Genau heute vor einem Jahr bin ich auf meinen Jerusalemweg von Deggendorf nach Niederalteich gepilgert und war von der lieblichen Landschaft der Donau, der lockenden Berge am Horizont und der Freundlichkeit der Bayern begeistert. Ein Jahr später habe ich in meinem Leben mal wieder eine völlige Kehrtwendung gemacht und nun wohnen wir nur 15 km von Niederalteich entfernt, im hübschen, kleinen Ort Schöllnach. 

Holger hat sein Berufsleben vorzeitig an den Nagel gehangen und wir wollen es uns nun die letzten Jahre gemeinsam gemütlich machen. Ja und was gibt es da besseres, als mal wieder zu pilgern. Es geht wieder los, diesmal nicht allein, sondern zu zweit. Wir wollen von Pristina bis an die türkische Grenze laufen. Was für ein Abenteuer in dieser Konstellation. Allen Sorgen zum Trotz freue ich mich drauf.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich immer wieder pilgere? Ob ich vor etwas weglaufe? Warum ich nicht anders verreise. Mein Sohn würde sagen: Weil ich es kann! Das wäre aber zu kurz gegriffen. Ich bin in der Natur sofort ganz bei mir. Ich genieße die Langsamkeit, die Zeit für mich, für Beobachtung und vor allen die spontanen Kontakte mit den Menschen. Dem normalen Leben etwas entrückt sein und sich dem Himmel nahe fühlen. Am meisten genieße ich dabei diese Unbeschwertheit und Freiheit. Für nichts und niemand mehr Verantwortung zu haben, keinen Termindruck. Die Kinder gehen schon lange ihre eigenen Wege, kommen klar und ich freue mich, dass es so ist. Sie sind wunderbar unabhängig und ich bin es nun auch. 

Meine Freundin Brigitte hat mir einmal gesagt, die zehn Jahre nach dem Arbeitsleben, waren für sie die Besten. Da war sie voll fit und konnte viel Neues entdecken. Ich sehe es genauso. Unsere Jahre sind jetzt gezählt und wir haben (hoffentlich) noch zehn gute Jahre, wo wir so spartanisch und unkonventionell Erlebnisse sammeln können. Die Wohnmobilträume sind auch noch da und werden früher oder später wahrscheinlich parallel verwirklicht.  

In den letzten Tagen haben wir die Ausrüstung erneuert und optimiert und nun ist alles beisammen, um starten zu können. Unsere Bedenken wurden diskutiert und  eigentlich könnte es losgehen.

Der Start war für den 6. Mai geplant, doch wir haben alle Buchungen stornieren müssen, denn die Bürokratie ist uns ins Gehege gekommen. Holger muss noch seine Entlassungsurkunde handschriftlich unterzeichnen und zurück nach Dresden schicken, doch leider ist sie noch nicht hier angekommen. Also üben wir uns in Geduld und erkunden weiter den bayrischen Wald, um gut trainiert eventuell am 13. Mai in den Bus zu steigen zu können und in Richtung Kosovo zu starten.

Wie immer, werde ich hier aller ein paar Tage von unseren Erlebnissen berichten und freue mich, euch daran teilhaben zu lassen. 

Ultreia!




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