Zwei Schritt vor und einen zurück
Nach der Laude, einem kleinen Frühstück und einem schönen Gespräch mit den Brüdern, verabschiede ich mich dankbar und gehe meinen Weg weiter. Allerdings weiche ich etwas vom JW ab, der einen großen Bogen über die Leopoldstadt nimmt, und laufe quer durch nach Erdberg. So sehe ich noch ein wenig von Wien und kürze den Weg etwas ab.
Dann komme ich zum Donaukanal und laufe zwischen dem Autobahnkreuz entlang und es ist laut und nervig. Bald kommt eine Umleitung, denn auch hier wird der Donauradweg erneuert.
Dadurch komme ich in die Gasometer-City und es ist krass, wie hier die alten Gasspeicher umgenutzt wurden. Eventhalle, Fitness-Studio, Wohnungen, Wohnheim...
Nun geht es zurück zum Donaukanal und ich entdecke ein paar Hütten und erinnere mich, dass wir hier mal Boot gefahren sind.
Dann komme ich in den Dunstkreis des Flughafens und gefühlt aller 5 Minuten startet ein Flugzeug und zieht seine Bahn über mir.
Servus...steht unten drauf😄
So komme ich nach Schwechat, wo es in der Kirche einen Stempel gibt und ein Hinweisschild für Pilger. Ich fotografiere es, um es in die Gruppe zu stellen, weil jeder immer Betten sucht. Ich selbst habe beim Pfarrer in Schwandorf angefragt und warte noch auf den angekündigten Rückruf.
Hinter Schwadorf überquere ich die Autobahn und komme an einem schönen Blühstreifen. Ich pflücke einen Strauß für meinen heutigen Gastgeber und laufe fröhlich weiter. Hinter mir türmen sich dicke Wolken und Gewitter sind für den Nachmittag angesagt, deshalb heißt es sputen.
Ich laufe durch Rauchenwarth und dann in den Schwadorfer Wald, wo ich von Hasen erwartet werde. Der Weg ist hier besonders schön.
In Schwadorf angekommen, gehe ich zur Kirche und dann zum Pfarramt. Letzteres ist geschlossen. Auf mein Klingeln reagiert niemand. Ich gehe zur Gemeindeverwaltung, aber die Dame kann mir auch nicht helfen und verweist mich an ein Hotel an der Autobahn. Der Preis lässt mich diesen Plan verwerfen. Ich schaue auf den Busfahrplan und sehe, dass in 20 Minuten ein Bus nach Schwechat zurück fährt. Ich rufe die Nummer an und erkläre mein Dilemma und frage, ob ich ein Bett in Schwechat bekommen kann. Florian, der Pilgerbetreuer meint, er müsse kurz telefonieren. Ich sage, wann der Bus kommt und ich einfach mitfahre, falls er nicht anruft, denn der Nächste kommt erst in 1,5 Stunden.
10 Minuten später ruft er an. Ich habe ein Bett, juhu. Heute also "2 Schritt vor und einen zurück"...singe ich vor mich hin.
Vor der Kirche erwartet Florian mich. Die Gemeinde richtet gerade eine Pilgerunterkunft ein, die noch nicht fertig ist, aber für mich perfekt. Inzwischen gießt es draußen in Strömen. Florian ist schon mehr als 17 000 km auf Pilgerwegen unterwegs gewesen und so schwatzen wir ganz nett. Er freut sich über die Blumen. Dann erklärt er mir die wichtigsten Sachen und ist weg.
20:30 bekomme ich eine Mail vom Pfarrer aus Schwadorf, dass ich im Jugendraum übernachten kann. Ich schreibe, dass ich ein Bett gefunden habe und begebe mich bald in selbiges.
Morgens bin ich wie immer früh fertig und 7:30 fährt mich der Bus zurück. Ich steige aus und laufe den ganzen Tag über Feldwege vorbei an Weizenfeldern, Roggengeldern, Kartoffelfeldern, Maisfeldern und dem ersten Sonnenblumenfeld.
Heute dröhnen die Flieger im Landeanflug über mir und der Takt ist noch geringer. Ich bin erstaunt wie viele verschiedene Airlines Wien anfliegen.
Ich komme an riesigen Tomaten- Hallen vorbei, und dann an einem großen Windpark.
Heute weht der Wind kräftig, es sind nur 15°C, sodass ich den ganzen Tag mit Wanderjacke und Kapuze unterwegs bin und mir in Wilfleinsdorf eine geschützte Bank für eine Pause suche.
Danach laufe ich das letzte Stück bis Bruck an der Leitha. Der Pfarrer hat dieses Wochenende große Festivitäten zu der er seine polnische Verwandtschaft eingeladen hat, deshalb ist im Gemeindehaus alles belegt. Aber die Sekretärin gibt mir einen Tipp für ein günstiges Hotel. Ich rufe an und sage mein Sprüchlein. Der freundliche Mann am anderen Ende meint: Doch so einer fröhlichen, netten Stimme würde er gern ein Zimmer vermieten, aber sie sperren heute Mittag übers Wochenende zu. Okay, sage ich, dann hätte ich ja Platz. Leider geht das nicht, aber auch er hat einen Tipp für mich. Dort ist offen und der Preis ist noch im Rahmen, also buche ich ein Zimmer in der Pension Eder und bekomme zum Samstag auch ein Frühstück.
Bevor ich dahin laufe, gehe ich noch zum Supermarkt, denn in meinem Rucksack ist kein Krümel Proviant mehr.
Die Pension ist riesig, die Einrichtung einfach und das Wasser in der Dusche herrlich heiß. Auf dem Gang treffe ich ein paar Ungarn. Ich platze ausversehen in ein Seminar hinein, da ich den Schildern zum Aufenthaltsraum/ Küche gefolgt bin. Ich entschuldige mich und gehe auf mein Zimmer.
Danach laufe ich in den Ort zur Kirche. Die Fußgänger - Zone ist trostlos und leer. Am Rathausplatz ist einiges schön saniert, aber die Autos parken. In der Kirche Stempel ich meinen Pass und sage Danke.
Dann kann ich bei " Nagelreiter" der Kardinalschnitte nicht widerstehen. Ich nehme sie mit auf mein Zimmer, zaubere mir einen Kaffee dazu und genieße die süße Sünde
Ich lege die Füße hoch und lasse den Tag ausklingen.
Morgens schlafe ich tatsächlich bis 7 Uhr, aber nur weil ich das Fenster geschlossen habe, denn der Fluglärm ging 6 Uhr wieder los.
Ich packe und gehe zum Frühstück, dass sehr fleischlastig ist. Kein Obst, kein Joghurt, aber dafür 5 Sorten verschiedene Brötchen. Ich entscheide mich für einen sehr leckeren Mohntopf und nehme mir 2 "gekochte" Eier mit, da ich ja Proteine brauche.
Eins stecke ich in die Hose für später🫣. Dann esse ich, hole mir noch einen Kaffee und noch ein Brötchen. Dann köpfe ich das Ei...und es ist roh! Ups, zum Glück ist das andere Ei noch heil, sonst hätte ich jetzt Erklärungsnot.
So gebe ich das rohe Ei zurück und bekomme eine Einweisung in das Eier- Koch- Bad. Dann koche ich mir zwei Eier 8 min lang und esse sie lieber gleich.
Nach dem Auschecken starte ich in einen sonnigen Samstag. Ich sehe das Bruck ein Schloss Prugg hat und nehme den Schlenker in Kauf, um es mir anzuschauen. Leider ist es verbarrikadiert, da es renoviert wird.
Überall sind Baustellen und manche sind kurios.
In Bruck ist nicht viel los, doch auf dieser Straße treibt es jemand bunt.
Ich verlasse Bruck und passieren die riesige, ehemaligen Konservenfabrik, die jetzt Billa, Fitness und Büro beherbergt.
Ein großes Denkmal steht vor der Kaserne und ich laufe parallel zum Truppenübungsplatz, vorbei am ehemaligen Schwimmbad, dass zu Hort und Kita umgebaut wurde.
Heute ist wieder Hasentag und selbst direkt neben der Schiene lässt sich Einer von dem Zug nicht stören, aber vor mir rennt er weg.🫣
Ich laufe auf Feldwegen weiter und überall blüht es in den schönsten Farben. Zur Abwechslung gibt es ein Fenchelfeld und ein lila blühendes Kraut, was Google Phacelia nennt und mir nichts sagt.
Ich bekomme von Holger eine Nachricht
Mein 1. Gedanke: Warum?
2. Gedanke: Mist, wir haben Hochzeitstag und ich habe ihn vergessen.
3. Gedanke: Nein, der war am 15. Mai.
Oh weh, wir haben ihn beide nach 28 Jahren vergessen. Gleich laufen mir die Tränen runter. Ich rufe ihn an und ja, er hat ihn auch wirklich vergessen. Okay, da sind wir quitt und ich hoffe, dass passiert nächstes Jahr nicht wieder.
Nun stehe ich plötzlich vor einer Bunkeranlage, dem Ungerberg 3. Auch sie ist geschlossen und als ich den rostigen T 34 sehe, weiß ich wieder, warum der Friedensweg so wichtig ist.
Dann beginnt rechts von mir das militärische Sperrgebiet und davor ist noch eine Kapelle mit Sitzbank. Irgendwie krass.
In der Ferne sehe ich Parndorf und einen riesigen Windpark. Die Österreicher sind da viel offener, da es hier oft viel Wind gibt.
Ein Mann auf einer Bank (80 Jahre) spricht mich an und erzählt, dass er die Leute mit E- Bike nicht versteht, sie wollen sich bewegen und fahren mit Motor!🫣 Er fuhr heute von Mönchshof, fährt nach Bruck, wo seine Schwester mir dem Mittag wartet und dann nach Schwechat, wo er das Radl in den Zug packt und nach Hause in die Steiermark fährt. Dort wohnt er mit Kindern und Enkeln. Er hat eine Ranch und züchtet immer noch Pferde. Was für ein lebensfroher, sportlicher Mann, der mit 80 gute 60km radelt.
Wie ich noch mit der Versuchung des Hotels hadere, hat Holger Nägel mit Köpfen gemacht und mir ein Zimmer reserviert. Ich hatte für heute noch nichts gefunden und die Pfarrerin hat nicht reagiert. Na, da laufe ich schneller, um die Sauna zu genießen.
Dann kommen die ersten Weinberge, ich sehe meinen " Neusie" in der Ferne und es fühlt sich wie " nach Hause kommen" an, waren wir doch schon sooft hier. Ich fühle mich geradezu voll glücklich.
In der Stadt selbst ist die Touristen - Info umgezogen und genau wie die Kirche geschlossen. Auf einem Platz ist ein kleiner Pflanzenmarkt mit Lifemusik. Ich setze mich auf eine Bank, esse mein Käsebrot und höre der Musik zu. Ein schöner, zufälliger Empfang.
Der Brunnen vor der Kirche.
Nach dieser schönen Pause laufe ich frisch auf den Kalvarienberg, wo der Wind pfeift.
Nun pilgere ich gemütlich den Weinwanderweg entlang, vorbei an den " Köllern", die schon lüften, aber noch geschlossen sind. Zwischen den Reben sind nicht nur wieder jede Menge Hasen, sondern auch der eine oder andere Fasan.
Auch hier wieder WW...Wein und Windräder.
Der Weg ist herrlich. Plötzlich höre ich Musik und als ich um eine Kurve laufe, sehe ich in der Ferne Wanderer im Weinberg und vor mir steht ein Auto vom ORF, es kommt Musik aus der Box und einige Verpflegungsstände sind aufgebaut.
Auf meine Frage, was hier los ist, erfahre ich, dass das ORF eine 7- Tage- Burgenlandwanderung veranstaltet. An 7 verschiedenen Orten. Heute begann sie in Gols. In etwa 30 Minuten werden die ersten, der 500 TeilnehmerINNEN erwartet.
An dem Weinstand frage ich ganz keck, ob eine JW- Wanderin auch ein Gläschen Frizzante erwerben kann, auch wenn sie nicht in der Runde, aber auch schon 22 km gelaufen ist?
Es kam die Gegenfrage: JW...was heißt das? Ich erzähle wo ich gestartet bin und wohin ich will. Der gute Winzer fällt aus allen Wolken und sagt, eine JW- Pilgerin bekommt das Glas sogar gratis. Dann fragt er mich aus und erzählt es seinem Sohn.
Ich bedanke mich ganz herzlich und laufe wirklich beschwingt weiter und denke: Wer schwankt, hat mehr vom Weg." Oh weh, ich bin nix mehr gewohnt und habe wahrscheinlich zu wenig gegessen. Zum Glück ist es nicht mehr weit.
Dann komme ich tatsächlich auch am Weingut des edlen Spenders von vorhin vorbei. Ganz schön.
Die letzten Meter und dann bin ich am größten Luxus des Tages angekommen. Der Wirt erwartet mich schon und erzählt, dass er sich gut mit Holger unterhalten hat und fragt, ob ich in die Sauna will. Ja, ich will. Ich werde mit einem Bademantel ausgestattet und eine halbe Stunde später sitze ich drin.
Ich genieße die Sauna in vollen Zügen und schaue, wohin es morgen geht. Ich beschäftige mich das erste Mal genauer mit den Etappen in Ungarn. Ich lese, dass man sich mindestens einen Tag vorher zur Übernachtung anmelden muss. Okay, gilt das auch am Wochenende? Ein bissel Panik schwingt auf. Doch ich habe ja Zeit, morgen ist Sonntag, vielleicht finde ich noch ein günstiges Quartier im nächsten Ort und mache einen Pausentag?!
Ich google ein bisschen, doch es gibt im Netz kaum Möglichkeiten und dann weit weg von günstig. Okay. Plan B muss noch reifen.
Erst einmal lese ich im Gang ein Schild und nehme es wörtlich.
Ich gehe in das Hotelrestaurant essen und lasse meinen Proviant im Rucksack.
Die Chefin setzt sich zu mir und fragt nach meinem Weg, ihr Mann hätte ihr erzählt...ja und so erzähle ich ihr auch etwas und sie ist ganz begeistert.
Was für ein wundervoller Tag heute wieder zu Ende geht. Ich bin rundum glücklich und habe mir noch ein Geschenk gemacht, ohne Grund, einfach so, weil morgen Sonntag ist und ich über 150 km in dieser Woche gelaufen bin. Ich mache morgen Pause!




















































































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