking- Erlebnis möchte er nicht wieder machen. Also gönnen wir uns das Hotel International und müssen etwas warten, damit das Zimmer fertig gemacht werden kann. Das Zimmer ist okay, doch sauber ist Ansichtssache. Wir sind nach 28 km einfach nur froh unter der Dusche zu stehen und die Füße hochzulegen.
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