Nach diesem anstrengenden Tag schlafen wir aus und lassen uns das Frühstück im Hotel schmecken. Wir checken aus und gehen in einen nun wieder wärmer werdenden Tag in die Sonne. Am Fluss entlang kommen wir zu einem lauschigen Fleckchen und setzen uns hin.
Ein Mann fragt nach dem woher und wohin und erzählt dass er aus dem Kosovo ist und nach dem Krieg hier geblieben ist. Ein anderer Mann löst ihn ab und erklärt uns, dass wir hier nicht campen dürfen. Erst als wir ihm erklärt haben, dass wir im Hotel schlafen fragt er uns weiter aus. Auf den Kosovo ist er gar nicht gut zu sprechen. Dass sind alles Banditen und schlechte Menschen. Ich staune wieder einmal über diese Meinung, denn sie begegnet mir nicht zum ersten Mal. Die Ungarn sprachen auch so über die Serben. Wir ziehen weiter und er nötigt Ursula Geld auf, von dem wir eine Cola trinken sollen. Ursula diskutiert nicht lange und nimmt das Geld.
Dann laufen wir in das Zentrum von Kraljevo. Ein paar Jungs ( ca.10 Jahre alt) fragen uns auf Englisch wo wir herkommen und hinwollen. Sie staunen über unsere Antwort und wünschen uns einen schönen Tag. Die Stadt hat eine schöne Fußgängerzone, in der eine Kneipe an die andere grenzt. Überall sitzen Leute oder flanieren von Laden zu Laden. Es ist sauber und erscheint uns eher als " die Perle des Südens".
Dann laufen wir 6 km geradeaus zum Kloster Zica, wo wir unsere kurze Etappe beenden und um ein Obdach bitten.
Die Schwestern nehmen uns sehr freundlich auf und sind sehr neugierig und aufgeregt, sodass wir viele Fragen beantworten.
Wir werden mit Kaffee und Windbeutel verwöhnt und dann werden wir zum Lunch geführt. Danach bekommen wir ein hübsches Zimmer und ruhen uns aus.
Abends gehen wir zum Gottesdienst und der Gesang der Schwestern ist wunderschön, allerdings strengt mich das lange Stehen an. Danach gibt es noch ein Abendessen mit einer Gastfamilie und dem Pfarrer. Es geht sehr schweigsam zu.
Am Sonntag stehen wir 5 Uhr an der Pforte und verabschieden uns von den Schwestern, die uns noch ein Frühstückspaket mitgeben. Wie lieb von Ihnen. Wir laufen in den Sonnenaufgang und die Luft ist angenehm warm.
Wir kommen gut voran und in Mataruska Banja gibt es 6 Uhr schon eine offene Bar, eine Bäckerei und einen Laden, am Sonntag! Wir trinken also den ersten Kaffee des Tages, bevor es von der Straße weg in den Wald geht. Es läuft sich herrlich, da es noch nicht so heiß ist.
Straßenschild im irgendwo😉
Wir setzen uns an den Wegesrand und genießen unser Frühstück. Lecker Tortilla und Saft, den die Schwestern herstellen.
Von oben sehen wir eine große Brücke, über die wir müssen. Sie erweist sich als sehr wackelig und die Bretter sehen nicht vertrauenserweckend aus. Doch wer wagt...kommt drüben an. Später sehen wir, dass weiter hinten eine neue Brücke gebaut wurde.🫣
Aber wir laufen nach Plan.
So kommen wir nach Bogitovac. Ab hier müssten wir 30 km an der Fernverkehrsstraße, durch ein enges Tal laufen. Diese Straße hat uns schon einmal die Nerven geraubt hat. Deshalb halte ich den Kilometerzähler an und wir warten auf den Bus, der uns sicher durch das Nadelöhr bringt. Im Restaurant erfahren wir, dass der Bus 11 Uhr kommt. Wir haben nach einem weiteren Kaffee noch eine Stunde und stellen uns an die Haltestelle, um per Anhalter zu fahren. Die ersten Autos fahren vorbei und plötzlich kommt schon 10 Uhr ein Bus, der uns mit nach Usce nimmt. So kommen wir schnell und sicher weiter.
Kurze Pause bevor es, bei nun inzwischen 30°C weiter geht. An einer kleinen Landstraße laufen wir auf und ab in das 11 km entfernte Kloster Studenica. Die Bergwelt ist wunderschön. Die Sonntagsausflügler hupen und winken uns zu.
Im Schatten einer Bushaltestelle pausieren wir noch einmal bevor wir die letzten Kilometer bezwingen. Am Fuße des Klosters trinken wir noch ein Bier/ Radler. Der einheimische Stammtisch ist auch da und Ursula tritt zum Selfie an. Als mir der Fotograf zu nahe kommt, schlage ich seine Hand weg. Das findet er "Scheiße"( plötzlich kann er deutsch) und beschimpft mich als " Kurva", aber er lässt ab und setzt sich zu seinen Kumpels. Ich zeige ihm eine unschöne Geste und damit ist es erledigt.
Die letzten Meter sind schnell geschafft. In die Kirche dürfen wir nur mit bedeckten Beinen und so binden wir uns eine Kellnerschürze um und bewundern die alten Malereien.
Im Gästehaus beziehen wir ein kleines, klösterliches Zimmer und legen die Füße hoch. Hier ist niemand an Pilgern interessiert und so bekommen wir keinen Stempel. Niemand hat einen.😥
Morgens weckt mich Ursula und wir gehen zur Messe. Wir sind die einzigen Gäste und die Liturgie ist mir immer noch ein Rätsel. Doch die sonoren Stimmen lassen mich die Augen schließen und tief in mir Zwiesprache halten. Es ist beruhigend und so gestärkt beginnt der Tag.
Nach einem Frühstück mit einem sehr fettigen Omelett geht es hoch hinaus in die Berge. In steten Kurven erklimmen wir Meter um Meter.
Von oben sehen wir noch einmal auf das Kloster.
Wir finden eine Abkürzung auf einen Forstweg und es läuft sich prima.
Dann geht es wieder auf die Bergstraße, auf der extrem wenig Verkehr ist. Kein Wunder, bestehen die Siedlungen hier oben nur aus ein paar Häusern. Kein Laden, keine Bar....nix.
Dann finden wir die zweite Abkürzung und die zeigt sich nach einer Weile von der struppigen Seite. Am Ende kriechen wir auf allen Vieren auf die Straße zurück.
Die Ausblicke sind wunderschön und die Sonne gewinnt hier oben schnell an Kraft. Zu einer alten Kirchruine mit Friedhof steigen wir auf und machen im Schatten eines Pause. Eine lange Schlange schlängelt durchs Gras und wir warten damit sie ihren Weg findet.🫣
Die Friedhofskultur ist auch eine interessante. Nicht nur dass Fotos vorn und hinten ( meist Hochzeitsbild) eingearbeitet sind, Plastikblumen sind Standard, aber auch Kaffeegeschirr, Kochtöpfe und Getränkedosen stehen darauf.
Danach laufen wir weiter bergab und ein Haus ist dabei sich selbst aufzulösen. Irgendwann fällt etwas herab...
Dann blühen riesige Disteln am Straßenrand und unzählige Schmetterlinge umschwirren sie und uns. Wir sehen Wolken von Schmetterlingen.
Immer wieder schweifen die Blicke in die Ferne und es ist wunderschön. Ein Wasserfall kühlt mir den Nacken und ein Bach die Milch. Danach kommen wir an einem " Himbeer- Garten" vorbei.
Ja und dann auch wieder an einer illegalen Müllkippe im Naturreservat.
Nach 15 km kommen wir Mittags in Rudno an und gehen in ein offenes Restaurant, um etwas zu essen. Das einzig Vegetarische sind Spiegeleier mit Käse und Brot. Mein Cholesterinspiegel jubelt. Der Käse schmeckt allerdings nach alter Ziege und so lasse ich die Finger davon.
Wir gehen zu unserem Apartment und haben wieder einmal einen treuen Begleiter, der sich still auf unserer Terrasse nieder lässt und auf Adoption wartet.
Blick von der Terrasse
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