Am nächsten Morgen gehen wir zum Frühstück und da beginnt ein kleines, neues Drama. Auf der Website wird von einem Frühstücksbuffet gesprochen, dass aber mangels Gäste nicht stattfindet. Dafür bekommen wir eine laminierte Frühstückskarte und wir bestellen Kaffee, Omelett und gebackenes Brot. Der Kellner meint, wir bekommen entweder Omelett oder Brot. Holger widerspricht und der Kellner holt Hilfe von der Rezeption, denn sein Englisch ist nicht ausreichend. Holger erklärt das Problem, die Rezeptionistin sagt: Ja ich verstehe dich. Ich bin von der Rezeption. Du kannst Frühstück wählen, entweder 1 Kaffee oder 1 Saft und entweder 1 Omelett oder Brot. Holger: Nein wir haben Frühstück gebucht und ich gehe davon aus, dass ich nicht.nur ein Teil eines Frühstücks bekomme. Ich möchte Kaffee und Saft, Omelett und Brot. Das geht eine Weile hin und her. Ich hätte schon aufgegeben, Holger nicht. Dann spricht sie mit dem Kellner und wir bekommen freien Zugang zu Kaffeemaschine, Saftautomat und Omlette und gebackenes Brot und dazu noch zwei große Sesambrötchen. Der Kellner wird plötzlich zugänglich und erzählt, dass er Schalke- Fan ist und die Dame von der Rezeption fragt, ob alles in Ordnung ist. Jetzt ja und hätten sie gesagt, dass es zu dem Omlett Brötchen gibt, wäre die ganze Diskussion kürzer gewesen.


Vollgefuttert ziehen wir los und suchen einen Laden, um Wasser zu kaufen, aber alles ist zu. An einem Restaurant ist der Kellner bereit uns 3 Flaschen zu verkaufen und dass ist unsere Rettung, denn heute geht es an die 30°C- Marke.
Wir laufen zum Kloster, doch finden wir niemanden vor Ort, um Einlass in die Kirche zu bekommen.
Wir kommen an der nächsten Kirche vorbei und werden von einer alten Frau kritisch beäugt. Sie versteht nichts und folgt uns auf jedem Schritt in der Kirche. Bei der Frage nach einem Stempel mit unserem Heft und Zeichensprache verneint sie. Der Pope sitzt in der Ferne im Schatten und hat kein Interesse an uns. Wir gehen einfach weiter.
Auf der Straße drückt die Hitze schon und unsere an einem Brunnen gewässerten Mützen sind ruckzuck wieder trocken. Langsam stöhnen wir, aber in der Ferne sehen wir eine Autobahnraststätte. Lieber Gott, lass uns dort rankommen! Etwas kaltes trinken, denn unser Wasser wird schon warm.
Wir werden erhört und kommen von hinten an die Tankstelle. Ich kaufe eine kalte Mirinda und schütte sie in meine halb leere Wasserflasche und so kann ich " Druckbetankung" machen und einen Liter trinken. Das tut Wunder.
Danach können wir endlich die Straße verlassen und laufen auf einem Schotterweg in die Hügel hinein. Die Landschaft ist bezaubernd. Hügel mit Weingärten und am Wegesrand blüht es in allen Farben. Ich kann mich nicht satt sehen an dem Farbenrausch. Ein perfekter Pilgerweg und ich bin happy. Es geht gemütlich hoch und runter und wir begegnen kaum Menschen. Am Friedhof ist Arbeitseinsatz und am Fluss sitzen ein paar Männer. Sonst nur wir und Sonne satt.
Jede Menge Schmetterlinge taumeln durch die Luft und lassen sich an Schlammpfützen nieder. Sobald wir vorbei gehen flattern sie hoch. Faszinierend.
So zieht sich die steppenähnliche Landschaft bis auf einen Hügel und kaum dass wir die Kuppe hinabsteigen, verändert sich die Vegetation urplötzlich. Wir laufen durch einen Zypressen- Wald und es riecht für uns nach Sommer und Meer.
Der Hase kam aus dem Gras und hat uns erst später bemerkt.
Wir kommen nach Nogaveci und laufen auf das Kreuz zu. Tatsächlich finden wir da einen Wasserhahn und können unsere Köpfe kühlen. Im Schatten legen wir eine Pause ein und beobachten ein Storchenpaar, dass seine vier Jungen füttert.
Nun liegen noch 8 km an der Landstraße vor uns und die kommen uns ewig lang vor. Der Verkehr ist mäßig, aber in der Hitze nicht witzig. Dann endlich erreichen wir Gradsko und trinken in der Kaffeebar erst einmal einen Kaffee.
Gestärkt gehen wir zu unseren "Sleep and Go" Quartier und die Wirtin macht einen sehr ungepflegten Eindruck. Sie zeigt uns das Zimmer und das Gemeinschaftsbad und ich frage mich, wie booking 26 eine 8,9- Bewertung hinbekommen hat. Ehrlich, es ist wieder mal ein Drecksloch. Ich versuche demütig zu sein, uralte Möbel sind ja okay, aber sauber sollte es sein. Mit meinen Desinfektionstüchern putze ich das Waschbecken und die Toilettenbrille, um sie überhaupt benutzen zu können. Die Sanitärkeramik hat wohl beim Einbau das letzte mal vor...zig Jahren Putzmittel gesehen. Es gibt keine Alternative und so schauen wir weg und gehen lecker essen. Danach sieht die Welt schon wieder anders aus.
Ein halbes Badezimmerfenster im Dach sorgt für Abluft.🫣
Mit dem monotonen Geräusch der überraschender Weise vorhandenen neuen Klimaanlage schlafe ich ein und komme gut durch die Nacht. Morgens bin ich dankbar, dass es nur dreckig war und es keine Bettwanzen gab.
Wir starten früh, kaufen Wasser und gehen in die Kaffeebar, um Kaffee zu trinken. Doch der Kaffee ist alle und der Chef wartet auf die Lieferung. Tee gibt es und da nehmen wir eben heute mal Tee. Daneben ist eine Bäckerei, wo ich ein Stück Kuchen ergattere. Der Bäcker nimmt mir 60 mazedonische Dinar ab, obwohl 30 dranstehen, aber ich diskutiere nicht, ist es gerade mal 1€. Als er den Kuchen serviert, fragt er woher wir kommen und meint dann, da können wir ja Deutsch reden. Er hat 9 Jahre in Berlin auf dem Bau gearbeitet, aber das war ihm zu stressig. Ein Tag Stress okay, aber jeden Tag...die Deutschen arbeiten zuviel. Da ist er wieder nach Hause gegangen. Hier ist nie Stress. Alles geht langsam. Okay, dass ist auch eine Philosophie.
Wir müssen heute 4 km an der Landstraße entlang laufen und Holger befürchtet viel Verkehr. Also frage ich den Bäcker, ob es einen Bus nach Stobi gibt. Nein, gibt es nicht, aber er kann uns schnell fahren. Wir lehnen ab, doch er sagt :Los kommt, schließt den Laden zu, sein Auto auf und fährt uns hin. Eine super Entscheidung, haben wir so Zeit uns die archäologische Ausgrabungensstätte in Ruhe anzuschauen.
Der Eintritt von 5€ pro Nase ist moderat und außer einer Schulklasse ist niemand da. Die Empfangsdame ist sehr hilfsbereit, hat aber leider keinen Stempel. Wir laufen über das 2,5 ha große Gelände und bestaunen die Überreste aus uralten Zeiten. Stobi war der Hauptort der antiken Landschaft Paionien, wurde von den Makodonen erobert und im 2.JH vor Christi unter die Herrschaft der Römer gestellt. Bemerkenswert ist, dass die Häuser teilweise eigene Badezimmer hatten.
Die alten Steine wirken wunderschön zwischen dem Wildwuchs aus Gras, Mohn und anderen Blumen. Leider sind zwei Gärtner mit der Motorsense am Werk und zerstören die Idylle.
Nachdem wir unsere Köpfe wieder mit Wasser getränkt haben, gehen wir los und laufen sofort in die Hügel. Heute geht es durch verschiedene Weingärten und wir kommen sogar an einer Winery vorbei. Doch 10:30 Uhr bei 30°C denken wir, ist es keine gute Idee, den Wein zu probieren.
Dann kommt wieder ein Mohnfeld und das Rot ist phantastisch. Auf jedem Hügel haben wir bezaubernde Weitblicke in die Berge und die steppenähnlichen Hügel. Es ist grandios hier zu laufen, zumal der Müll sich in Grenzen hält.
Wir kommen nach Kurija, wo es tatsächlich einen Laden gibt. Davor stehen Tische und Stühle und ein paar Männer sitzen im Schatten, trinken, reden und rauchen. Die Kulisse ist skurril. Ich mische wieder Limo und Wasser und wir sitzen und beobachten die Szenerie. Ein uralter Fiat 500 kommt angerollt ( der Motor versagt gerade), ein altes Fahrrad, der nächste Mann kommt an und setzt sich dazu. Irgendwie sehen sich ein paar sehr ähnlich. Ein Genpool🫣
Ein Storchenpaar klappert und baut ein Nest. Jetzt fehlt nur ein morbides Intro ( Spiel mit das Lied vom Tod) und die Kamera könnte stundenlang laufen...ein Road- Movie a la Jim Jarmusch nach mazedonischer Art. Leider haben wir nicht soviel Zeit. Am Brunnen noch mal die Haare wässern und weiter geht es.
Nun liegen noch 10 Kilometer vor uns. Hügel hoch und runter, durch die Weinberge und hin und wieder ist jemand am arbeiten. Die Sonne brennt, das Wasser in der Flasche ist fast heiß und wir malen uns schon die Dusche aus.
Heute haben wir ein Appartement mit Waschmaschine gebucht und können es sofort beziehen. Die Waschmaschine hat ihre Tücken und schleudert nicht mehr, aber bei immer noch 31°C sollte alles trocken werden.
Wir kaufen uns ein Zimmer- Dinner und sitzen gemütlich auf dem weinumrankten Balkon und schauen in die Berge. Was für ein gemütliches Fleckchen heute.
Nach einer erholsamen Nacht, Kaffee und Bananen geht es heute in einen noch heißeren Tag. Ich habe eine halbe Wasserflasche eingefroren, die ich mit kaltem Wasser auffülle und hoffe so etwas länger kaltes Trinkwasser zu haben. Schon beim Start machen wir unsere Kopfbedeckung nass, um einem Sonnenstich vorzubeugen. Im Ort kaufen wir noch zwei Wasserflaschen, sodass wir mit 4 Litern starten.
Es geht aufwärts eine Straße hinauf und wir sehen, wie eine Schildkröte sie queren möchte, dabei fahren hier ein paar Autos. Holger rettet sie.
Aus dem Ort führt uns der Weg direkt wieder in die Weinfelder und es läuft sich gut.
Wir queren eine kleine Brücke und kommen auf eine Landstraße, auf der uns verschiedene Fahrzeuge mit Müll beladen überholen. Wir denken: Wie vorbildlich! Dann kommen sie uns leer wieder entgegen. Ein Stück weiter dann die Entzauberung: wir laufen an einem großen, eingezäunten Gelände vorbei, wo jeder unkontrolliert seinen Müll ablädt. Wir denken kurz an unseren Recyclinghof und fragen uns, wie das wird, wenn diese Länder wirklich in die EU aufgenommen werden.
Wir erhöhen das Schritttempo etwas und atmen flach.
Wir laufen weiter und kommen an einem Kabelwerk vorbei. Hier stehen ein paar große Bäume, die Schatten spenden. Wir setzen uns in die Nähe des Pförtnerhäuschens in den Schatten und machen nach 6 km die erste Pause. Käsebrot und Rosé-Wein-Schorle verleihen uns neue Kräfte. Der Pförtner schaut vorbei und merkt, dass wir nicht gefährlich sind. Zwei kleine Hundewelpen nähern sich und der Forschere versucht meinen Stock zu erobern, was ihm natürlich nicht gelingt. Sie schauen treuherzig und umkreisen uns. Die Mutter ist weiter weg und buddelt Sand auf die Straße. Später sehen wir, dass sie am Fahrbahnrand eine Höhle ins Gestrüpp gebuddelt hat. Mir tun die Kleinen leid und ich bröckel ihnen etwas Weißbrot hin, was sie auch fressen. Dann gehen wir weiter.
Ab von der Straße laufen wir in die Weite der Berge, schauen in die Ferne und genießen die Freiheit, auch wenn die Sonne drückt. An einer Pfütze hat sich ein Bienenvolk niedergelassen, kühlt sich die Füße und hängt den Rüssel ins Wasser. Es summt und brummt, doch in uns sehen sie keine Gefahr und so können wir vorbei gehen.
In Przhdevo, einem kleinen Dorf, finden wir am ehemaligen Laden eine Sitzgruppe unter einem Dach und wir setzten uns für eine zweite Pause. Die ersten Wasserflaschen ist fast alle und ich sehe gegenüber in einem Grundstück einen alten Mann im Schatten sitzen. Ich winke ihm, nehme unsere leeren Wasserflaschen und bitte ihn um Wasser. Auch ohne Englischkenntnisse versteht er mich, führt mich hinters Haus zu einer Wasserleitung. Ich fülle ab und bedanke mich. Dabei erzähle ich ihm von uns und er versteht "Allemania".
Nun geht es mal wieder bergauf aus dem Ort und wir finden noch eine Quelle, wo wir uns nochmal richtig kalt "duschen" können.
Es ist flirrend heiß und in 5 Minuten ist der Kopf wieder trocken. Die Landschaft ist wieder phantastisch einsam und dadurch die nächsten Kilometer müllfrei. Es schwirren wieder jede Menge Schmetterlinge in der Luft und die Vögel zwitschern. Ich genieße jeden Schritt und schweife mit meinen Gedanken ab.
Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter. Der Blick in die Ferne ist gigantisch und lässt das Herz vor Freude hüpfen.
Dann geht es weiter bergab und in die Nähe der Autobahn. Allerdings müssen wir dann wieder eine ziemlich lange Passage bergauf laufen und das ist mega anstrengend.
Auch heute kommen wir in einen kleinen Zypressenwald mit seinem herrlichen Duft. Hier erhaschen wir ab und an ein wenig Schatten. Danach laufen wir auf einem Plateau und Holger läuft und hat keinen Blick mehr für die Weite.
Nach einer Kurve sehen wir in der Ferne einen riesigen Müllberg mitten in der Landschaft. Unser Weg biegt ab und geht gerade darauf zu, sodass wir bald durch abgestürzten Müll laufen, was mir die Freude etwas verhagelt. Luft anhalten ist nicht, flach atmen auf die Länge der Strecke mega anstrengend. Kaum sind wir außer " Reichweite" müssen wir etwas trinken und uns nass machen. Mir ist etwas mulmig und Holger geht es ähnlich.
Wir laufen auf ein Weingut mit Restaurant zu, doch so verklebt und verschwitzt wollen wir da nicht rein, zumal die Kellner mit weißem Hemd herum laufen, es also etwas vornehmer als alles bisherige ist.
Nun ist die Straße frisch asphaltiert und ein Fußweg ist mitten im Nichts gepflastert und wächst allmählich zu. Ein Schild verkündet, dass das Finanzministerium und die Weltbank investiert haben. Okay, aber warum hier?
Das Pferd läuft frei mit Glocke rum🤗
Wir kommen nach Demir Kapija, wo der Fußweg sofort zu Ende ist und wir am Straßenrand in den Ort laufen. Die Kirche ist verschlossen und so ist der Weg frei zum ersten Kiosk, wo wir eine Limo trinken, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.
Dann laufen wir zu einem größeren Laden und kaufen etwas zu Essen ein, bevor wir in unser gebuchtes Appartement laufen. Es ist etwas teurer, aber dafür sauber, modern und sehr ruhig gelegen. Holgers Kommentar: Geht doch!
Allerdings fällt mal für eine halbe Stunde der Strom komplett aus. Aber da sind wir schon geduscht und haben Kaffee auf der kleinen Terrasse getrunken.
Oldenburger Butter mit Aufschrift: Mantequilla und bayrischen Gouda im Supermarkt 👍
Abends ist wieder Zimmer-Dinner auf der kleinen Terrasse und der Humus hat es uns angetan. Extrem lecker und cremig. Mit dem Nachtisch stimmen wir uns schon auf Griechenland ein.😋


Dann die große Frage: Wo schlafen wir Morgen. Am Etappenende gibt es nichts. Ich frage im Chat, ob jemand eine Idee hat und bekomme Feedback, dass jemand mit dem Taxi zum nächsten Bett gefahren ist, um dann am nächsten Tag zurück zufahren und weiter zu laufen. Ehrlich, dass finde ich nicht wirklich witzig, denn meine Erfahrungen damit waren nicht toll. Außerdem finde ich, kommt es auf 20 km mehr oder weniger nicht an. Aber warten wir es ab, vielleicht gibt es ein Wunder. Holger ist total unruhig und seine Befürchtungen projizieren sich auf mich und so flüchte ich mich zeitig ins Bett. Doch einschlafen fällt mir schwer, suche ich gedanklich nach Informationsquellen und schreibe noch die mir bekannten JW-Pilger an. Unruhig falle ich dann doch in den erholsamen, verdienten Schlaf.
Morgens sind wir früh auf und wollen zeitig los, denn es ist wieder Hitze angesagt und wir laufen ca. 20 km fern jeder Zivilisation. Jeder hat drei
Liter Wasser im Rucksack, Essen und Holger hat noch 1,5l Wasser, um die Mützen zu kühlen.
Ein Hund begleitet uns ein ganzes Stück bis zum Ortsausgang und bleibt dann zurück.
Wir laufen auf ein großes Felsmassiv zu und dann zwischen dem Tal der Vardar auf einer alten Straße ins Gebirge. Die Straße geht auf Kaiser Wilhelm II zurück und ist heute nur noch eine Nebenstraße, obwohl sie in der Karte noch als Landstraße eingezeichnet ist- R29178.
Es sind grandiose Blicke und am Wegesrand blüht es. Bald wird es enger und wir kommen zum alten Bahnhof von Klisura, wo tatsächlich jemand wohnt, doch gerade wegfährt. Eigentlich ist es ein schöner Pausenplatz mit einem großen Walnussbaum, aber Holger gefällt er nicht, obwohl sein Magen knurrt und so laufen wir weiter.
Uns kommen zwei LKW entgegen und ziehen eine Staubfahne hinter sich her. Bald kommen wir an ein Kieswerk und danach gehört der Weg nur noch uns.
Wir finden einen Stein, auf dem wir sitzen können und frühstücken mit einem herrlichen Blick in die Berge. Auf den Boden oder in die Wiese setzen wir uns hier nie, weil wir jeden Tag irgendwo Schlangen sehen.
Plötzlich lassen wir die Felsen hinter uns und kommen in bewaldete Berge, wie wir sie noch nicht hier in Nordmazedonien gesehen haben. Am Wegesrand blüht es wieder in allen Farben und hunderte Schmetterlinge und Insekten gaukeln durch die Luft. Auch hier Wolken von Schmetterlingen an kleinen Wasserpfützen. Einfach unbeschreiblich schön. Ich freue mich hier zu sein und bin froh, dass Holger heute entspannter den Tag sieht, als gestern Abend.
Und dann wachsen sogar Lilien, Feigenbäume und Granatapfel - Büsche am Wegesrand.
Nun öffnet sich der Weg und wir hören es grummeln. Ein Blick zurück zeigt uns dunkle Wolken am Horizont.
Erfrischender Wind kommt auf und treibt die Wolken schnell näher. In der Ferne sehe ich Blitze. Wir erhöhen unser Schritttempo, denn in ca. 2 km ist ein Ort.
Vor dem Regen kommen wir nach Davidovo, wo das Monastery Saint Ilija vor einer bedrohlichen Kulisse über dem Ort thront.
Ein Bauer weist uns die Richtung zum Laden, der eine verglaste Veranda mit Stühlen hat. Trocken erreichen wir ihn und setzen uns mit einer Limo hin und warten den Regen ab.
Als er sich verzogen hat, gehen wir weiter und kommen auf eine riesige Wiese.
Der Weg wird schmaler, dann zugewachsener und dann hört er an einem Graben auf. Holger will zurück, ich suche eine Umgehung und laufe einfach weiter, sodass er mir folgen muss. Seine Dementi überhöre ich, denn mein Motto: Vorwärts immer, rückwärts nimmer" gilt auch beim Pilgern. Über einen Acker, durch ein bissel Gestrüpp finden wir zurück auf den Weg. Dann riecht es nach Kamille und tatsächlich wachsen riesige Büsche auf einem Feld mit riesigen Zwiebeln.



Nun ist es nicht mehr weit bis Miravci, wo wir in der klimatisierten Escape- Room- Bar Kaffee bzw. Bier trinken und uns abkühlen. Wir fragen nach einem Bett, aber es gibt tatsächlich nichts.
Nun schauen wir uns die Strecke an. In Negorci gibt es eine Logis- Möglichkeit, allerdings nicht bei booking. Die Bilder sehen nicht so überzeugend aus und 35€ sind im Nirwana viel Geld. Die dann verkürzte Etappe danach ist den ganzen Tag an der Landstraße. Das ist bei über 30°C nicht erquicklich. Also springe ich über meinen Schatten und schaue, was es am Ende der Etappe für Möglichkeiten gibt. Siehe da, ein wunderschönes Appartement mit Waschmaschine und viel Platz wartet mit 25€ darauf gebucht zu werden.
Nun müssen wir nur noch dahin kommen und es gibt ein kleines Problem. Uns geht die mazedonische Währung aus und wir haben nur noch zwei 20€- Scheine. Ich erkläre der Chefin der Bar unser Problem und frage, ob 20€ für eine Taxifahrt nach Gevgelia reichen. Sie meint, sicher und ruft ihren Nachbarn an, der uns fährt.
Unterwegs sehe ich die Berge, durch die wir hätten laufen können, gäbe es ein Bett vor Ort, und mein Pilgerherz blutet ein wenig.
Dann fahren wir auf der Landstraße und ich denke, okay, dass muss ich nicht haben. Schmal, staubig und doch gut befahren. Auch unser Fahrer fährt zu schnell, also doch alles richtig gemacht. Holger ist ganz dolle stolz auf meine Kompromissfähigkeit.
Das Appartement ist wirklich sehr sauber, neu und die Waschmaschine werfen wir gleich an, bevor wir Kaffee trinken, etwas ausruhen und Essen gehen. Noch ein letztes Mal in Nordmazedonien....
...denn morgen erreichen wir die Grenze zu Griechenland und werden sehen, ob wir zu Fuß hinüber kommen.
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