Ein Pausentag, ist ein Tag wirkliche Pause für Füße und Körper und kein Sightseeing - Tag. Deshalb war es wunderbar ihn an einem schönen Ort zu verbringen und sich rundum verwöhnen zu lassen. Lecker und ausgiebig frühstücken, kleiner Spaziergang im Skulpturen- Garten hinter dem Hotel, lesen, Mittagsschläfchen und Nachmittags noch einmal die Sauna genießen. Nun sind alle Muskeln wieder locker und die Füße erholt.
Der ungarische Kellner versucht mir für Morgen ein Bett zu reservieren, bekommt aber niemanden an das Telefon. Nur für Dienstag klappt es. Ich soll einfach hingehen und wenn es nicht klappt, soll ich ihn anrufen. Er hat morgen frei und wohnt nur 15 km entfernt. Das ist so lieb und ich Danke ihm, hoffe aber klar zu kommen.
Nach einen guten Frühstück und noch einem netten Gespräch mit meinen Gastgebern heißt es am Montag Abschied nehmen und loslaufen.
6 Uhr war heute morgen ein Wolkenbruch, doch inzwischen hat es aufgehört und die Sonne versucht sich durchzusetzen. Ich laufe durch die Weinberge nach Mönchshof und der Blick zurück sagt adé lieber "Neusie".
Die Vegetation strahlt frisch gewaschen in üppigen Farben und ich bin leicht aufgeregt geht doch nun das Abenteuer weiter. In Halbturn komme ich am Schloss vorbei und im Laden kaufe ich mir einen Mückenspray, denn heute habe ich die ersten Stiche unbemerkt abbekommen.
Dann geht es an der Landstraße geradeaus auf die Grenze zu. Ein paar Hundert Meter davor steht das " Studentenkreuz", welches am 3. Mai 1964 im Rahmen einer Sternwallfahrt zum " Eisernen Vorhang" getragen wurde, um der verfolgten Kirche im Osten zu gedenken.
Kurz danach ist es soweit. Ich laufe nach Ungarn ein. Ganz problemlos, nur ein desinteressierter Grenzer steht da und schaut gelangweilt in die vorbei fahrenden Autos. Erst seit dem Wochenende ist der Übergang wieder offen, hatten doch die Österreicher alles dicht gemacht, um der Schweinepest zu entgehen. Glück gehabt.
Jetzt ist die Straße etwas löchriger und die erste Kirche natürlich geschlossen.
Ansonsten ist noch kein großer Unterschied zu merken, denn niemand ist zu Fuß unterwegs.
Allerdings kläfft hinter jedem Zaun mindestens ein, meistens 2,3,4 Hunde und ich bin froh, dass sie hinter dem Zaun sind. Nix desto trotz hefte ich meinen "Dazzer" an den Rucksack und fühle mich besser.
In Vàrbalog mache ich Pause, aber da ich noch keine Forint in der Tasche habe, lebe ich aus dem Rucksack. Dann laufe ich auf einem Feldweg weiter. Hinter mir türmen sich Wolken auf und ich lege etwas Tempo drauf. Doch der Wind treibt sie wieder auseinander.
Ja und dicke Hasen tummeln sich hier auch. Ich komme nach Janossomorja und suche ein Bett. Die Kirche ist auch hier verschlossen doch davor ist eine interessante Gedenktafel: für die Vertriebenen von 1946.
Am Bankautomaten hebe ich Geld ab und bekomme viele, viele Forint. Der Kurs ist 1000Ft sind 2,48€.
Auf meiner Karte ist eine Pension verzeichnet, die telefonisch nicht erreichbar war. Ich laufe durch den gesamten Ort und die Pension ist groß und davor ist ein großes Restaurant, aber geschlossen. An der Tür hängt eine Telefonnummer. Ich rufe an. Die Dame spricht kein deutsch, ich kein ungarisch und so sage ich nur, dass ich vor der Pension stehe. Sie versteht es und kommt. Sie zeigt mir ein winziges Zimmer und kassiert dafür 30€. Stolzer Preis, aber ich habe keine Wahl.
Also ziehe ich ein. Auf dem Gang steht ein Wasserkocher und so trinke ich erst Kaffee und esse meine Kekse, bevor ich mich auf die Suche nach einem Laden mache. Dabei komme ich an noch einer Kneipe vorbei, aber auch die bleibt Montags geschlossen. So kaufe ich mir ein Zimmerpicknick und hoffe, dass ich morgen mehr Glück habe.
Mein Draht nach oben hält an. Heute Nacht hat es geregnet und morgens scheint die Sonne. Kuschelige 26°C sind angesagt und ich komme früh los. Mir fällt auf, dass ich von meiner ersten Station in Ungarn keinen Stempel habe. Das geht nicht. Ich laufe zum Rathaus, doch das ist noch geschlossen. Dafür hat die Bäckerei geöffnet und ich frühstücke hier und bekomme den Stempel von Jánossomorja. Die Dame scheint das schon zu kennen, denn kaum sieht sie meinen Ausweis, da zückt sie schon den Stempel.
Dann gehe ich auf den JW zurück und laufe 10 km durch herrliche Felder. Die Sonnenblumen stehen hier schon klein, aber kräftig im Feld und richten ihre Blätter zur Sonne aus. Insekten brummen in den Blüten und ich beobachte wie der Wind die Bienen an den Mohnblumen behindert. Er klappt die Blütenblätter immer wieder zu, sodass der Einflug schwierig ist.
Ich genieße jeden Schritt und lerne dabei meinen heutigen, ungarischen Satz: Vegetáriánus vagyok ... Ich bin Vegetarierin 😃
Zwischen den Feldern kommen immer wieder kleine Hohlweg in denen der Holunder seinen Duft verströmt und die Vögel zwitschern. Auch heute begegne ich nur Hasen und Fasanen.
Dann ist der schöne Teil vorbei und ich muss an der E 65 entlang laufen. Die Ungarn bremsen nicht gern und so kann ich manchen Laster hautnah an mir vorbei fahren sehen. Mir sträuben sich die Nackenhaare. Ich gehe über die Brücke am Fluss Ràbaca und da gibt es einen Damm. Der Blick auf die Karte verrät, dass er mich für einige Kilometer von der Straße befreit. Ich verlasse den JW, und laufe auf dem geschotterten Damm in der Sonne und werde von unzähligen Schmetterlingen umtanzt. Dicke Libellen drehen ihre Runden, eine Ringelnatter ringelt sich schnell ins Gras und immer wieder huschen Hasen den Damm entlang. Dazu hier und da ein Froschkonzert. Einfach grandios.
In Tárnòkreti laufe ich zum Spielplatz mit Wasserhahn und mache mich frisch und eine schöne, lange Pause im Schatten.


Nun ist der Weg zwar mehr als die Hälfte geschafft, aber der weniger schöne Teil beginnt. Ich muss an der Landstraße laufen. Nicht nur dass ich Asphalt bei Hitze nicht mag, auch hier ist recht viel Verkehr und der braust an mir vorbei. Links und rechts sind Wassergräben und es ertönt immer wieder das lustige Quaken. Ein Marder rennt mit seiner Beute über die Straße und kommt beinahe unter die Räder.
Dann zeigt mir mein Navi, dass der Weg von der Straße weg ins Grüne geht und ich freue mich. Doch kaum bin ich abgebogen, sehe ich, dass der Weg nicht mehr vorhanden ist. Es erstaunt mich, ist er bei mapy auch als Jakobsweg eingezeichnet. Ich versuche es an drei verschiedenen Möglichkeiten, stur wie ich bin, will ich von der Straße weg. Doch überall dasselbe: grüne Hölle, kein Durchkommen.
Also Straße latschen und doch mehr Kilometer laufen, als geplant, obwohl ich auf dem Damm abgekürzt habe.
Trotzdem komme ich schon Nachmittags in Lébény an und staune über die große Jakobskirche (auch verschlossen) und das schöne, sanierte Gebäude des Pilgerzentrum, dass aber keine Beherbergung anbietet. Ich bekomme einen Stempel.
Dann laufe zu Jonnys Pizza, wo ich ein Bett reservieren lassen habe. Die Verständigung ist ein Problem, da die jungen Besitzer kein Englisch sprechen, Deutsch natürlich auch nicht. Aber mit viel Phantasie verstehe ich, dass das Zimmer noch nicht fertig ist. Ich soll in zwei!! Stunden wieder kommen. Echt jetzt?
Ich gehe zur Bäckerei, trinke Kaffee und esse ein Teilchen.
Dann setze ich mich demonstrativ vor die Pizzeria und schreibe Tagebuch. Ja, es klappt. Nach einer Stunde kommt der Chef und hat den Übersetzer in Englisch an, und gibt das Zimmer frei. Hurra! Anmeldung, Einweisung und dann stehe ich unter der Dusche und befreien mich von Sonnencreme, Autan- Duft und Staub.
Füße hoch bis zum Abendessen.
Abends dann versteht der Kellner nicht,was ein Radler ist und so zeige ich ihm, wie man es mixt. Er schüttelt missbilligend den Kopf. Na und. Dazu bestelle ich mir eine kleine Pizza, weil ich gern nachher noch einen Palatschinken essen möchte, doch bin ich schon nach der dicken Käsepizza total satt. Pizza wird hier mit Mayonnaise und Ketchup auf einem Extrateller serviert.😄
Danach zahle ich mit Trinkgeld nur 10€ und plötzlich wird der Kellner gesprächig und wünscht mir Gesundheit und eine gute Reise.
Morgens verlasse ich früh die Pension und gehe zur Bäckerei zum Frühstück. Zwei Hörnchen wandern als Proviant in den Rucksack und dann kann es losgehen.
Ich gehe durch das Dorf und aus gefühlt jedem zweiten Garten kläfft mich ein Hund an. Ich bin froh, als ich endlich zwischen den Feldern meine Ruhe habe. Es geht zurück auf den Damm, der mich heute bis nach Györ bringt. Gute 20 km fast immer gerade aus. Noch ist die Sonne in den Wolken versteckt und eine leichte Brise weht.
Ich kann mich an diesen Feldern nicht satt sehen. Diese Farbenpracht macht einfach gute Laune.
Damit es nicht zu eintönig wird halte ich meinen Tagesbeginn mangels Kirche hier ab und singe laut meinen Dank und lese die Lösung. Routine muss sein.😄
Ich schaue in die Gräser am Wegesrand und bestaune die Vielzahl an Libellen. Leider sind sie zu schnell für mich und nur eine hat Geduld und wartet bis ich ein Foto gemacht habe.
Diese Freundin bringt nichts aus der Ruhe.
Plötzlich kommen innerhalb kürzester Zeit drei Autos den Damm entlang. Rushhour?
Nach 10 km und vielen kleinen Entdeckungen am Wegesrand finde ich die Hochwassertreppe und mache eine Pause.
Ich sitze in der Sonne, höre Frösche, Vögel und einen Kuckuck, sehe Blütenpollen in der Luft schweben, der Wind wiegt die Bäume, das Wasser gurgelt an der Schleuse, eine riesige, grün schillernde Libelle fliegt herum, die Sonne wärmt mir den Nacken und ein Gedanke setzt sich in mir fest: Wow, ist das schön und friedlich hier. Ich bin hier und darf das alles genießen. Was für ein Glück.
Dann gehe ich weiter und die Gedanken Streifen vorbei. Manche lasse ich ziehen, über andere denke ich nach und komme so ganz schnell nach Györ, wo ich bei Erika eingeladen bin.
Am Stadtrand ist eine neue Eigenheim - Siedlung mit einem Fußweg bis zur Bushaltestelle. Dann gibt es nur noch die Straße und einen Radweg in beide Richtungen. Was sagt mir das? Fußgänger sind nicht eingeplant?
Erika begrüßt mich herzlich und versorgt mich erst einmal mit Mittagessen. Danach gibt es Kaffee und eine Dusche.
Frisch und sauber laufen wir in die Stadt zu einer kleinen Stadtführung und um den Stempel in der Basilika zu holen.
Basilika
Abends dann sitzen wir noch gemütlich zusammen beim Abendessen. Doch der Tag war lang und ich bin viel gelaufen. Also ab ins Bett.
Hallo schöne Pilger Bruni, jetzt wird es für mich auch interessant , welche Orte du durch Ungarn läufst. Ich war ja oft in Ungarn und habe noch Freunde in Hajdúszobòszlo, und Zoltán spricht auch deutsch, dort gibt es .ein wunderschönes Thermalbad. Ich wünsche dir noch eine gute Weiterreise durch mein geliebtes Ungarn.
AntwortenLöschenNa liebe Regina, dann schaue ich mir Ungarn mal an.
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