Zum Glück hatte ich die Einladung zur Pause im Kloster angenommen, denn der Sonntag war total verregnet. Ich habe meinen ersten Kommunions- Gottesdienst erlebt und wieder einmal die Unterschiede in den Gemeinden erlebt. Ansonsten habe ich den ganzen Tag die Füße hochgelegt, wurde gut versorgt und habe sogar Mittagsschlaf gehalten.
Am Montag habe ich mich nach der Laude ganz herzlich bei Schwester Johanna für alles bedankt. Die älteste Schwester kommt auch und sagt: sie will mal meine Wanderwadeln in den Wanderschuhen sehen." Wie süß. Johanna bittet mich, ihre Gebete mit auf den Weg zu nehmen und das werde ich jetzt in jeder Kirche tun. Ich bin so gut ausgeruht und kann in einen frischen, sonnigen Tag starten.
Am Dorfplatz lachen mich schon die ersten roten Kirschen an, doch noch ist der Kern größer als das Fruchtfleisch.
Am Erdbeerfeld fühle ich mich unbeobachtet und habe mir schnell 1,2,3 Erdbeeren abgepflückt. Kaum stehe ich auf, höre ich ein " Guten Morgen", dass weniger freundlich klang. Ich grüße zurück und habe doch ein schlechtes Gewissen.
Der Weg führt immer am Hochwasserdamm des Flusses Perschling entlang, ist mal Asphalt und auch Schotter oder Wiese, sodass es sich gut läuft. Der Regen hat der Erde gut getan und die Schnecken sind wieder unterwegs. Auch die Hasen hüpfen immer wieder vor mir davon.
Auf einem Feldweg liegen angekeimte Bohnen und ich frage mich warum, bis ich einen Hochstand sehe. Lockmittel für...?
So klein das Flüsschen aussieht, hat es letztes Jahr für zuviel Wasser gesorgt. Kaum zu glauben.
Da es zu kalt für Pausen im Freien ist, laufe ich bis Würmla, wo der Messner gerade die Tür aufschließt. Er verwickelt mich in ein Gespräch und dann setze ich mich windgeschützt vor die Kirche und mache Pause.
Es ist mir trotzdem kalt geworden und so laufe ich ein Stück schneller.
In Diendorf steht ein Jakobsbrunnen und so ist für genug Wasser gesorgt.
Da ich heute in einer privaten Pilgerhütte schlafe wird es wieder einmal Zeit Blumen zu pflücken.
Meine Mullbinde ( Schleife) ist bald aufgebraucht.🫣
Inzwischen ballen sich die Wolken mal wieder am Himmel und ich bin froh gleich da zu sein. Ich treffe tatsächlich 4 Pilgerinnen. Es sind Ungarinnen und eine spricht sehr gut Deutsch. Sie war Deutschlehrerin, wie sie mir erzählt. Sie pilgern 3 Tage bis Wien. Wir gehen ein kleines Stück gemeinsam, doch die Anderen lassen sich zurück fallen und so bekomme ich ein " Auf Wiedersehen" und gehe allein weiter.
Weit vor der Zeit bin ich schon Nachmittags am Grundstück und rufe die Besitzerin an. Sie gibt den Weg und den Schlüssel frei, sodass ich schon einziehen kann.
Ein massiver Holzbungalow mit Schlafgalerie erwartet mich. Er ist rustikal eingerichtet und ich schaue mich um. Ich trinke, esse, dusche und lege mich draußen auf eine Campingliege und mache ein Schläfchen.
Franz, der Hausherr weckt mich mit einem Radler und nimmt mich ins Kreuzverhör. Seine Ansichten sind nicht unbedingt meine und so bleibe ich reserviert. Später kommt seine " Lebensgefahr", wie sie sich selbst nennt und erzählt viel von den Pilgern, die schon hier waren. Ich esse dabei etwas zu Abend und dann ziehe ich mich zurück.
Auf dem Schlafboden kommt dann wieder meine Macke durch. Der Bungalow strahlt nicht gerade sauber, die Dusche war so lala, aber das Bettlaken ist so gar nicht sauber, dass ich das Gefühl habe, alle Pilger vor mir, haben schon darin geschlafen. Ich lege mein Regencape oben drüber und schlafe in meinem Schlafsack. Das passt.
Morgens bekomme ich noch ein kleines Frühstück und dann laufe ich wieder los. Ähnlich wie gestern. Am Anfang geht es an der Großen Tulln entlang und dann über Feldwege.
Die Hasen sind wieder unterwegs und auch zwei Rebhühner erschrecken mich, als sie aus der Wiese auffliegen. Der Holunder blüht überall und ich laufe voller Freude durch die Natur.
Der Ahorn hat hunderte Nasen, aber keine Blätter und sieht skurril aus.
In Sieghardskirchen kaufe ich mir etwas Proviant und den Quark esse ich gleich vor der Tür. Eine Frau spricht mich an und fragt, ob ich nach Santiago laufe. Nein, in die andere Richtung. Dann erzählt sie mir, dass ihre Nichte Ostern aufgebrochen ist und jetzt schon in der Schweiz sei. Sie wünscht mir einen schönen Tag und ich ziehe weiter.
Die Sonne steht hoch am Himmel und mir ist schön warm. An einem Grundstück ist der Verkaufsstand überdimensional und ich muss bei soviel " Kunst" lachen. Wer's mag!
Am Ortsausgang ist ein großes Erdbeerfeld und die Rücken der Erntehelfer sind gebückt.
Ich mache die Fotos und schon ertönt Geschrei. Der Vorarbeiter kommt und fragt, was ich hier mache. Ich laufe nach Jerusalem 😄 Er versteht es nicht und ich frage, wo er herkommt. Aus Mazedonien. Aha, da will ich auch noch hin. Er erklärt mir, die Arbeiter seien aus Rumänien und er muss die Erdbeeren bewachen. Okay, ich gehe weiter und denke, eine hätte keiner gemerkt.
Immer am Riederbach entlang laufen ich nach Ried am Riedberg. Der Mohn blüht und hier hat sich jemand einen interessanten Zaun gebaut.
Bevor ich den Waldabschnitt beginne, setze ich mich auf diese Wiese und mache eine schöne, große Pause.
Im Wald ist es herrlich. Mal schmale, wurzlige Wege, dann breiter, hoch und runter, matschig und voller Laub, sonnenbeschienen und dann wieder dunkel. Ich bin begeistert.
Die Brücken sind nicht im besten Zustand doch ich komme hinüber und zu den Resten eines Augustinerklosters.
Ein sehr friedvoller Ort.
Ich treffe tatsächlich einen Wanderer und danach einen Biker mit Hund, der anhält und fragt wohin ich gehe. Er muss sich erst einmal setzen, als er hört, dass ich schon seit April unterwegs bin. Beeindruckt gratuliert er mir zu meinem Mut.
Später sehe ich noch zwei Forstarbeiter und dann treffe ich doch tatsächlich die ungarische Pilgergruppe wieder. Sie freuen sich, mich zu sehen und sind total freundlich. Ari schenkt mir einen selbst bemalten Pilgerstein. Sie fragen, wie es mir geht, wo ich schlafe... Ich suche meine Armbändchen raus. Dazu muss ich den ganzen Rucksack auspacken. Sie wollen genau wissen, was ich alles mit habe und es gibt ein großen Spaß. Dann machen wir ein Selfie und stellen uns vor. Ari, Martha, Zusa und Erika. Letztere ist 69 Jahre und lädt mich ein, bei ihr zu schlafen, wenn ich nach Györ komme. Na, wie toll ist das denn? Das 1. Bett in Ungarn schon gesichert.
Da ich schneller laufen, verabschiede ich mich und wahrscheinlich werden wir uns morgen noch einmal sehen, auf dem Weg nach Wien. Dann geht es schnurgerade den Berg herunter nach Purkersdorf.
Zuerst gehe ich zur Jakobskirche, dann kaufe ich mir bei Billa neue Kaffeesticks und was zu Essen.
Danach gehe ich zu meinem Hostel, dass ich über Booking sehr günstig gebucht habe. Die Bewertungen waren gut, doch als ich den Außensitz sehe, bin ich mir nicht mehr sicher. Der Besitzer kommt und meldet mich ordnungsgemäß mit Ausweis und Meldebogen an. Dann sagt er, dass ich ein Upgrade auf ein Einzelzimmer bekomme.
Okay. Das Zimmer entpuppt sich als sehr plüschig und macht einen viel besseren Eindruck als der Rest des Hauses. Die Bettwäsche ist zwar nicht gebügelt, aber sauber und die Handtücher sind kuschelig weich. Die Dusche betreten ich lieber mit Badelatschen, aber das Wasser ist kochend heiß.
Der Typ selber könnte in jedem Goldrausch- Film im wilden Westen mitspielen oder als Hippie durchgehen, doch ist er super nett. Als ich im Bad die Waschmaschine sehe, darf ich sie selbstverständlich nutzen. Wie schön, denn die letzte Tiefenreinigung ist schon ein paar Tage her. Die Kaffeemaschine steht auch zur freien Verfügung und dass alles bei 16€. Perfekt!
Ich hänge die Wäsche noch in die Sonne, sodass sie abends fast trocken ist.
Das Haus füllt sich im Laufe des Abends und ich bin froh, dass ich in meinem Einzelzimmer bin, denn es sind alles Typen verschiedenster Art. Ein bissel Panoptikum.🤭
Morgens koche ich mir Kaffee, esse mein Müsli und starte. Auf der Straße ist Rushhour und der Verkehr steht mehr, als das er fährt. Bin ich froh, dass ich laufen kann.
Heute laufe ich durch den Speckgürtel nach Wien hinein und das bedeutet viel Asphalt.
Am Ufer der kleinen Flüsschen Wien laufe ich an Gärten vorbei und bald sehe ich vor mir bekannte Rucksäcke. Ein großes Hallo und " Jo napot kivanok"....meine erste ungarische Vokabel. Wie verabreden uns am Stephansdom und dann laufe ich weiter.

Die Akazien blühen und verbreiten ihren Duft. Dann geht es lange an einer riesigen Baustelle für ein Rückhaltebecken entlang und die Stadt Wien schreibt diese Betonwüste als Naherholungsgebiet aus.
An einem kleinen Stück gibt es dann doch Grün und einen schönen Spielplatz.
Dann komme ich in die Außenbezirke von Wien und laufe in einem " Beton- Kanal" zwischen Straße und Zug Schienen und ich fühle mich eingeengt.
Also verlasse ich den JW und laufe die Auhofstraße ab und durch Wohnviertel auf Schloss Schönbrunn zu. Auf dem Weg stehen schöne Villen in denen verschiedene Botschaften untergebracht sind.
Bei Billa kaufe ich Käse und Buttermilch für ein Picknick.
Ich setze mich hinter Schloss Schönbrunn auf eine Bank und mache eine schöne Pause. Dabei beobachte ich die vielen Touristen, die Selfies im Sekundentakt schießen und sich vorher " selbst optimieren". Da sitzt der Lidstrich und die Haare werden geschwungen.
Nun geht es auf der Maria- Hilf- Straße in die Innenstadt. Ich habe das Gefühl Wien ist eine einzige Baustelle. Überall wird gebohrt, gebaut, Krach gemacht. Die Straße verändert ihr Gesicht, je näher ich dem Dom komme.
Sie wird verkehrsberuhigt und überall sitzen die Leute auf der Straße in Restaurants oder auf den vielen Sitzbänken, die die Stadt aufgestellt hat.
An allen bekannten Läden flanieren ich vorbei. Ich bewundere den Museumsplatz und die Hofburg.
Elektrisch fahrende " Fiaker"😄
Dann bin ich am Stephansdom und auch der ist voller Menschen. Es gibt kaum Platz zum Innehalten. Ich frage mich zur Sakristei durch und bekomme den Pilgerstempel.
Ich rufe Erika an und sie sind noch unterwegs. Also setze ich mich vor die Kirche in die Sonne und warte. Dabei nutze ich das öffentliche W- LAN und schreibe diesen Blog zu Ende.
Dann kommen sie und wir machen noch ein Abschiedsfoto vor der Kirche.
Dann heißt es Abschied nehmen. Wir sehen uns in Györ wieder.
Ich laufe zur Schottenkirchen,weil ich beim Stift wegen eines Bettes angefragt habe. Ich soll 18 Uhr zur Messe kommen, doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Ich setze mich auf eine Bank auf dem Platz vor der Kirche, wo mich Irene, eine Deutsche, die in Wien lebt, anspricht. Wir plaudern ganz nett und dann will sie unbedingt ein Foto von mir machen, weil ich in ihren Augen so schön verrückt bin und ihr meine Locken so gefallen. Na dann...
Ich gehe zur Messe und danach werde ich zum Abendessen mit den Brüdern eingeladen. Ich bin erstaunt und verwirrt, denn bisher saß ich immer extra und allein in den Klöstern. So ist es viel schöner. Es gibt keine feste Sitzordnung und jeder kommt so ins Gespräch. Ich werde einer Ordensschwester aus Nord Mazedonien vorgestellt und als sie hört, dass ich den JW gehe, gibt sie mir ihre Kontaktdaten und lädt mich ein in ihr Kloster zu kommen. Wahnsinn. Jetzt habe ich auch schon ein Bett in Nord Mazedonien. Perfekt.
Danach werde ich in mein Zimmer geführt und kann endlich den Schweiß des Tages ( es war heute richtig warm) abwaschen und die Beine ausstrecken.
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