Pilgern zu zweit

 Heute morgen schaffen wir es pilgermäßig früh aus dem Bett zu kommen. Da Feiertag ist und die Läden geschlossen, begnügen wir uns mit einem kleinen Frühstück und 8:15 Uhr sind wir tatsächlich startklar.

Wir laufen zum Gellerthotel und von da auf dem JW. Natürlich ist der heute sehr asphaltlastig, denn wir müssen aus Budapest hinauslaufen.



Wir kommen durch einen neu entstehenden Stadtteil und dann laufen wir direkt an der Donau entlang. An einer Bar, die noch geschlossen ist, setzen wir uns für eine kurze Pause. 


Langsam wird es wieder muggelig warm, auch wenn der Regen gestern die Temperaturen etwas drückt.  Nun geht es durch ein altes Industrieviertel, wo einige Kneipe sind, doch leider sind sie noch zu.

Vorbei an "Lost places" kommen wir zurück ans Ufer der Donau, wo ein Bistro geöffnet hat. Wir setzen uns zu einer größeren Pause.




Dann müssen wir über eine Brücke laufen, auf der die 8-spurige Autobahn verläuft. Dass ist Stress pur. Ich ziehe das Tempo an, denn der Krach stresst mich total. 

Nun geht es auf langen Landstraße mit rauschendem Pfingstverkehr nach Szigletzentmiklos zur großen, im modernen Stil erbauten Kirche St. Nikolaus. Leider ist diese geschlossen.

 Unverrichteter Dinge laufen wir zu unserem Hotel. Holger hat Urlaub und so geht jetzt wieder das Luxus- Pilgern los. Ich genieße es, denn wenn ich schaue, was ich für miese Pensionen allein gezahlt habe, bin ich jetzt mit fast dem selben Budget deutlich anspruchsvoller und schöner unterkomme.



Nach einem Pool- und Saunabesuch gehen wir lecker essen und sitzen mit einem Glas Wein am Pool. Was für ein Leben!




Am nächsten Morgen überrascht mich Holger wieder mit einem frühen Aufstehen. Da wir Frühstück gebucht haben, gehen wir schon 7:30 Uhr dahin. Das Buffet ist übersichtlich, aber außer frischen Obst vermisse ich nichts, da wir eher die süßen Frühstücker sind.

Wir laufen zurück zur Kirche, die laut Internet 9 Uhr öffnet, doch als wir ankommen, ist die Tür verschlossen. Nur an der Seite kommt man zu der Krypta rein. Dort ist auch ein Büro und die Dame dort, spricht nur Ungarisch. Ich frage mit Übersetzer, ob wir in die Kirche können und einen Pilgerstempel bekommen. Ihre Antwort ist nein. Die Kirche ist nur zu Gottesdiensten geöffnet und einen Stempel haben sie nicht. Na das war wohl nix. 

Wir pilgern aus dem Ort hinaus auf eine kleine Insel. Der Weg ist schön schattig und angenehm zu laufen. Der Himmel ist wolkenlos und 28°C sind vorhergesagt.




Danach geht es auf Asphalt weiter bis über eine Brücke, wo der Weg nach der Überquerung steil an der Böschung hinunter zur Rákevei- Duna führt. Durch ein schattiges Wegstück laufen wir bald immer gerade aus auf der Straße entlang, vorbei an Wochendhäusern und Grundstücken.



Hinter gefühlt jedem 2. Zaun bellt ein Hund. Am Wegesrand stehen heute jede Menge Kirschbäume und so wandert immer wieder eine Handvoll Kirschen in unserem Mund. Holger gewinnt beim Weitspucken.


Ich bin immer wieder erstaunt, was hier so gesammelt und in die Gegend gestellt wird.


Hier wachsen die Räder schon ein🫢

Der viele Asphalt in der Sonne ist anstrengend und an einem Spielplatz finden wir noch einmal einen Wasserhahn und dort erfrischen wir uns. Erst nach 17 km kommt eine Bank für eine Pause. Ich finde einen Trampelpfad zwischen den Häusern und dem Fluss und wir ignorieren dass Schild am Rand, da wir es nicht lesen können. Unterwegs merken wir allerdings, dass es wohl heißt: Privatgrund, denn der Rasen ist unterschiedlich gemäht. Es läuft sich aber viiiel besser. Ein paar alte Bäume spenden uns Schatten.








Unterwegs sind in unserer Karte drei Kneipen eingezeichnet, welche nicht mehr existieren. Zum Glück haben wir genügend Wasser im Rucksack. Ich beobachte Schmetterlinge und freue mich an den Blumen am Weg.





Nach 26 km kommen wir in Rakevé an und der erste Gang ist zum Supermarkt, um kühle Getränke und Teilchen zu kaufen. Dann geht es zum Hotel, dass Holger heute gebucht hat. Luft nach oben gibt es ja immer und heute hat er noch einen drauf gesetzt. Nicht nur Hotel mit Sauna und Pool, sondern auch noch Halbpension, zu zugegeben einem unschlagbaren Preis. Wir checken ein und das Hotel ist sehr plüschig und gemütlich. Das Zimmer ist groß, mit begehbaren Kleiderschrank und Balkon.
Wir setzen uns raus, essen was und dann waschen wir uns den Staub von den Kleidern und unserem Körper. 





Danach geht es in den Spa- Bereich und der ist sehr schön, sauber und groß. Wir genießen diesen Luxus und in der Sauna entspannen sich die Muskeln.









Am Pool lernen wir ein Radler- Pärchen aus Franken kennen, die die gesamte Donau entlang radeln. 
Abends gibt es ein Buffet und wir sitzen mit ihnen zusammen und unterhalten uns nett. So klingt der Abend wunderbar aus.


Am nächsten Morgen gehen wir frühstücken und da wir wieder auf Alexandra und Dieter treffen, schwatzen wir angeregt und kommen doch erst später los. Die Sonne scheint schon kräftig und wir laufen über die Brücke zum Rathaus und stehen vor zwei verschlossenen Kirchen. 



Wir pilgern wieder direkt am Fluss vor den Häusern auf einem Trampelpfad entlang. Seerosen, Libellen und Schwäne erfreuen unser Herz. Als es nicht mehr weiter geht, schwenken wir auf einen Damm, den wir heute bis zum Ziel nicht mehr verlassen werden. Hier oben geht ein Wind, sodass die Hitze aushaltbar ist.




An einem öffentlichen Badeplatz machen wir die erste Pause und setzen uns an den Badesteg.




Später geht es auf dem Damm weiter und wir sehen Kraniche, Hasen und ein Reh. Die Häuser am Fluss liegen wunderschön und es gibt von der kleinen Hütte bis zum großen Neubau alles. Dann endlich laufen wir durch ein Stück Natur pur, doch plötzlich ist Verkehr auf dem hier asphaltierten Damm. Nach einer Kurve kommt eine Badestelle mit zwei alten Duschen und einer Pumpe und alles funktioniert noch. Wir füllen unsere Wasserflaschen auf, halten den Kopf zum Kühlen darunter (28°im Schatten, wir laufen in der Sonne) und sehen nun 99 Parzellen, die an Angler mit Wohnwagen, Zelt oder einfach nur mit Auto vermietet sind. Manch ein stolzer Ungar flaggt sogar, jeder Ungar angelt.😀







Über eine Schleuse kommen wir nach Tasso üdülöterület ( keine Ahnung wie man das aussprechen soll🤭), wo es einen Laden, zwei Kneipen und drei Unterkünfte geben soll. Vor Ort finden wir zwei Unterkünfte und eine Kneipe, die jedoch nur Samstag und Sonntag geöffnet ist. Also können wir hier nicht bleiben und laufen 5 lange, heiße Asphalt- Kilometer nach Tasso, wo wir einen offenen Laden und ein Appartement auf dem Bauernhof finden. Die Tochter des Hauses (ca.14 Jahre) kann etwas deutsch und zeigt uns alles. Die Lage ist urig, die Ordnung ungarisch und die Sauberkeit, da darf man nicht so pingelig sein. Wir bekommen noch Töpfe, das W- LAN ist kaputt und eine Anmeldung brauchen wir nicht ausfüllen. Alles klar.





Wir ziehen ein und gehen einkaufen. Im kleinen Tante- Emma-Laden, indem zwei Verkäuferinnen arbeiten, behelfen wir uns mit google- Lens und kaufen für das Abendessen und das Frühstück ein. Es dauert, ist lustig und wir werden genauestens beobachtet. An der Kasse fragen wir noch nach einem Stempel, da unsere Unterkunft keinen hat, und haben nun den Beweis, dass wir in Tasso waren.

Zurück im Apartment duschen wir, ich putze die Gartenmöbel und dann hängen wir Wäsche raus. Zum Abendessen gibt es Nudeln mit Zwiebel- Letscho und Ziegenkäse. Der Nachtisch ist Pudding von Zott. 




Mich erstaunt immer wieder, dass in Ungarn alles stehen oder liegen bleibt, wo es "losgelassen" wird und dann bleibt es da bis....? ( Die Ziegen dran ersticken?)


Heute sind wir also etwas spartanischer unterwegs. Wir sitzen vor der Tür und genießen noch ein Bier. Mir schmeckt das, hier immer, alkoholfreie Radler von Dreher sehr lecker. Küchendienst übernimmt Holger und nach einer erfolgreichen Fliegen- und Mückenjagd gehen wir schlafen.

Am Donnerstag frühstücken wir und starten in einen weiteren heißen Tag. Über Feldwege wollen wir zurück auf den JW und nach einer halben Stunde sind wir staubig bis zu den Knien, denn der feine Staub klebt wunderbar an der Sonnencreme.
Vorbei an schon fast reifen Getreide sehe ich viele, kleine Krabbelkäfer im Korn.



Am Ortseingang von Szalkszentmárton 
finden wir wieder eines von den Grundstücken, das meine Nackenhaare aufstellt.


Gegenüber werden wir schnatternd von Enten empfangen und sie klingen richtig aggressiv.


Zurück auf dem Damm laufen wir und machen bald eine Pause im Schatten eines Baumes. Der Durst ist übermächtig. Ein kleiner Hase setzt sich in der Nähe ins Gras und bemerkt und nicht.




Hoch oben auf dem Damm.

Kiesgrube


Danach geht es immer schön in der Freiluft- Sauna nach Dunavece, wo die Kirche verschlossen ist. Im Moment ist der Pilgerweg frei von religiösen Einkehrmöglichkeiten. Ein komisches Gefühl.
Der Supermarkt hat offen und so setzten wir uns auf eine Bank in den Schatten. Holger holt sich eine Cola, ich einen Kaffee. Mit Nudelsalat ergibt das eine leckere Mittagspause. Danach essen wir ein Stück sehr leckeren Kirsch- bzw. Quarkstrudel als Nachtisch. Frisch gestärkt begeben wir uns wieder auf den Pilgerweg der uns zurück auf den Damm und dann 3 km nach Apostag führt. Wir begegnen einem Schäfer mit seiner Herde und der Esel beschließt Holger ein Stück zu folgen.




In Apostag ist die Kirche entweiht und direkt daneben ist jetzt ein Gestüt. Am Platz davor gibt es einen Pilger- Springbrunnen.


Am Wasser- Brunnen schöpfen wir Wasser über unsere heißen Häupter und füllen unsere Flaschen auf.


Erfrischt ziehen wir weiter und jetzt geht der Weg von der Donau weg. Ein Blick auf die Karte zeigt uns eine kleine Abkürzung zu unserem Ziel, die wir nutzen. Hier ist ein Feld schon golden und wunderschön anzusehen.



Nach einem kleinen Anstieg geht es bergab in eine völlig neue Landschaft, die sehr an die Toskana erinnert.



In Ermangelung an einen Pfahl wurde die Markierung hier gut sichtbar angebracht.
Dann entdecke ich eine hohe, kugelförmig blühende Pflanzen mit einem sehr süßen Duft. Überall brummen Bienen oder Wespen verschiedener Art und ich stehe in einer Wolke aus Schmetterlingen von klein bis Handgroß. Ich bin total überwältigt und versuche sie mit der Kamera einzufangen, was selten gelingt. Holger teilt die Freude nicht und drängt zum Weitergehen.






Nach 31 km erreichen wir Solt und unser Appartement. Den Laden, den Maps uns zeigt, gibt es nicht mehr. Also checken wir ein und haben ein wirklich schönes Appartment. Es ist liebevoll eingerichtet, sauber und die Dusche funktioniert. Ein kleines Wunder in Ungarn.






Zum nächsten Laden wären es noch einmal 1,6 km, die wir nicht gehen wollen und so ordern wir im Bistro per Telefon das Abendessen. Inzwischen trocknet unsere Wäsche im Hof, denn wir haben bei der Vermieterin auch eine Waschmaschine buchen können. Morgen früh sind wir also staubfrei.😀
Wer Hunger hat, bestellt zuviel. Wir wissen jetzt, dass eine 45 cm- Pizza zuviel für uns zwei ist und deshalb bekommen unsere Vermieter noch etwas ab. Nur der Hund geht leer aus. Frühstück für Morgen haben wir auch, denn dass Dessert passte nicht mehr rein.🫣

                 Lieferung kommt.



                 Er geht leer aus.

               Holger hat alle Hände voll zu tun.

Kommentare

  1. Danke für deine Berichte, war wieder sehr spannend. Ungarische Sprache ist nicht ganz einfach, aber nicht so schwer wie polnisch.
    Euch beiden einem guten und gesunden weiterlauf🙏

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