Die letzte Etappe auf dem Zubringerweg nach Passau habe ich gestern bewältigt.
Es ging durch die Donauenge und wie es der Name verrät war es eng. So eng, dass es nur Radweg und Straße auf der linken Seite und Straße und Eisenbahn auf der rechten Seite der Donau gab.
Meine Moral war bei dem Anblick des Weges schon im sinken. Da ziehen sich die Kilometer und Ablenkung für die Augen gab es nicht wirklich. Am Anfang war ich noch allein unterwegs, da ich früh gestartet bin.
Nach 9 km die erste Pause. Mit den Gurkenschalen kühle ich meine Füße. Was mache ich hier eigentlich? frage ich mich. Ich telefoniere mit meinem Lieblingsmensch, der mich zu uns nach Hause einlädt. Das hilft mir gerade wenig und als ich auflege, kullern ein paar Tränchen. Bruni, los reiß dich zusammen, dass ist nur ein mentales Tief.
Ich wechsel die Einlegesohlen, um den Druck etwas abzubauen und laufe weiter. Plötzlich kommt ein Stück Wiesenweg und ich schaue auf die Karte. Ja, den kann ich auch nehmen. Mein Engel hat mich erhört und kurzzeitig entfliehe ich dem Asphalt.
Auf dem Wiesenweg blüht es bunt und ich bin wieder optimistischer.
Dann wird es wärmer, es geht zurück auf den Radweg und die Radler sind unterwegs. Ich werde laufend überholt, angeklingelt ( weil ich zu mittig laufe) und angepampt. Hallo, geht's noch?
Mit den anderen Sohlen läuft es sich besser, dafür meldet sich die Schulter. Ich versuche zu korrigieren und zu entlasten. Nix hilft. Heute ist nicht mein Tag und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Nach einer Weile setze ich den Rucksack ab, leere meine Wasserflasche, löse alle Gurte und justiere ihn neu. Das hilft! Nun ist alles in Butter, es läuft und nur noch 10 km bis Passau. Unterwegs tanke ich bei der FWF Wasser und laufe statt des Radweges ein ganzes Stück im ungemähten Seitenstreifen der Landstraße, was sich besser anfühlt.
Ich komme an der Rand von Passau und dann wird der Weg umgeleitet und ich laufe über die Schleusenbrücke, die gigantisch ist.
Dadurch muss ich durch die öde Vorstadt an einer lauten Straße in die Stadt laufen und ich hadere schon wieder mit mir. Ich summe ein Liedchen vor mich hin und denke dabei an meine Freundin Erika, was hatten wir für Spaß miteinander, wenn es öde wurde. So abgelenkt, komme ich in Passau an und gehe zur Info zwecks Stempel. Dann besorge ich mir noch eine neue Zahnbürste (4 Wochen sind um😂) und neue Sonnencreme, auch wenn Regen angesagt ist. Ich laufe zum Dom und bin doch plötzlich glücklich, denn ich habe tatsächlich den ersten Abschnitt geschafft. Fulda- Passau: 661 Kilometer in 26 Tagen. GESCHAFFT! Im wahrsten Sinne des Wortes.
Vor dem Dom spricht mich ein Mann an, um mir von seinen Pilgererfahrungen zu erzählen. Dabei gehen wir weiter und er zeigt mir ein paar Sehenswürdigkeiten. So kommen wir zu der 3 -Flüssen- Vereinigung von Inn, Ilz und Donau.
Dann trennen sich unsere Wege und ich besorge mir noch Abendessen. Der Hunger lässt mich übermütig werden und so trage ich ein Glas Oliven und ein Bündel Bananen mit zur JH auf der anderen Seite.
Der Weg ist steil, es gibt keine Beschilderung und Maps ist ungenau, sodass ich falsch abbiegen und wieder runter laufen, um zu merken, dass ich wieder hoch muss.
Völlig erschöpft komme ich nach 32 km oben an und erlebe die letzte Überraschung des Tages. Ich habe die JH über Booking gebucht und bin davon ausgegangen, dass der Preis stimmt, da dort stand: einschließlich Steuern und Gebühren. Ich habe nicht weiter gescrollt und später steht dann, dass die Vorraussetzungen eine Mitgliedschaft im Verband ist. Upps! Also kommen noch 22€ dazu. Ich denke noch, so ein Mist, da quäle ich mich noch hier hoch, weil ich sparen wollte und das preiswerteste Zimmer in der Stadt 25€ über dem Frauenschlafsaal lag. Nun bin ich nur noch 3€ günstiger, hätte aber ein Zimmer allein, ein bezogenes Bett und Handtücher. Allerdings kein Frühstück. Hätte, hätte....Fahrradkette.
Ich merke, dass ich die Bananen unterwegs verloren habe (sie waren in der Außentasche). Na Bingo! Was passiert heute noch?
Nach einer lauwarmen Dusche habe ich mich aus meiner Selbstmitleidskrise befreit. Ich schlafe mit einer japanischstämmigen Brasilianerin im Zimmer und die Unterhaltung in Englisch klappt perfekt.
Das Abendessen belebt den Optimismus und dann falle ich komamäßig in den Schlaf.
Heute morgen war ich trotz allem Vorsatz auszuschlafen 7 Uhr wach und ich lese bis zum Frühstück. Das Frühstück ist super und der Koch verwickelt mich gleich in ein nettes Gespräch. Ich bewege mich heute nicht vom Berg, sondern gemäß dem Spruch: Es gibt nichts Schöneres, als sich vom süßen Nichtstun, einfach mal auszuruhen, bleibe ich im Umkreis der JH.
Morgen geht's nach Österreich, ein neuer Abschnitt auf dem JW.
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