Auf nach Belgrad

Die Hitze geht weiter und wir stehen schon 4:40 Uhr auf der Straße und erfreuen uns den lauen Temperaturen, die momentan noch herrschen. Es ist absolut Windstille.

Wir laufen aus der Stadt und oben auf dem Berg steht eine orthodoxe Kirche die geöffnet ist. Die Malereien sind faszinierend.




Wir laufen an der Straße und ich entdecke ein Schild, dass hier wohl jeder missachtet.


Dann geht es hügelig weiter und die Abwechslung ist uns sehr willkommen. Durch Hohlwege vorbei an Feldern und Obstgärten kommen wir zu Weingärten. Hier wird serbischer Wein angebaut und wir beobachten aus der Ferne wieviel Landarbeiter in einen 5- Personen - Pkw passen. Acht Leute finden Platz und winken uns, als sie vorbeifahren.









Dann sehen wir schon Sremski Karlovci mit seinen Kirchtürmen. 

Die erste Kirche ist auch Orthodox und eine junge Nonne schließt gerade auf. Ich helfe ihr die gerade geleerten Mülltonnen hinter die Kirche zu bringen und dann dürfen wir sie besichtigen.

In der Stadt selbst gibt es viele Vinerien, aber es ist erst 8 Uhr und eher Zeit fürs Frühstück.



Doch erst besichtigen wir noch die St. Nicholas- Kirche, bevor wir eine Bäckerei suchen.





Noch ein Rundgang durch die Stadt und die Highlights sehen. 


                 Vier Löwenbrunnen


Ehem. Gymnasium (Besichtigen nur mit Führung 



                 Vinothek ohne Verkostung 🫣
       Friedenskirche war geschlossen.



Dann müssen wir auf einer Straße weiterziehen und der Verkehr nervt, es ist inzwischen heiß und der Asphaltgeruch in der Nase ist unangenehm. Eine Radlerin hält an. Wir schwatzen mit Monika (55), Beamtin aus Berlin, die mit dem Rad von Donaueschingen bis zum schwarzen Meer unterwegs ist. Sie erzählt, dass sie sich gestern einen Abstandshalter ( Rolle Geschenkpapier) gebastelt hat, da die Autos so eng überholen. Die Probleme haben also nicht nur wir. Alles ähnelt und wird gleich empfunden. Dann verabschieden wir uns.


Wir kommen an einem Parkplatz aus planierten Ziegelsteinen vorbei und wundern uns, da die Steine neu aussehen. Des Rätsels Lösung finden wir kurze Zeit später, ein Ziegelwerk nutzt wahrscheinlich seinen Ausschuss für den Mitarbeiter - Parkplatz. Kirre.



Kurz danach geht es ab von der Straße auf einen schönen, sogar schattigen Hohlweg wieder in Donaunähe.



Langsam werden wir hungrig. Es ist Mittag, doch wir finden erst einmal nichts. Doch dann ein Schild und wir kommen zu einem Restaurant im serbischen Stil. Wir sind die einzigen Gäste und die Dame empfiehlt uns eine Spezialität, als wir nach vegetarischen Essen fragen. Sie zeigt uns tiefgefrorene Baumpilze. Oh nein, da fehlt mir das Vertrauen. So bestellen wir Salat und bekommen eine Schüssel voll grob geschnittener Gurke, Tomate, Paprika und Zwiebeln. Lecker.
Als wir bezahlen, stellen wir fest, dass es völlig überteuert ist für Serbien. Doch sie zieht uns zum Fernseher, wo Bilder der Demos vom Wochenende laufen und erklärt, dass die Regierung schlecht ist und Gemüse sehr teuer. Okay, diskutieren macht keinen Sinn, auch wenn wir die Supermarktpreise kennen.🤗

 
Der Hund sitzt die ganze Zeit bei uns und hofft, dass etwas abfällt. Leider essen wir alles selber.


Wir ziehen weiter und laufen durch phantastische Hohlwege. 




Ja und dann wieder durch Sonnenblumenfelder, und ich habe mich noch nicht satt gesehen. Das satte gelb erfreut meine Seele und die geballte Wucht der Weite lässt mich immer noch ein paar Fotos machen. Sie machen mich fröhlich.




Dann geht es einen Berg hinauf und hinter einer Kurve holt mich die Realität zurück. 4 übervolle Müllcontainer und im Umkreis von 50 m ekelerregende Müllhaufen. 
Ein Auto hält und eine jüngere Frau steigt aus und spricht uns Englisch an: Es sei heiß heute! Ja, antworte ich und heiß und sehr schmutzig hier. Sie antwortet: Ja, sehr schmutzig. Die Leute wären crazy und bringen den Müll hierher. Bye, bye...sagt es und macht den Kofferraum auf, um ihren Müll hinzuwerfen!
Ich mache das Foto und sie ruft: No photo, no! Aber da muss sie jetzt durch! Ich bin schockiert!



Die letzten Kilometer liegen vor uns. Oben auf dem Hügel steht ein großes, goldenes Kreuz, dass nachts beleuchtet wird. Es glänzt in der Sonne hoch über dem Müllplatz. 



Nun geht es nur noch bergab zu unserem Hotel an der Donau. Wir können durch den Hintereingang und treffen auf eine Putzfrau, mit afrikanischen Wurzeln. Wunderhübsch anzusehen mit einem großen Turban in fröhlichen Farben um den Kopf geschlungen. Sie schickt uns zum Chef, der sagt, dass ein Zimmer frei ist. Wir werden von einer Angestellten escortiert und der Anblick des Zimmers macht nicht fröhlich. Als ich das Fenster öffnen will, ist kein Griff dran. Das geht zu weit. Ursula ist gelassener als ich. Ich gehe mit dem Übersetzer zurück und Frage, ob wir ein Zimmer mit einem Fenster zum öffnen bekommen können. Klar, kein Problem. Also umziehen und Fenster auf. Die Dusche ist Typ: mit Badelatschen rein und bitte nirgends anecken 🫢 Alles möglich und ich werde gelassener. Doch als ich den Kühlschrank öffne habe ich den blanken Ekel. Schnell zu und nicht mehr daran denken.



Das Essen im Restaurant ist lecker und auch hier haben wir einen Tisch -Bewacher, der hofft etwas abzubekommen. Über uns im Dachbalken nisten die Schwalben und der Blick über die Donau lässt eventuelle Gedanken an die Hygiene in der Küche vergessen.





Wir haben tatsächlich den Wecker von Ursula nicht gehört. Mein Handy lag mangels Steckdosen im Bad. Also raus aus den Federn und 5 Uhr am Start. Der Sonnenaufgang ist wieder magisch.




Wir sind heute ab vom JW unterwegs, da er jede Donauschlinge mitnimmt und es in den kleinen Orten keine Quartiere gibt. 40 km bei 34° sind einfach kein guter Plan. So schauen wir, dass wir über das "Inland" abkürzen können und finden eine Alternative. Am Anfang noch auf unbefestigten Straßen durch hügeliges  "Datschenland" und dann geht es bergab in eine Ebene durch die Felder. Maisfelder, abgeernteten Weizenfelder und riesige Sonnenblumenfelder. Sie leuchten satt gelbgolden der Sonne entgegen. Für mich sind sie die Lichtblicke an diesem heißen Tagen. Im ersten Ort ist noch alles geschlossen und im Zweiten finden wir erst ein Teilchen und später noch den obligatorischen Kaffee. Das frühe Aufstehen hat meinen Biorythmus vollständig neu geordnet. Zu Hause frühstücke ich nur am Wochenende und sonst esse ich erst gegen Mittag. Hier stehen ich 4 Uhr auf, habe 6 Uhr Hunger, Mittags schon wieder und abends muss ich 20 Uhr ins Bett, weil mir die Augen zufallen. Mit Ursula hat das Zimmerpicknick ein Ende gefunden und wir gehen essen. Die serbische Küche ist fleischlastig und so gibt es entweder Salat oder gegrilltes Gemüse. 


Unterwegs sehen wir hübsche Bienenkästen und 
ich bemühe mich meinen Blick auf der Ein- Meter- Linie zu halten, um nicht von soviel Umweltfrevel betroffen zu sein. 


       Ein Bienen- Wohnmobil🤗

Die Sonne auf dem Asphalt lässt die Luft knapp werden und der Staub macht mich in Nullkommanix zum Pilgerschwein. Ehrlich gesagt, ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut. 
Dann soll es an einem Feldweg weitergehen, doch inzwischen ist eine neue Straße gebaut wurden und der Verkehr ist nervig, denn der Fußweg/ Radweg wurde vergessen. Am Rande liegt wie überall Müll und überfahrene Wesen. Partiell ist der Feldweg noch erkennbar, aber nicht mehr unbedingt begehbar. 


So geplagt und genervt erreichen wir Stari Banovci und am Rande stehen gepflegte Einfamilienhäuser. Dann kommen neu gebaute Mehrfamilienhäuser, neue Straßen und ich denke, es geht doch. Vielleicht liegt es daran, dass Belgrad nicht mehr weit ist. 



In der ersten Bar trinken wir etwas und auch hier gibt es kein alkoholfreies Bier. Also bestelle ich mir ein Bier, da ich genug Wasser getrunken habe. Die Wirkung setzt sofort ein und ich esse zwei Waffeln und halte mich an meinen Stöcken fest. Das Quartier ist hübsch und ich koche einen starken Kaffee, danach geht es mir besser.




Abends gehen wir in ein Restaurant direkt an der Donau. Der Ort ist famos, doch mit dem Personal ist nichts los. Service ist ein Fremdwort. Alles dauert und dann kommt der Salat für Zwei: eine Platte mit Krautsalat, einer großen, in Scheiben geschnittene Tomate, eine halbe Gurke in  Scheiben geschnitten, eine ganze Peperoni und zwei ganze Lauchzwiebeln. Dazu 2 Gabeln. Als wir nach Tellern und Messern fragen, schaut der Kellner verständnislos und meint, dass sei nicht üblich. Doch als wir beharren, bringt er es uns. 




Ein Serbe, der das Zimmer neben uns hat, setzt sich zu uns an den Tisch und erklärt uns die serbische Welt: Es ist Sommer, heiß und chillig. Die Klugen zieht es in die weite Welt und die die übrig bleiben, die " TikTok -Jugend" will nicht arbeiten. Deshalb dauert alles ewig und keiner will schwitzen. Logisch, oder?


Am nächsten Morgen starten wir pünktlich 4:40 Uhr und es sind angenehme 19°C. Die Stadt schläft, nur die Hunde streunen schon rum, lassen uns aber in Ruhe. An der Bushaltestelle steigen gerade die Pendler ein, dann ist die Straße wieder leer.

 
Wir kommen nahtlos nach Novi Banovci und finden auf 100 m vier Bäckereien, die ab 5 Uhr geöffnet sind. Also genießen wir noch warme Blätterteigteilchen und laufen aus der Stadt. An der katholischen Kirche staunen wir, dass die Tür offen steht und ich gehe in mich und bitte um einen stressarmen Pilgertag.



Bergan geht es auf eine Ebene, vorbei an Datschen, Feldern und es ist kaum Schatten. Die Temperaturen steigen, der Asphalt "kocht" und der Müll ist wieder überall. Teilweise stinkt es wieder zum Himmel. Dazu kommen noch Hunde, die aus den Büschen plötzlich hervorspringen und bellen. Ich komme mir vor wie ein Radar, denn ich schaue ständig, ob sich irgendwas bewegt. Inzwischen erschrecke ich sofort, wenn es neben mir raschelt. Doch es war nur ein Rebhuhn. Es ist schon so extrem, dass ich, weil die Sonne blendet, zwei Beine sehe, und denke es ist ein Hund. Als ich näher kommen ist es ein Schild. Crazy.
An einem Kreuz finden wir eine schattige Bank und ruhen aus, bevor es weiter geht.


Auf der weiten Ebene vor uns sehen wir Belgrad in der Ferne. Doch der Weg ist noch weit und wird zu einem staubigen Feldweg. Links von uns ist ein Wall und die Rebhühner und ein Fasan flattern auf. Hasen toben über die Wiese.
Plötzlich kommen wir wieder zu verbrannten Müllresten und ich sehe, dass der Wall ein Müllwall ist, der schon zugewachsen ist. Direkt dahinter ist das Weizenfeld. Ich versuche zu verstehen, warum den Menschen ihre eigene Umwelt so egal ist. Finde aber keine Lösung.



Wir kommen nach Zemun und alles an der Straße sieht trostlos und verwahrlost aus. Müll überall, Staub, kaputte Gehwege....


Später müssen wir auf eine stark befahrenen Straße abbiegen und in die Stadt laufen. Der " Überlebenskampf" beginnt, da es keine Alternative gibt. Es gibt weder einen Fußweg noch einen Radweg und so laufen wir am Rand und springen in den Dreck, wenn ein LKW oder Bus kommt. Später kommen Ampeln ( Industriegebiet zu beiden Seiten) und so nutzen wir die Rot- Phasen um vorwärts zu kommen, bis endlich irgendwelche Trampelpfade oder kaputte Gehwege mal links, mal rechts zu erkennen sind.
Ich bin ziemlich deprimiert.


Im Ortszentrum laufen wir parallel zur Donau, doch sehen wir sie nicht, da die Grundstücke bis ans Wasser reichen. 
In einer Bar trinken wir einen Kaffee und gehen weiter, um etwas zu Essen zu finden. 
Die Bausünden am Weg sind enorm und gefühlt jedem dritte Baustelle ist Geschichte, ohne, dass sie fertig gestellt wurde. Verrückt.

In einem Restaurant gibt es 11 Uhr noch die Frühstückskarte und so essen wir Neapolitanische Eier. 


Dann laufen wir nach Neu- Belgrad ein und schön und hässlich wechseln sich ab. 







Wir haben ein Zimmer im Hostel auf dem Fluß und checken ein. Ich habe eine kleine Krise, doch nach der Dusche geht es mir besser. Der Blick von dem Balkon ist sehr schön. Ein Lüftchen weht, so lässt es sich aushalten.





Hier im Hostel treffen wir Marie und Erik, ein französisches Pilgerpaar, dass auch auf dem Weg nach Jerusalem ist. Ursula spricht auch gut französisch, sodass sie sich perfekt unterhalten können. Meine rudimentären Kenntnisse reichen dafür nicht aus und so schweifen meine Gedanken immer wieder ab. Abends gehen wir zusammen essen und erleben im Jachtklub wieder einmal den serbischen Servicegedanken.






Wir gehen zurück in unser schwankendes Haus und hören vom Bett aus ein großes Konzert am Donauufer. Nix mit Ruhe. Ich mache die Kopfhörer an und versuche zu schlafen.

Kommentare

  1. Ohhweier, das ist ja ein anstrengender Lauf, wir haben ja hier auch über 30°C , manchmal mehr, aber ich vertrage diese Temperaturen auch nicht, doch ich kann mich in der Wohnung verbarrikadieren.
    Übrigens dieses rot blühene Heckenpflanze haben wir auch im Garten, Jasmin-Trompete.
    Ich wünsche dir dutchhaltevermögen und achte auf deinen Körper, daß du nicht ,,blau" wirst alles Gute für dich weiterhin. Liebe Grüße von Regina

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  2. Lieben Dank. Ich gebe mir Mühe "cool" zu bleiben.

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