Griechenland wir kommen

 Auf geht es heute zur Grenze nach Griechenland. In einem Laden kaufen wir noch etwas zu Essen und Wasser, denn die Temperaturen haben sich bei über 30°C eingepegelt. Ein Hund bewacht unsere Rucksäcke.

Wir laufen an blühenden Kakteen, durch Weingärten, am letzten Müllberg von Nordmazedonien vorbei und die abgeworfene Kinderwippe erscheint schon fast drapiert.






Der Übergang nach Griechenland ist zu Fuß kein Problem. Nachdem wir an der letzten Tankstelle unser letztes Geld in zwei Limo investieren, trinken wir diese im Schatten und staunen über die vielen Casinos am Rande der Straße.


Dann geht es zum nordmazedonischen Grenzbeamten, der Holger fragt, was wir tun. Holger antwortet: Wir laufen, vom Kosovo, durch Nordmazedonien und jetzt nach Griechenland. Der Beamte bellt: MAZEDONIEN! Okay, wer sind wir, dass wir diskutieren. Wir überhören es geflissentlich, nehmen unsere Ausweise und gehen weiter.

Am Landesschild von Griechenland ist ein Selfie Pflicht.


Dann kommen wir zum griechischen Kontrollpunkt und da steht alles still. Die Technik ist komplett ausgefallen und so kommt niemand rein oder raus, außer man ist von der KFOR. Ich finde es lustig und skurril, kaum kommen wir aus dem wilden Balkan in die "geordnete" EU, schon versagt die Technik. Wir sitzen eine gute halbe Stunde fest und warten, bevor wir weiter können. 

Dann ist diese Hürde genommen und wir laufen durch fast goldene Weizenfelder in eine schöne, offene, weite Ebene hinein.




So kommen wir nach Mikro Dasos und bitten einen Mann, der seinen Teppich wässert um Wasser für unsere Mützen, denn die Sonne brennt. In meiner Karte gibt es keine Bar und so setzten wir uns an die Kirche und halten eine längere Pause. Nachdem wir weiter gelaufen sind, entdecken wir ein neues Restaurant. Ein Mann kommt raus und fragt nach dem woher und wohin und will uns auf ein kaltes Getränk einladen, doch Holger lehnt ab, da wir gerade Pause gemacht haben. Der Mann kommt aus Bayreuth und ist auf Urlaub in der Heimat.Er erklärt uns einen kürzeren Weg nach Pefkodasos, dem wir folgen. Im Feld rennen uns drei Hunde kläffend hinterher, verschwinden aber wieder. Der Blick zurück in die Berge ist wunderschön und vor uns liegt das waldreiche Griechenland.

Wir erreichen Pefkodasos und stoppen an der Bar. Ein Mann kommt sofort und fragt, was wir wollen und bestellt für uns. Janny ist 73 Jahre, lebt in Deutschland, hatte 20 Jahre eine deutsche Frau und sitzt zwischen den Stühlen, wie er uns erklärt. Hier in Griechenland ist er der "Deutsche" obwohl hier geboren ist und in Deutschland ist er der " Grieche". Er gehört nirgends richtig dazu, lebt im Sommer in Griechenland und im Winter in Deutschland, was uns verwundert. Aber er meint, der Winter in Deutschland bekommt seinen Knochen besser. Holger trinkt sein erstes griechisches Bier und es schmeckt.



Wir ziehen weiter und die Jasminhecken an den Grundstücken haben einen betörenden Duft.


Wir folgen dem JW, bis wir ihn nicht mehr finden. Wir schlagen uns durchs Gebüsch, durchs hohe Gras und zwei Meter Höhe Brennesseln, um über einen Bach zu springen. Dann ist ein schmaler Pfad sichtbar der auch der E6 ist, um in einer hüfthohen Wiese die Orientierung zu verlieren. Am Ende finden wir uns auf einem ehemaligen Militär- Übungsplatz wieder und sind richtig.






          Erst einmal Gras und Kletten entfernen.🫣

Wir kommen nach Polykastro, wo wir ein Hotel suchen. In der wunderschönen orthodoxen Kirche ist gerade Gottesdienst und morgen ist ein besonderer Feiertag. Die Kirche ist voll und alle bringen Essen für eine große Tafel mit, um das Essen segnen zu lassen. Wir gehen weiter, um nicht zu stören.

Mehrere Hotels sind aufgegeben und bei unserer Suche werden wir von einer Frau angesprochen, die in Berlin lebt und auch griechische Wurzeln hat. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, uns zu helfen und läuft mit uns hin und her und fragt überall. Wir staunen über die Freundlichkeit der Griechen. Es gibt nur ein einziges Hotel und sie kommt mit, weil sie uns erklärt, dass man feilschen muss und immer bar bezahlen soll, weil da immer etwas geht. Okay!

 
Sie schafft es tatsächlich im Hotel, den Preis runter zu handeln und dann verabschiedet sie sich von uns.
Das Hotel ist spartanisch, nicht ganz sauber, hat aber das Alleinstellungsmerkmal.🫣



Wir müssen uns nun erst einmal neues Bargeld beschaffen, bevor wir Essen gehen können. Mit einem guten Essen lassen wie den Abend gemütlich ausklingen.


Am nächsten Morgen laufen wir zum Supermarkt, um Wasser zu bunkern und zwei Bananen als 1. Frühstück zu kaufen. Es geht gleich in die Felder, wo kaum ein Baum Schatten spendet, kein Wind geht und wir fröhlich schwitzen. Die Maisfelder werden bewässert und ich sehe die ersten Sonnenblumen - Felder, die aber noch eine Weile brauchen, bevor ihr gelb erstrahlt. Vorfreude!
 Es fliegen heute kaum Schmetterlinge oder Insekten herum, dafür liegen die Düngertüten am Rand. Immer wieder sehen wir Schildkröten und staunen darüber. In Limnotopos verlassen wir nach acht Kilometern den JW, um zu schauen, ob es eine Bank für eine Pause gibt. An einer aufgegebenen Tankstelle entdeckt Holger einen Wasserhahn, wo wir die Köpfe kühlen. Dann setzen wir uns auf eine Bank vor einem hübschen Garten und essen etwas.





Auf der Landstraße laufen wir weiter, um dann zurück in die Felder zu gehen. Auf dem Weg dahin kommen wir zu einem Hügel mit einer kleinen Kapelle darauf. Ein idyllischer, etwas vergessener Ort.






Weiter laufen wir in der gnadenlosen Sonne und übergießen uns immer wieder mit dem inzwischen lauwarmen Wasser und denken an gekühlte Getränke.
In Aspros kommt ein offener Laden und unter der Markise sitzen ein paar Männer. Wir gehen in den Laden und Holger wird sofort von den Männern, die uns folgen, verhört. Ich bezahle derweil und rede mit der Verkäuferin. Als sie hört, dass wir auf dem JW sind, berichtet sie mir von Carlotta. Ja, sie war auch hier und so jung. Ich mache auf den Unterschied aufmerksam, dass ich 61 bin. Daraufhin staunt sie und schenkt mir zwei Dosen Walnüsse. Wie lieb von ihr.
Draußen setzten wir uns in den Schatten und werden von Willi ( sein deutscher Name, den griechischen kann niemand aussprechen, sagt er) adoptiert. Er ist seit 33 Jahren zurück in Griechenland und freut sich deutsch sprechen zu können. Auch er ist nur im Winter in Deutschland bei seiner Familie. Er spendiert Holger noch ein Bier und uns noch zwei Dosen Nüsse, sodass wir gut versorgt sind. Wir fragen nach einer Übernachtungsmöglichkeit, aber da gibt es hier nichts. Er kann uns mit dem Auto bis zur Busstation ein paar Orte weiter bringen und wir sollen nach Thessaloniki fahren. Es dauert eine Weile, bis er versteht, dass wir laufen wollen.
Wir wollen weiter und verabschieden uns, aber er meint, wir sollen mitkommen zu einem Restaurant, wo wir eine griechische Spezialität kosten müssen. Da er es sich nicht ausreden lässt, laufen wir dahin und essen leckeren Blätterteig mit Käse. Dann sollen wir noch den süßen Blätterteig probieren, doch wir sind satt. Er packt ihn uns ein und nun sind wir versorgt bis in alle Ewigkeit. Wir bedanken uns und gehen dann doch endlich weiter.




Im Ort gibt es über 30 bewohnte Storchenhorste und wir fühlen uns wie in Rust am Neusiedler See. Kaum sind wir ein paar Häuser weiter, werden wir von zwei Frauen angesprochen, die uns auch etwas zu trinken anbieten, doch wir haben alles. Nur ein kurzer Schwatz und dann müssen wir mal weiter, weil auch sie keine Idee für ein Bett haben. Es ist schwierig heute. 
Bald erreichen wir Axiochori, wo es am Ortseingang noch einmal einen Wasserhahn, an einer kleinen Kapelle, für die Kopfkühlung gibt.
 



Über Feldwege laufen wir weiter und wir haben immer noch keine Idee, wo wir schlafen. Holger bleibt gelassen und so hängen wir unterwegs unseren Gedanken nach und es läuft sich gut. Nach ein paar Kilometern erreichen wir Akropotamos, wo der Hund begraben liegt. Keine Bar, keine Menschen, kein Bett....nur eine Bushaltestelle. Wir schauen, wo es das nächste Bett gibt und Holger findet ein Hotel hinter Agios Athanasios an der Autobahn. Ein Bus in die Nähe dahin fährt in zehn Minuten genau hier ab, sagt Google. Wir wollen es nicht glauben, schließlich ist Samstag, aber mit Gottvertrauen warten wir und schauen, was passiert. Tatsächlich kommt der Bus pünktlich in dieser Einöde und nimmt uns kostenfrei mit. So lernen wir alle umliegenden Dörfer kennen, denn er fährt im Zickzack alles ab, bevor wir außerhalb von Agios Anasthasios aussteigen.
Über einen Pfad kommen wir zur Autobahn und Holger will darüber laufen. Zum Glück sehe ich in der Nähe eine Unterführung und wir laufen so zu dem Hotel. Holger versucht sein Glück mit Handeln. So richtig gelingt es nicht, wir bekommen zwar einen günstigeren Preis als bei booking, dafür ist das Zimmer kleiner.
Drei Sterne hat das Hotel und die Lobby sieht auch gepflegt aus, doch als wir aus dem Fahrstuhl steigen, sehen wir den Reparatur- Stau. Das Zimmer ist klein, staubig und muffig. Das Restaurant ist geschlossen, aber wir haben die Nummer vom Pizza- Dienst an der Rezeption bekommen und so ist heute Pizza- Balkon- Dinner.



Der Blick auf Thessaloniki in der Ferne ist grandios und die Pizza lecker.



Morgens werde ich wach und fühle mich nicht munter. Eigentlich möchte ich noch schlafen. Was sagt mir mein Körper, wenn er nach 9 Stunden noch nicht richtig anspringt? Ich brauche eine Pause. Zum Glück sieht es Holger auch so und da wir heute nach Thessaloniki laufen, beschließen wir, uns ein Appartement für drei Nächte zu suchen, um Sightseeing und Ausschlafen zu verbinden. Wir haben ja Zeit.

Das Frühstück im Hotel ist okay und ich freue mich am meisten auf den doppelten Cappuccino, der den Kreislauf in Schwung bringt. Dann checken wir aus, rennen nach dem Bus um in den Ort zurück zu fahren. Wir besorgen uns Wasser und laufen dann an einem Friedhof vorbei, in die Felder. Heute laufen wir durch Reisfelder, die im Wasser stehen. Dadurch gibt es ein tolles Froschkonzert. Die Sonne scheint schon morgens kräftig und wir laufen schweigend durch die Gegend mit Blick auf den Olymp, den Berg der Götter.





Wir biegen in ein Industriegebiet ab und finden riesige Oleanderhecken.




 Dann verlassen den JW, um in Sindos nach 12 km eine Pause einzulegen. Es gibt hier jede Menge Cafés, aber die meisten schenken den Kaffee in Plaste- oder Pappbecher aus, was ich nicht mag. Wir finden ein schönes Café, wo wir, bevor wir überhaupt eine Bestellung aufgegeben haben, eine große Flasche Wasser und zwei Gläser auf den Tisch gestellt bekommen. Was für ein Service! Holger bestellt sich ein Bier und ich einen doppelten Cappuccino. Das Bier wird mit ein paar Chips und der Kaffee mit drei kleinen Keksen serviert. Da macht das Trinken Spaß. Dazu noch WiFi. Wir suchen ein Appartement und einigen uns auf eines mit Balkon und Waschmaschine, dass in unserem selbst gesteckten Limit liegt. Ich buche es.


Erfrischt laufen wir weiter und das Drama beginnt. Der Weg führt durch endlose Industrie- Gebiete, vorbei an Autohöfen, wo Trucks in jedem Zerlegungsstadium neben fahrbereiten stehen. Die Straße ist staubig und Holgers Laune sinkt mit jedem Meter. Ich versuche unbeeindruckt zu bleiben, schließlich hat er sich auf das Abenteuer eingelassen und der Weg ist der Weg. Ich denke an unser Versprechen am Anfang des Abenteuers in der Kirche von Schöllnach. Ich bleibe ruhig und reagiere nicht, sondern lasse ihn grummeln und laufe vorne weg. Schön ist wirklich etwas anderes. 
Nachdem wir die Autobahn vor Thessaloniki überquert haben und durch dreckige Vorstadtstraßen laufen, schaue ich, wo unser Appartement ist und wir die nächste Bushaltestelle finden. Diese sagt alles.


Im Bus können wir mit EC-Karte am Automaten eine Fahrkarte ziehen. Man kann zwischen vielen Sprachen wählen, wird Schritt für Schritt durch die Bedienung geleitet und für 60 Cent kann man 70 Minuten fahren. Das ist Service am Kunden! Wenn ich daran denke, wie oft ich in Deutschland an Fahrkartenautomaten verzweifelt bin.
Wir fahren zu der angegebenen Adresse und finden nicht die richtige Tür. Eine Frau in einem Auto fragt, was wir suchen und zeigt uns den richtigen Eingang. Wir holen den Schlüssel aus der Box und fahren zu unserem Appartement. Als wir aus dem Fahrstuhl steigen, merkt Holger, dass er seinen Personalausweis verloren hat und er dreht auf dem Absatz um.
Ich gehe ins Appartement und räume seinen Rucksack komplett aus....nix. Holger fährt mit dem Bus zurück zum Busbahnhof, wo wir umgestiegen sind. Dort findet er ihn nicht und merkt, dass er nix dabei hat, um einen neuen Fahrschein zu lösen. Also muss er laufen. Ich schaue derweil im Internet, was man tun muss und sehe, dass wir es in Thessaloniki anzeigen müssen. Na das kann ja heiter werden! Nun wird Holgers Laune ganz im Keller sein.
Er kommt zurück und hat den Ausweis tatsächlich beim zurück kommen auf der Straße vor dem Haus gefunden, obwohl er doch dort zuerst geschaut hat.
Zum Glück ist alles gut gegangen und der Tag ist gerettet.




Wir schmeißen im Appartement die Waschmaschine an und als alles trocken ist und Holger die Schuhe geputzt und meine Bluse gebügelt hat, gehen wir ans Meer. Holger will unbedingt das Meer sehen, weil das glücklich macht.









Wir schlendern durch den Hafen, der voller Menschen ist. Das orthodoxe Pfingstfest ist dieses Wochenende und so haben viele Läden und Geschäfte einschließlich Montag geschlossen, doch in den Straßen pulsiert das Leben.




Wir suchen bei Maps nach einem Restaurant, dass verspricht etwas authentisch zu sein und finden ein Kleines direkt am alten jüdischen Hamam. Wir sind so ziemlich die einzigen Gäste ( eine Familie ist gerade am Aufbruch) und ringsum sind die Bars und Restaurants gut besucht. Wir fragen uns, warum die Griechen nicht zum Griechen gehen? Dann wird uns das Paradoxe daran klar und wir müssen lachen. Wir bestellen uns etwas zu Essen und einen sehr leckeren Roséwein. Damit feiern wir Holgers Pensionseintritt und das glückliche Ende eines anstrengenden Tages. 





Mit einem halben Liter des Rosé gehen wir nach Hause und setzen uns auf die Terrasse und genießen den kleinen Absacker.

Die nächsten zwei Tage genießen wir die Stadt mit Sightseeing, treiben lassen und ausschlafen.
Trotz des nicht grandiosen Einmarsches in die Stadt, verlieben wir uns ein bisschen. Die Leute sind entspannt und wenn der Fahrkartenautomat im Bus nicht funktioniert, zuckt der Busfahrer mit den Achseln und wir fahren schwarz. Da es eine Universitätsstadt ist, sind viele, junge Leute unterwegs und die Viertel sind quirlig und lebendig. Am Meisten gefällt uns, dass die Griechen zu jeder Tageszeit essen und immer draußen, mitten auf dem Bürgersteig. 
Sodass wir auch mal 15 Uhr essen gehen. Thessaloniki ist nicht sauber, aber auf eine charmante Art schmuddelig. Die Architektur ist so vielfältig wie die Bevölkerung und an der Seepromenade schlendern am Abend ganze Herrscharen  mit Kind und Kegel. Die Spielplätze sind beleuchtet und 21 Uhr noch voll. Kein Wunder, ist doch jetzt die Luft angenehm warm.
Die untergehende Sonne macht die ganze Szene schön romantisch. 





















 
Am Dienstag vormittag schlendern wir durch den Wochenmarkt und bewundern die Handwerker.











Holger möchte unbedingt Sand unter den Füßen und zum Parea Beach fahren, sodass wir uns ins Bus- Abenteuer stürzen, um dann festzustellen, dass der Bus nur im Sommer fährt. Deshalb laufen wir zur Uferpromenade und zurück in die Innenstadt. Jetzt ist die Promenade leergefegt.



In einem kleinen Restaurant essen wir, weil wir heute Abend noch ein Terrassendinner veranstalten, um die Waschmaschine noch einmal auszunutzen und morgen alles sauber im Rucksack zu haben.


Holger versucht die nächsten Etappen zu planen und verzweifelt ein bisschen, da er keine Unterkünfte findet. Was sollen wir tun? Gott vertrauen und loslaufen oder??? Die Community hilft mir leider auch nicht weiter und schweigt.🤔 Ich übe mich in Gelassenheit, was nicht so einfach ist. Irgendwie, irgendwo wird sich irgendwas ergeben.🙏





 


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