Bettensuche, ein leidiges Pilgerthema

 Am Morgen ist Holger wieder entspannter und wir nutzen unser Busticket und fahren zur Hagia Sophia, um noch einen Stempel zu bekommen. In der Kirche ist nur ein junger Mann am Souvenirshop und ich habe das Gefühl, er versteht nicht was wir wollen. Also gehen wir wieder und treffen vor der Kirche einen Popen, den ich anspreche. Er meint,dass sei schwierig. Er sei nicht von dieser Kirche ( obwohl er dann reingeht) und er hat keinen Stempel...Holger findet, dass es bei den griechischen Popen immer schwierig ist, dass passiert und ja nicht zum ersten Mal. 

Dann fahren wir mit einem anderen Bus bis zum Stadtrand und steigen in den JW ein. Auf dem Weg dahin rettet Holger eine Schildkröte von der Straße und setzt sie ins Gras. Wir laufen auf einem zugewachsen, offiziellen Wanderweg direkt zur Autobahn. Holger hatte im Vorfeld geschimpft, dass da kein Weg ist, dass kann man bei Google sehen. Ich bin der Diskussion aus dem Weg gegangen und habe geschwiegen. Und siehe da, der Weg führt unter der Autobahn hindurch, allerdings wird diese erweitert und so stehen wir vor einem Abraumberg, den wir besteigen, um auf der anderen Seite weiter zu laufen.




Von hier haben wir noch einen wunderschönen Blick auf Thessaloniki und das Meer. Je höher wir steigen, umso beeindruckender wird es. In der Ferne sehen wir wieder den Olymp.




Wir laufen auf offenem Gelände, auf einem breiten Kiesweg und die Sonne hat schon richtig Kraft.

An einer kleinen Kapelle finden wir noch einmal einen Wasserhahn und kaum, dass er läuft, kriecht eine Schildkröte hervor, um auch etwas abzubekommen. Holger versorgt sie mit seinem Basecap. Ich bin vom Aufstieg schön nass geschwitzt und so halte ich nicht nur mein Tuch, sondern auch mein T-Shirt unters Wasser und die Abkühlung ist perfekt.



Nun geht es weiter über schöne Wege, mal breit, dann schmal, mit Schiefer, Schotter oder Waldboden. In vielen Farben blüht es am Wegesrand, Insekten brummen, Schmetterlinge flattern, Kiefern und Geißblatt verströmen ihren Duft. Dann laufen wir über Bergwiesen und auf steilen Ziegenpfaden. Was für ein bezaubernder Pilgerweg. 






Nach 10 km kommen wir nach Exochi und überlegen, wie es weiter geht. Mein booking sagt mir hier ein Zimmer für 49€ und Holger's booking sagt nix, was schon wieder ein Grund für eine Diskussion ist. Doch dann findet er bei Maps die Nummer und ruft an. Für 40€ bekommen wir das kleinste Zimmer des Weges und wenn ich überlege, dass wir in Thessaloniki für 10€ mehr ein ganzes Appartement hatten, ist es schon frech. Aber was bleibt uns übrig?


Das Bad im Vintage- Stil🫣

Ich lege meinen Rucksack ab und Holger leert seinen und nur mit Wasser und etwas zu Essen pilgern wir ein Stück vor, damit die morgige Etappe nicht zu lang wird.

Der Weg führt an einem Friedhof vorbei und wir bestaunen die gepflegten Gräber, Rosenstöcke und den englischen Rasen. Ein Schild erklärt uns das Phänomen, es ist ein britischer Soldatenfriedhof vom 1. Weltkrieg.


Bei drückender Hitze laufen wir auf steilen Pfaden hoch und runter und bleiben immer wieder stehen, um die Ausblicke und Blumen zu bewundern.





Es läuft sich gut und wir kommen gut voran, bis es mal wieder nicht weiter geht, weil der Weg total zugewachsen ist. Ein Blick auf die Karte und wir finden eine Alternative, wo wir einen Bach queren müssen. Mal sehen, ob das passt?

     Da mittendrin soll der Weg sein? 

                Wunderschöne Alternative


Bach ist ein Bächlein und Steine liegen günstig...PASST!



Am frühen Nachmittag kommen wir in Chortiatis an, trinken etwas und fahren mit dem Bus zurück. Inzwischen haben wir Hunger und gehen in Exochi in ein kleines, nettes Bistro und fragen, ob wir etwas zu Essen bekommen. Eigentlich hat der Chef nicht mehr viel in seinen Töpfen, aber er zaubert uns ein leckeres, frühes Abendessen.
Dann gehen wir in unser "sweet Home" und kommen an der Apotheke vorbei und das Thermometer zeigt 34°C an. Kein Wunder dass wir schwitzen.
Holger plant abends weiter. Allerdings ist diesmal das Wetter unser Problem. Wir checken drei verschiedene Portale und alle sagen früher oder später 90% Regen und vor allem Gewitterwarnungen ab 12 Uhr!!! Dass ist großer Mist, denn dass kann in den Bergen gefährlich werden.
Wir stellen den Wecker auf 7 Uhr und wollen mit dem Bus zurück fahren, um möglichst zeitig  loslaufen. Unterwegs, haben wir herausgefunden, gibt es einen Ort mit Bushaltestelle, wo wir überspringen können, sollte das Gewitter kommen.



Aubergine, Zucchini, Tomaten, Paprika und Salat😋

Morgens sind wir früh aus den Federn und fahren sogar mit einen Bus eher als gedacht, nach Chortiatis. 

An der Bushaltestelle lockt uns ein Bäcker zum Frühstück. Mit Blätterteigtasche mit Pudding-, bzw. süßen Kürbisfüllung lassen wir den Tag gut beginnen. Es sind nur 21°C, aber eine Recht schwüle Luft. 

Auf einem breiten Forstweg laufen wir gemächlich bergan, um dann eine Weile auf einem Kamm zu wandern. 







Plötzlich hören wir ein Motorengeräusch und wirklich kommt hinter uns ein Auto gefahren. Er stoppt und fragt, ob wir Deutsche sind. Dann erzählt er, dass er eine Deutsche hier schon mal getroffen hat und sucht das Foto auf seinem Handy. Ich denke sicher Sabine, aber nein, diesmal ist es Siegrid, die ich tatsächlich persönlich von der Pilgermesse kenne. Schnell ein Foto gemacht und mit lieben Grüßen von Gregorius an sie geschickt. Gregorius warnt uns vor dem Gewitter und sagt, sie sind gefährlich. Ja, wir wissen das.




Wir gehen weiter und plötzlich sehe ich vor meinem Füßen eine Schlange liegen. Holger meint, sie ist vielleicht tot, doch ich denke nicht. Holger steckt seine Stockspitze in die Nähe und da kringelt sie sich nach oben und weg. 







Nach 10 km kommen wir in Ardameri, wo der Bus fährt, an. Es ist noch viel Zeit und das Wetter sieht noch gut aus. Wie wir beraten kommt ein Mann und fragt wohin wir wollen. Auch er warnt uns vor dem Gewitter und so gehen wir Kaffee trinken und machen es vom Bus abhängig, ob er wirklich kommt. 

Holger hat eine Telefonnummer von einer Zimmervermietung gefunden und reserviert uns ein Zimmer in Lagkadikia.

Wir sind pünktlich an der Bushaltestelle, wo der Bus um 11:07 Uhr fahren soll, doch er kommt nicht. Wir warten bis 11:15 Uhr und beschließen nicht den JW durch offenes Gelände zu folgen, sondern auf der Straße zu laufen, wo wir vielleicht ein Auto anhalten können.

Kaum sind wir losgegangen, fängt es an zu tröpfeln und als wir die Regencapes übergeworfen haben regnet es richtig. Wir laufen um die Kurve und Holger sieht, wie ein Bus den Berg hochkommt. Schnell laufen wir ein Stück zurück, hatten wir doch schon die nächste Haltestelle passiert, und Holger macht dem Fahrer ein " Retour- Zeichen" und der nickt. Wir bleiben stehen und tatsächlich kommt der Bus zurück und nimmt uns auch wieder kostenlos mit. Ein Reisebus für uns ganz alleine.

Was für ein Glück, denn der Regen prasselt nieder. Noch donnert und blitzt es nicht, aber klatschnass wären wir jetzt.

In Lagkadikia steigen wir aus und bedanken uns herzlich bei unserem Engel. Holger meint, der Bus wurde uns von oben gesandt.

Nun sind wir schon Mittags am Ziel und wir gehen ein Feierabend - Bier trinken oder besser ein Halbe- Etappe- Bier und warten bis der Regen aufhört.


Dann gehen wir zu unserem Appartment und bekommen für das selbe Geld wie gestern ein großes Zimmer mit großem Bad und Balkon. Der Vermieter erklärt uns, dass das Hotel am Ende der nächsten Etappe nicht mehr ist und alle Pilger zwei Nächte buchen und mit dem Bus zurück kommen. Okay, aber so richtig ist das nicht unsere Art. Wir sagen, dass wir es Morgen unterwegs entscheiden, ob wir zurück kommen oder ein Stück vor fahren. Wir sind die einzigen Gäste und er hat vier Appartements im Angebot.


 
Wir duschen und setzen uns auf den Balkon und denken, dass es die richtige Entscheidung war, denn auch wenn es bisher noch nicht geblitzt hat, wären wir klatschnass durch sicher rutschiges, schlammiges Terrain gelaufen. Holger dankt mir mein Über-den-Schatten-springen.
Um 15 Uhr beginnt es dann zu donnern, blitzen und aus Kübeln zu gießen. Wie sind wir froh, dass wir im trockenen sitzen.👍🙏
Abends gehen wir Pizza essen, denn das ist das einzige Restaurant, dass schon 19 Uhr öffnet und wir haben Hunger, auch wenn wir heute nicht so weit gelaufen sind.


Am nächsten Morgen, den 20. Tag unserer Wanderung, laufen wir bei angenehmen 21°C los und sind erfreut, dass der Boden hier sehr porös ist und den gestrigen Starkregen versickern ließ, sodass die befürchtete Schlammwanderung nicht stattfindet. Es geht durch reife Weizenfelder, brusthohe Mais- und Sonnenblumenfelder und noch sind die Wolken vor der Sonne, so dass wir forschen Schrittes Kilometer fressen. Überall krabbeln kleine schwarze Spinnen vor unseren Füßen und jede Menge Käfer und Ameisen, so dass ich etwas tänzel um nicht darauf zu treten.





Nach 10 km sehen wir den Volvi- See in der Ferne und die Sonne hat wieder volle Kraft.  Wir kommen durch eine kleine Hügellandschaft, wo wir der ersten Ziegenherde nur mit Hütehund begegnen. Auf der anderen Seite ist ein Hunderudel, dass zu uns herüber kläfft, uns aber sonst in Ruhe lässt. 



Holger ist etwas genervt, dass ich jede Blume am Wegesrand bewundere und ganz entzückt von den Schmetterlingen bin. Mein Fotografieren stoppt seinen Run, doch dass ist für mich Pilgern. Ich nehme aber Rücksicht und Versuche den Abstand mit Stechschritt zu verringern.





Nach 17 km erreichen wir Loutra Volvis und finden gegenüber eines aufgegebenen Campingplatzes einen offenen Laden mit Kaffee. Wir stoppen und frühstücken mit zuckrigen Schnitten und dem ersten Radler vor 12 Uhr. Ich habe durscht.🫣


Der Ort ist verlassen und trostlos und der Jerusalemway führt durch langsam zuwachsende, aufgegebene Urlaubsdomizile. Sehr skurril.





Über uns kreist ein Vogelschwarm und im ersten Moment denken wir, es seien Störche. Doch es sind Pelikane. Tatsächlich gibt es hier eine große Krauskopf- Pelikan- Kolonie.




Die Landschaft ist wieder wunderschön, wenn nicht der Mensch seinen Müll überall loslassen würde. Wir halten wieder an jedem Wasserhahn, denn die Temperatur ist inzwischen wieder extrem. 


Dann kommen wir an ein eigentlich ausgetrocknetes Flußbett, doch der Starkregen gestern hat ihn etwas gefüllt. Schuhe aus und durch ist kein Problem. Allerdings dauert das Trocknen und vom Kies befreien erheblich länger als der Durchgang.



Die Landschaft verändert sich wieder, hügelig und grüner.


Bald kommen wir wieder an eine Stelle, wo der JW nicht mehr begehbar oder besser sichtbar ist. Deshalb folgen wir dem Kiesweg und kommen zum nächsten eigentlich trockenen Flussbett. Hier sind gleich drei Arme zu durchqueren. Der 1. ist kein Problem, der 2. ist schon tiefer und der 3. hat Strömung. Das wird nichts. Also drehen wir um und laufen auf der Straße nach Apollonia.



Inzwischen haben wir 30 km in den Füßen und unser Bett steht noch weit entfernt, da es hier nichts gibt. In einem Café fragen wir, ob es einen Bus in unsere Richtung gibt. Tatsächlich soll er in zehn Minuten fahren. Wir stellen uns an die Haltestelle und wer nicht kommt, ist der Bus. Ich halte den Finger raus, doch es hält niemand. Dann kommt ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen und ich wedel so aufgeregt mit den Händen, dass es anhält. Ich frage den jungen Mann, ob er uns 10 km mitnehmen kann. Gerne, aber er hat nur einen Sitz frei, weil das Auto unaufgeräumt ist. Okay, ich frage, ob ich mich nicht einfach auf den Boden setzen kann, in Griechenland guckt eh keiner genau. Janni ,er heißt tatsächlich wie jeder 2. Grieche, wie er lachend erzählt, lässt sich überreden und schon sitzen wir drin. Er besucht Freunde, ist griechisch-stämmig, lustig, fast 40 und frisch geschieden. Er meint leger, man macht eben Fehler.



An der Abfahrt nach Stavros lässt er uns raus, wir bedanken uns, er meint: dafür nicht! Ich muss sofort an Eike denken, der dies auch zu mir gesagt hat, als ich ihn kennenlernte.

Wir laufen nochmal durch einen staubigen Weg und dann....sehen wir das Meer.




In der ersten Strandbar gönnen wir uns etwas zu trinken und staunen, was am Strand schon los ist. In Griechenland beginnen die Sommerferien am 15.6. und gehen bis September. Wir wollen uns nicht ausmalen, wie es dann zugeht. Ein bissel erinnert es uns an die Türkei.


Da es hier jede Menge Betten gibt und noch Zeit ist ( bei booking schließen viele Angebote 18 Uhr), wollen wir uns einigen von außen ansehen, denn unsere Erfahrungen zeigen, dass viele Bilder nicht der Realität entsprechen. Was auch bei den ersten Unterkünften der Fall ist. So laufen wir am Strand entlang und beobachten das Treiben. Wir finden eine kleine Kapelle, die wir uns anschauen, denn der spirituelle Teil kommt etwas kurz, da die meisten Kirchen geschlossen sind.





Dann kommen wir zu unserem favorisierten Appartement in Nea Vrasna und die Dame ist sehr freundlich und gibt uns auch einen Rabatt, genau da, bis wohin wir uns geeinigt hatten. Wir dürfen uns das Zimmer aussuchen und haben heute eine wirklich saubere, schöne Unterkunft, die wir uns nach 36,3 km verdient haben.





Abends schlendern wir recht früh zum Strand, da wir Hunger haben. An einem Restaurant spricht uns ein netter, junger Kellner an, offeriert uns die Speisekarte in deutsch und erzählt mir, was es alles vegetarisch gibt. Wir setzen uns und sind noch die einzigen Gäste, sodass wir sehr aufmerksam bedient werden. Die Lichtstimmung ist phantastisch und wir genießen das Essen. Holger trinkt seinen ersten Ouzo und da ich ihn nicht mag, gleich einen Doppelten.


Hier liegen keine Seerobben am Strand, sondern Straßenhunde.🫣

Auch das ist Griechenland...deutsche Gastgeber





Dieses süße Dessert bekommen wir zum Wein spendiert. Sehr lecker mit Zitronensaft.

                 Homeoffice 😉 



Die Nacht war für mich unruhig, da Holger schnarcht und die Klimaanlage entweder zu kalt oder zu warm war. Es ist immer wieder schade, dass man die Fenster schließen muss. Hier bellt ein Hund im Nachbargrundstück jeden an und nervt.
Morgens nehmen wir uns Zeit, bevor es zu unserer Strandetappe kommt. Wir kommen zu einem Bäcker, der sich "Bonjour" nennt und wir treten mit "Bonjour" ein. Holger fragt: Ca va? Und sie antworten: Ca va, ca va und lachen. Ich helfe aus mit: Tres bien! Nun fragen sie, ob wir Franzosen sind. Nein, Deutsche. Holger bleibt aber im Französisch - Modus und überfordert die Frauen etwas. Wir kaufen wieder ein leckeres Puddingteilchen und setzen uns damit ans Meer. So beginnt der Samstag perfekt. Am Zielort haben wir noch kein Bett, weil bei booking nichts zu finden ist. Maps zeigt aber drei Pensionen an. Also sind wir optimistisch.
Es ist heute wieder richtig heiß, doch in der Nähe des Wassers ist es gut auszuhalten. Wir laufen ein Stück im Wasser, doch ist der Untergrund so rutschig, dass wir einsinken und es mühsam ist. BBP- Training muss auf dem JW nicht sein. Wir ziehen die Schuhe an einer Bar wieder an und werden darauf hingewiesen, dass wir nicht sitzen bleiben dürfen. Wir erklären, dass wir nur 5 Minuten brauchen und bekommen 10. Dann sehe ich einen "Weg" zurück zur Straße, da es hier nicht weitergeht. Ich wundere mich über das Tor und höre hinter mir lautes Reden. Der Barman kommt angelaufen und erklärt, dass wir da nicht reinlaufen dürfen, denn dass ist Militärgelände. Cool mit einer Strandbar.

                 Alexander der Große am Strand 





 Der JW geht fast ausschließlich am Strand entlang, mal Sand, dann Kies und auch steinig. Auch hier blüht es. Ab und an müssen wir auf die Straße ausweichen. 







Wir haben uns mit dem Wasservorrat verschätzt, weil wir dachten, es gibt unterwegs genug, doch dass ist ein Irrtum. Als wir endlich in Logkari ankommen, gehen wir in das erste Restaurant etwas trinken und schlucken den "Me(e)hrpreis."






Nach 25 km kommen wir nach Nea Kardylia und laufen zur ersten Pension, die verlassen vor sich hingammelt.  In einem Restaurant gehen wir etwas essen und fragen nach Übernachtungsmöglichkeiten. Es gibt nichts. Holger mosert ein bisschen, aber das hilft auch nicht weiter. Er meint, er geht morgen nur weiter, wenn er ein Bett gebucht hat. Okay! Wir laufen auch noch die anderen Pensionen ab, doch nur eine sieht noch gangbar aus, ist aber auch geschlossen. Ein Mann schickt uns zur Café - Besitzerin. Sie sagt es gibt nichts und kann uns nicht helfen. So ein Mist!!! Uns bleibt nichts anderes übrig als irgendwie zurück zu fahren. An der Hauptstraße kommt tatsächlich ein Bus und Holger winkt, sodass er anhält. Das ist auch ein Phänomen der Griechen, dass man, wenn man an der Bushaltestelle steht, dem Fahrer winken muss, sonst fährt er einfach weiter, wenn niemand aussteigen will.
So fahren wir zurück nach Asprovalta und suchen kurz vor 18 Uhr ein Bett. Es gibt nur noch richtig teuer oder für 45€. Wir beschließen dahin zu laufen, wir wollen ja nur schlafen. Allerdings müssen wir so nochmal ein paar Kilometer dranhängen und Holgers Laune sinkt weiter. Als er sieht, dass die Lage anders als bei booking angegeben ist, direkt an der Hauptstraße ist, haut er fluchend die Stöcke auf den Asphalt. Das sind die Momente, wo ich sehr viel Kraft aufwende, um geduldig zu sein. Ich freue mich auch nicht und 28 km bei 31°C sind heftig.
Der ältere Vermieter ist freundlich und Holger bittet um ein Zimmer nach hinten, dass wir auch für 40€ ohne booking bekommen. Das Mobiliar ist so alt, wie der Vermieter. Über Sauberkeit schweige ich, doch hätte Plastik Jahresringe, so käme die Dusche sicher aus dem Jahr 1862, dem Jahr der Erfindung.🫣


                Klo putzen beim Duschen.

                 Wasser kam aber noch raus.😂

   Aus der Abzugshaube schauen die Wollmäuse

       Der Balkon hat es rausgerissen.

Wir staunen darüber, dass sich jemand traut, so etwas bei booking anzubieten und was für unterschiedliche Zimmer es für dasselbe Geld gibt. Nachfrage und Angebot regeln alles, doch pilgerfreundlich ist es nicht.
Der Vermieter sagt uns, dass morgen jede Stunde ein Bus fährt und wir freuen uns. Ich finde hinter unserem eigentlichen Ziel ein Haus zu mieten, was jenseits von unseren Preisvorstellungen liegt, aber wenn es weiter gehen soll...es hat eine Waschmaschine, dass ist der große Pluspunkt. 

Wir kaufen etwas zu Essen und verbringen den Abend auf dem Balkon, bis uns die Mücken quälen.

Wir stehen am Sonntag 7 Uhr auf, frühstücken auf dem Balkon und stehen pünktlich an der Haltestelle. Der Bus kommt nicht. Wir warten, warten....ich halte den Finger raus....doch alle fahren vorbei. Die Bushaltestelle ist vor einem Hotel und als eine Angestellte mit dem Auto ankommt, frage ich nach dem Bus. Sie verweist mich auf den Fahrplan auf der gegenüber liegenden Seite und ich erkläre, dass ich kein Griechisch lesen kann. Daraufhin kommt sie mit und erklärt, dass der Bus Sonntags nur 7:30 und 12:30 fährt. Der Tag fängt ja gut an. Ich bitte sie ein Taxi zu rufen und sie wählt mehrere Nummern und erklärt es ist" difficult" in Griechenland am Sonntag. "Difficult" ist scheinbar das Lieblingswort hier. Endlich findet sie jemand. Ich frage, was es etwa kostet und sie sagt 10€ wäre der normale Preis. Okay. Ich Google und auch da komme ich auf etwa 10€, je nachdem wie hoch die Grundgebühr ist. Das Taxi kommt, wir steigen ein und fahren zu unserem gestrigen Ausgangspunkt zurück. Beim Bezahlen verlangt die Frau 25€. Wie bitte? Ich erkläre, dass die Dame 10€ sagte und gebe ihr 20€. Sie besteht auf 25€ und so diskutieren wir hin und her, bis sie einlenkt und abfährt 
Heute ist nicht unser Tag, denke ich, als wir mit 1,5 Stunden Verspätung endlich loslaufen können. Die Etappe ist wieder fast 30 km lang, es ist heiß und wir laufen durch Niemandsland. Holger ist nervös, denn für 17 Uhr sind wieder Gewitter angesagt, da sollten wir angekommen sein.
Deshalb laufen wir forschen Schrittes los und durch einen Olivenhain zu einer Straße, wo der Löwe von Amphipolis steht, ein Monument an der Via Egnatia, auf den der JW hier trifft, aus dem 4. Jahrhundert vor Christi. Das ist schon beeindruckend.



Wir laufen bergauf und kommen zu einem "hellenistischen Haus" dass verschlossen ist. Allerdings führt ab hier ein Fußweg zu der Ausgrabungsstätte Amphipolis. Kein Mensch weit und breit, nur die Eintrittsloge ist besetzt. Uns fehlt die Zeit und Muße für alte Steine in der prallen Sonne und wir laufen in den Ort hinein.


Dort gibt es Wasser für den Kopf, denn die Hitze ist extrem, da kein Lüftchen weht.
Es geht ständig durch Getreidefelder, Olivenplantagen, Mandelbaumplantagen und an Weingärten vorbei. Aus letzterem wird hier Ouzo gemacht. Unter einem Mandelbaum im Schatten legen wir nach acht Kilometern eine Pause ein. Es geht doch nichts über ein Käsebrot, Walnüsse und warmes Wasser. 








Inzwischen ist es 12 Uhr und am Horizont ballen sich weiße, große Wolken, die Holger den Turbo einlegen lassen. Ich bin heute nicht so gut drauf, mir macht die Hitze zu schaffen und so hängt er mich ab. Ich gehe mein langsameres Tempo um die Kraft einzuteilen. An jeder Kreuzung wartet Holger ungeduldig und seine Blicke sprechen Bände. 


Der Weg wird immer wieder unwegsam, durch hohes Gras und die Grannen haken sich fest bis in die Hosen, sodass nach jedem Gang dadurch alles rausgepuhlt werden muss, denn es sticht.
Ich brauche immer wieder etwas zu trinken und schütte mir das warme Wasser über den Kopf. Heute ist es extrem anstrengend.
Holger zeigt mir die erste blühende Sonnenblume. Ein Mähdrescher erntet und in den Reihen stolzieren majestätisch Störche und schnappen sich das Futter, dass aus den Reihen flitzt.




Dann wird der Weg wieder unwegsam und Holger will nicht mehr. Das hält uns zu sehr auf. Wir schauen auf die Karte und biegen ab, um nach Mikro Souli an die Landstraße zu kommen und unser Glück zu versuchen. 

Bald stehen wir zwei Alten und halten erfolglos den Daumen raus. Wir reden uns Mut zu, wünschen den Vorbeifahrenden einen schönen Sonntag und üben uns in Geduld. Doch es wird nichts und so beschließen wir, in den Ort auf dem Berg zu laufen, denn dort gibt es ein Café. Etwas trinken, vielleicht ergibt sich etwas, ansonsten an der anderen Seite wieder raus und an die Straße gestellt. Holger ruft an, ob es geöffnet hat, damit der Weg nicht umsonst war. Ja, es ist offen.

Wir kämpfen uns den Berg hinauf und über Treppen zum Marktplatz, wo unter einem großen Baum die Leute sitzen. Uns empfängt der Kaffeebesitzer freundlich und bringt uns kalte Getränke und mir einen türkischen Kaffee, damit mein Kreislauf in Schwung kommt. Ein junger Hund begrüßt uns bellend und kommt mir immer wieder zu Nahe, was mir etwas unangenehm ist. Das sorgt bei ein paar Leuten für ein Lächeln und die sagen, er liebt mich.🫣

Der Wirt fragt nach dem woher und wohin und denkt wir sind auf der Via Egnatia unterwegs. Vom JW hat er noch nichts gehört und so erzählt ihm Holger davon. 
Am Tisch sitzt ein Mann der gut deutsch spricht und fragt wo wir heute hin wollen. Als wir das Quartier nennen, sagt er, seine Frau putzt das sehr gründlich und wir sollen eine gute Bewertung machen, damit es mehr gebucht wird. Ja, wenn es sauber ist, werden wir das tun.

Holger erklärt dem Wirt, dass wir eine Mitfahrgelegenheit suchen, denn die Hitze macht mir heute zu schaffen und ihn treibt das Gewitter um. 
Nach einem kurzen Gespräch ist geklärt, dass uns Gregorius fährt, der Mann der so gut deutsch spricht. Wie phantastisch! Holger fragt, warum er so gut deutsch kann. Auch er erzählt, dass er jung in Deutschland gearbeitet hat und was hat er gemacht? Die Deutschen schuften von Montag bis Freitag und dann ist Wochenende und sie haben gesoffen. Vor 30 Jahren wollte er es dann zu Hause versuchen. Was ist passiert? In Griechenland ist weniger Stress, aber am Wochenende wird auch alles versoffen. Ich muss herzlich lachen über diese Offenheit.

Er bringt uns bis zum Haus und wir bedanken uns ganz herzlich, doch er meint, dass ist "filoxenia". Wir sollen schauen, was das ist: Gastfreundschaft. Ja, das ist es und es tut gut diese heute zu erfahren.



Das Haus ist gemütlich und sauber und wir drehen die Waschmaschine an, denn unsere Sachen haben interessante Salz-Streifen- Muster.
Dabei stelle ich fest, dass sich wohl in der letzten Waschmaschinentrommel etwas versteckt hat, denn mir fehlt ein Kleidungsstück. Holger meint ich schaffe es noch, mit leerem Rucksack nach Hause zu fahren. Ha, ha! Ich ärgere mich, weil ich noch nie so viel vergessen habe. Wo sind nur meine Gedanken. Dabei schaue ich doch immer, dass alles beisammen liegt, um nichts zu vergessen.


Wir ruhen aus und pünktlich 17 Uhr grummelt es und ein starker Regenguss setzt ein. Wir sind im Trockenen.
21Uhr gehen wir vor die Tür, um zu Essen. Doch die meisten Restaurants sind noch? geschlossen. An einem wischt der Wirt die Tische trocken und wir fragen, ob wir etwas zu Essen bekommen. Klar. Als er hört, dass wir Deutsche sind, ruft er seine Frau an, welche auch deutsch spricht, und sie empfiehlt uns ein leckeres, typisch griechisches Essen. Wir genießen es und unterhalten uns mit ihr. Auch sie fällt aus allen Wolken, als sie hört, dass wir zu Fuß unterwegs sind. Sie meint, dass würden doch die Füße nicht schaffen. Ich meine doch, ist der Mensch doch zum Laufen geboren und erst das Auto hat uns faul gemacht. Dem stimmt sie zu und lacht.
Langsam füllt sich das Lokal. Die Griechen sind eine Spätesser- Nation.



Als wir zurück laufen kommen wir am Konstantinos Karamanlis- Denkmal vorbei, der im "Schatten des großen Manitu"steht😉
Karamanlis ist hier in Proti geboren und einer der prägendsten Politiker Griechenlands.


Die Nachtruhe wird schwierig, da vor dem Haus eine Bar ist, Musik dudelt, die Leute quasseln und die Kinder noch Fußball spielen. Was haben wir gelernt: It's difficult!😀🙏

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