Die Donau erreicht

 Am Ostermontag laufe ich nur eine kurze Etappe nach Donauwörth. Es geht früh in den frisch, zart hellgrünen Buchenwald und über Felder. Ein Blick zurück zeigt noch einmal die mächtige Burg über den Ort.




Im Wald blühen jeden Tag neue Pflanzen und ich erfreue mich an der Vielfalt des Frühlings.






Der Wald ist hier sich selbst überlassen und das Totholz mit seinem bemoosten Ästen hat einen morbiden Charme. Darunter wächst zart die Sternmiere und überall zwitschern die Vögel ihr Frühlingslied.
Von einer Anhöhe sehe ich schon Donauwörth.


Der Weg in die Stadt läuft sich schnell und ich bin viel zu früh da. Um den Pfarrer nicht in der Mittagszeit zu stören, setzte ich mich auf eine Bank und mache Pause. Dann laufe ich durch die Stadt, die sich mit Blumenbällen schmückt. Überall klappern Störche und ich sehe mehrere Horste.





Im Münster zu den lieben Frauen bewundere ich die alten, bunten Glasfenster und finde den Pilgerstempel.




Ein kleiner Stadtrundgang schließt sich an und ich finde die Taube vom Jerusalemweg.






Dann besorge ich ein Osterbrot als Gastgeschenk für den Pfarrer und laufe zu der Adresse, die ich habe. Nun beginnt die Verwirrung. Es ist das Pfarramt, wo niemand da ist. Die Telefonnummer, die ich gespeichert habe, ebenso. Ich warte davor bis jemand heraus kommt und Frage nach dem Pfarrer. Ich bekomme einen Hinweis und laufe zur Wohnung, wo ich klingel. Der Pfarrer meldet sich, weiß aber von nix und hat auch nicht mit mir telefoniert. Meine Verwirrung ist nun komplett. Er meint, dass war sicher der andere Pfarrer. Dessen Name stand an dem großen, barocken Pfarramt. Also zurück und nochmals klingeln. Nix. Ich setzte mich davor, ans Mahnmal für die Opfer sexueller Gewalt durch die Kirche. 


Kurz darauf hält ein Wagen und der Pfarrer springt heraus. Er hat gerade Termindruck, weil er den Gottesdienst ändern möchte, denn der Papst Franziskus ist heute morgen gestorben. Diese Meldung hatte ich schon vernommen und mich seiner Audienz in Rom erinnert. Traurig, doch auch ein sehr symbolträchtiger Tag.
Er entschuldigt sich, für die Kürze und fährt mich zum Gemeindehaus des Münsters.
Im Bastelzimmer gibt es eine Matratze und das Paket mit meinen neuen Schuhen. Hurra, es wird leichter.
Er schließt mir noch das Krabbelgruppen- Zimmer auf, weil da der Wasserkocher steht und ich fühle mich gleich heimisch.


Ich koche mir einen Kaffee und setzte mich auf die herrliche Wiese vor dem Haus.


Abends gehe ich noch zum Gottesdienst und genieße die Atmosphäre. Wir gedenken Franziskus und einige Bilder des Weges nach Rom ziehen in meinen Gedanken vorbei.


Die Hausmeisterin kommt abends auf einen Schwatz vorbei und ich frage, ob ich im Spielzimmer schlafen darf, da es wärmer ist. Klar. Also ein Umzug und es ist wie in der Tagespflege 😊.


Nach einer guten Nacht steht heute eine lange Etappe an und ich werde vielleicht ein Stück " mogeln", den 34 km sind echt weit.
Doch erst einmal starte ich mit meinen neuen " Flügelschuhen" in einen weiteren sonnigen Tag.
Ab heute  geht der Weg direkt an der Donau entlang, aber schon bald ist er gesperrt, weil er neu ausgebaut wird. Doch ich kann den ersten Bauzaun gut umgehen, bei dem zweiten nehme ich Schwung und mit dem Popo über der Donau lege ich einen Zirkel am Gerüst ab.
Dann kommt unverhofft noch ein Dritter daher und dahinter lacht mich ein schöner Wiesenweg an. Zum Glück hat man vergessen ein Zaunfeld zu sichern und so kann ich es ausheben und weiter laufen.




Nach 11 km finde ich einen liebevoll gestalteten Pausenplatz und setze mich in die Sonne. Kurzer Hosenwechsel, denn es ist richtig warm. Schuhe aus und Sohlen trocknen.



An einem Haus klopfe ich und bekomme heißes Kaffeewasser. Herz was willst du mehr. Eine ältere Dame fährt im Nachbarhaus ein und winkt. Dann kommt sie auf einen Schwatz. Danach fülle ich noch meine Wasserflasche bei ihr auf. Als ich gerade einpacke, kommt sie und schenkt mir zwei bunte Eier und geweihtes Ostersalz. So lieb, ich freue mich und Danke ihr.
Dann laufe ich weiter, vorbei an nun schon blühenden Rapsfeldern, Butterblumen- und Löwenzahn- Wiesen, immer in der Nähe der Donau entlang.





Auf einem Feld wird Dünger ausgebracht und das wird nicht GPS- gesteuert, sondern breit geworfen. Das merke ich, denn beim Wenden trifft mich das eine und andere Körnchen.



Dann gehe ich durch ein Stück Donauwiese, wo herrliche Tulpen unter Obstbäumen wachsen. Ich vermute, das es sich um, wegen Hochwasser aufgegeben es Gartenland handelt. Traumhaft schön.




Dann Wechsel ich die Donauseite und bevor ich auf den "Urdonausteig" einsteige pausiere ich noch einmal. Dunkle Wolken ziehen auf, doch der Wind verbläst sie schnell. Dieser Steig ist wirklich urig. Unberührt darf sich die Natur nach ihrem Gutdünken ausbreiten und ich bin voll im " Pilgerflow" bei der Artenvielfalt, Farbenfreude und den Geräuschen. Der Kuckuck ruft, der Specht antwortet und ein Vogelchor zwitschert im Hintergrund. Eine wahre Vogelsinfonie.








Dann geht mein Weg ab, wird schmaler bis unsichtbar und wie ich ihn suche, finde ich ihn direkt vor meiner Nase. Einen Ast übersehen und hingelegt. Knochen ganz, eine kleine Macke an Stirn und Knie und nun vorsichtiger unterwegs. In einem Buchenwald geht es weiter und ich entdecke die...



...lange schaukel ich nicht, denn die Füße kommen in die Nähe eines Abganges und ich will das Glück nicht herausfordern.
Später, an alten Burgresten, wird der Weg ganz schmal, kalksteinsplittrig und rutschig auf alten Laub. Ich taste mich vor, doch als es ganz steil wird, drehe ich um, denn es ist nur ein Pfad und kein Wanderweg. Laut Karte soll es drei Höhenlinien runter gehen. Also suche ich einen anderen Weg und finde ihn. Allerdings komme ich von meinem eigentlichen Weg und somit der Möglichkeit des " mogelns" ab. Als endlich wieder ein Schild auftaucht sind es 8,5 km bis zum Bahnhof und 6,5 km bis zum Ziel. Klar wie die Entscheidung ausfällt, auch wenn ich langsam meine Füße merke. Ich wechsel in den " Ich will nur noch Ankommen"- Modus und schnurre wie ein Rädchen die Kilometer runter. Zum Glück finde ich noch eine Abkürzung, sodass ich nach 38,7 km im Kloster Mary Ward ankomme.



Hier werde ich ganz warmherzig von Schwester Monika empfangen, bekomme ein wunderschönes Zimmer und habe kurz Zeit zum frisch machen. Bei der abendlichen Messe begrüßt mich der Kaplan persönlich und schenkt mir den Segen. 
Danach bekomme ich noch ein Abendessen und ein interessantes Gespräch mit den Schwestern. Ich nehme gern ihr Angebot an, einen Pausentag einzulegen.
Müde und mit " heißen" Füßen bin ich früh im Bett.




Am Mittwoch morgen fühle ich mich schon besser und feier mit den Schwestern die Morgenandacht.                    Danach ist Frühstück und auch hier bekomme ich viele Fragen und gute Wünsche für den Weg. Ich fühle mich sehr wohl und unterhalten mich unter anderem mit dem 103jährigen Pfarrer.
Danach kann ich meine Wäsche waschen und mich in den Garten setzen, um die Stille zu genießen und das hier zu schreiben.😌


Im Kloster leben Alpakas.



Dies steht an der Fahrstuhltür und mir fällt da vieles ein.

Zum Mittagessen werde ich mit Bärlauchsuppe, Zucchini Schiffchen mit Couscous und einem Dessert verwöhnt. Danach gehe ich eine kleine Runde und schaue mir Neuburg an der Donau an. Die Stadt hat einige Kirchen, ein großes Schloss und viele schöne, sanierte Häuser. Um die Mittagszeit ist sie sehr leer.








Im Schloss wird gerade saniert und diese Dame hat gerade eine neue Nase erhalten.

Ich kaufe noch etwas Proviant für Morgen und ein kleines Dankeschön für die Schwestern ein und lege mich zu einem Nachmittagsschläfchen hin. Schließlich ist heute mein Ruhetag.
Morgen geht es weiter 

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