Ich bin die Ländersammlerin
Heute morgen laufe ich zum Busbahnhof durch die noch ziemlich leere Stadt und vor der Moschee ist eine " Versammlung". Entweder ist es Yoga ( das würde den hohen Frauenanteil erklären) oder aber ein Gebet gen Mekka. So genau kann ich es nicht einordnen.
Mit dem Bus fahre ich zurück nach Mohac und laufe dort durch die Stadt. Hier werden heute in der Kirche die Zeugnisse, in Blogabfertigung, überreicht. Als alles zu Ende zu sein scheint, gehe ich hin, um die Kirche zu besichtigen, aber der Meßner schließt mir vor der Nase die Tür zu. Er lässt sich nicht erweichen und so gehe ich weiter
Rathaus
Im Ort spricht mich ein älterer Luxemburger an, ob ich Österreicherin bin. Nein, wieso? Warum läuft's du dann mit einer Österreichischen Flagge am Rucksack? fragt er. Ich kläre ihn auf, dass es die Jerusalemway - Flagge ist und was es damit auf sich hat. Er lebt seit 20 Jahren in Ungarn und spricht 5 Sprachen, erzählt er mir. Dann zieht er weiter.
Auch ich begebe mich zum Busbahnhof, denn Udvar, der Grenzort ist nur über eine Fernverkehrsstraße zu erreichen. Da ich keine 10 km am Straßenrand laufen möchte, steige ich noch einmal in den Bus. Unterwegs gratuliere ich mir zu dieser Entscheidung, denn es gibt keinen Randstreifen und es sind große Laster unterwegs.
In Udvar bin ich die Einzige die aussteigt. Ich öffne meine Karte und sehe, dass ich nichts sehe. Panik macht sich breit. Ich habe sie nicht offline. Also lade ich sie über meine mobilen Daten runter und hoffe, dass es klappt. Mein Handy zeigt mir an, dass ich mein Volumen überschritten habe. Okay. Irgendwie muss es doch gehen.
Der Ort ist trostlos und nur ein Hund bellt. Am Grenzübergang nach Kroatien finde ich keinen Weg für Fußgänger und laufe auf der Fahrradspur. Kein Beamter weit und breit zu sehen. Ich laufe durch und am 2. Posten steht bei der Einfahrt nach Ungarn ein Beamter. Ich rufe ihn zu, ob ich rüber gehen darf und er winkt mich durch.
Gleich dahinter geht der JW über einen staubigen Feldweg ins Land hinein. Nun bin ich im 4. Land. Die Felder sind hier kleinteiliger und wechseln sich schneller ab. Dann muss ich abbiegen und dieser Weg ist ziemlich zugewachsen. Die Mücken surren und ich sprühe mich erst einmal mit Autan ein. Dann kämpfe ich mich durch.
Vor dem ersten Ort ist ein riesiger (illegaler?) Müllberg und stinkt. Ich bin entsetzt. In Ungarn gab es zwar viele zugemüllte Grundstücke, aber solche Halden habe ich nirgends gesehen.
Beim nächsten Ort genau dasselbe. Ich laufe durch die Felder und an einem Friedhof mache ich Pause. Das Wasser aus dem dortigen Hahn schmeckt faulig und so spucke ich es aus und wasche mir nur die Hände und mein Tuch.
Plötzlich liegt ein ganz starker Knoblauchgeruch in der Luft. Ich sehe ein Maisfeld und ein Sonnenblumenfeld und frage mich wie das sein kann. Dann komme ich zu einem abgeernteten Feld und siehe da, da liegen noch jede Menge Knoblauchzwiebeln in den Furchen. Eine nehme ich mit. In Serbien glaubt man, so habe ich von Alex gehört, an Vampire. Besser ist, ich bin gewappnet.🫣
Eine tote Krähe hängt als Vogelscheuche im Feld.
Die Mähdrescher sind im vollen Einsatz und ziehen Staubfahnen hinter sich her, so dass ich versuche diesen aus den Weg zu gehen. Das liegenbleibende Stroh glänzt golden in der Sonne und ich denke an die schöne Müllertochter. Hier könnte sie Stroh zu Gold spinnen.
So komme ich nach Gajic, wo ich eine offene Bar finde. Der junge Mann versteht und spricht Englisch und ich ordere einen Kaffee und ein Radler, dass ich im Kühlschrank entdecke. Der Kaffee kommt mit einem Glas Eiswasser. Wie fein. Endlich kann ich wieder einmal mit Euro bezahlen.
Dann mache ich mich ab vom JW auf den Weg zu meiner Unterkunft. Sie liegt abseits, war aber die Einzige, die ich buchen konnte. Ich finde sie und sie liegt einsam auf einem Hügel, abseits des Ortes. Ein ganzes Haus für mich allein.
Ein deutsches Auto steht davor und kurz denke ich, sie haben es doppelt vergeben. Aber nein, der Mann arbeitet in Deutschland und die Frau vermietet ihr Wochenendhaus. Im Kühlschrank ist Wein aus eigener Produktion und Bier. Kaffee ist auch da. Perfekt. Ich habe etwas zu Essen dabei und so mache ich es mir auf der Terrasse mit einer Weinschorle gemütlich und schaue den Sonnenuntergang an. Ein Fasan läuft über die Wiese und fühlt sich ungestört.
Übrigens: Heute war ich den 75. Tag unterwegs und damit ist ( wenn nix dazwischen kommt und die Heimfahrt wie geplant kommt) HALBZEIT auf meinem Jerusalemweg. Wie die Zeit vergeht.🫣
Heute morgen weckt mich der Fasan pünktlich 6 Uhr. Doch ich bin noch nicht bereit aufzustehen und drehe mich um. Nach einem kleinen Frühstück auf der Terrasse packe ich und laufe in den noch angenehmen Morgen.
Immer auf der Straße entlang erreiche ich Batina, die serbische Grenzstadt. Schon von weitem kann ich den Übergang sehen.
Es war sehr, sehr lecker und mein Gemüse-Heißhunger ist gestillt.
Doch dann muss ich weiter, denn mein Bett steht in Backi Monostor und das sind noch 8 km in der Hitze. Unterwegs muss ich für kleine Mädels und gehe wie immer, etwas weiter ins Dickicht. Kaum habe ich mich hingehockt, da schlängelt sich eine grün- blau schimmernde, sicher 50 cm lange Schlange durchs Gras. Upps, ich sollte das nicht mehr machen, auch wenn sie mich ignoriert hat. Inzwischen ist der Asphalt gut aufgeheizt und ich bin froh, als ich ankomme.
Ich werde schon erwartet. Schnell bekomme ich mein Zimmer gezeigt und werde abkassiert. Anmeldung ist nicht nötig.
Mein Zimmer ist über einem Veranstaltungsraum und dort wird abends gefeiert, gesungen...also ist es schwierig zu schlafen. Erst 3 Uhr morgens ist Ruhe.
Morgens bin ich trotzdem zeitig wach, denn Hunde bellen und Hähne krähen. Ein kleiner Laden hat schon offen, wo ich mir Wasser kaufe ( dem Trinkwasser traue ich nicht, es schmeckt metallisch) und ein Hörnchen, dass ich gleich verspeise. Ich laufe die Hauptstraße entlang und finde einen Kaffee, der hier türkisch und schwarz daher kommt. Das belebt den Körper und er kostet nur 80 Cent.
Wenig später raschelt es neben mir im Unterholz und wie ich hinschauen, rennt ein großes, dickes Wildschwein davon. Schon die zweite Überraschung heute. Will ich noch mehr? Aus dem Wald geht es nun wieder auf den Damm, der staubig in der Sonne liegt. 32° im Schatten lassen mich schwitzen und Wasser litern. Ich sehe ein Schild von einem Kaffee und folge ihm, um dann festzustellen, dass es ein kleines, privates Gartenlokal ist, das geschlossen ist.
Der rostigen Tanker liegt mitten in der Donau vor Anker🫣
Im Ort selber glänzt ein Kranich in der Sonne und einer steht in der Donau.
Ich komme zur orthodoxen Kirche und sie ist tatsächlich offen. Ein jüngerer Mann sitzt in einem Kabuff und begrüßt mich. Einen Stempel kann er mir nicht geben, da er kein Geistlicher ist. Ich setzte mich, freue mich, dass ich endlich wieder in einer Kirche danken kann und zünde draußen ( wäre schade, wenn die Farbenpracht verrußt) eine Kerze an. Der Mann fragt, ob ich einen orthodoxen Gesang hören möchte. Ja, gern. Dass ist meine 4. Überraschung heute. Er steht hinter einer Säule und singt für mich. Herzlichen Dank.
Nun laufe ich zum Quartier und auch hier hat man die Buchung noch nicht gesehen. Doch alles kein Problem. Ich kann verlängern, darf gleich zahlen und dann werde ich ins Zimmer geführt. Ehrlich, ich frage mich, wer die Bewertungen bei Booking schreibt und ob Booking einen Standard an die Quartiere stellt.
Das schöne zuerst. Der Balkon ist schattig, luftig und schön. Das Zimmer hat viele Schalter und Lampen, aber die wenigsten bringen ein Ergebnis. Die Duschwand kommt mir entgegen als ich duschen will. Ich werde kurzerhand ins Nachbarzimmer geschickt. Der Mann muss es reparieren, aber er hat heute keine Zeit. Die Klimaanlage ist da, aber funktioniert nicht. Die muss auch der Mann reparieren, aber er ist nicht da. Auf Balkon ist auch schön, erklärt mir die Frau. Ja, dass stimmt. Das Handtuch ist schmutzig, doch ich wechsel es auf dem Flur aus. Am Ende überrede ich sie noch meine Wäsche in der Waschmaschine zu waschen und verhandeln den Preis erfolgreich.
Der Schlüssel zum Zimmer ist auch weg. Okay, da schiebe ich einfach den Hocker vor die Tür, denn bei jedem Luftzug geht die Tür auf.
Komfort: 9,9, Ausstattung 8,8 und 9,2 für Sauberkeit bekommen sie von mir auf keinem Fall.
Jetzt hoffe ich, dass das morgige Frühstück alles rausreißt und ich einen guten Start in den Ruhetag habe.
Ich bin gespannt, wie es sich mit der neuen Pilgerbekanntschaft läuft und ob wir kompatibel sind.
Ich werde berichten.




















































































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