Endlich wieder Berge

 Am Sonntag geht es wieder sehr früh weiter. Die Nacht hat keine Abkühlung gebracht und morgens sind schon 22°C.



Ohne Hunde- Zwischenfälle gelangen wir aus der Stadt auf "unseren" Damm. Die Sonne geht langsam auf. Wir staunen, dass wir kaum Müll am Rand sehen, sondern Wiesen und Felder. Es ist fast so entspanntes Pilgern wie in Ungarn, denken wir, und genießen dieses, lang vermisste Gefühl.



In der Ferne sehen wir ein "Gebirge", doch als wir näher kommen ist es eine große Müllkippe. Zum Glück ist es windstill und eine Baumreihe ist zwischen uns und der Deponie, sodass wir nicht unmittelbar daran vorbei müssen.

Auf dem Damm scheuchen wir wieder Hasen, Rebhühner und Fasane auf. Ein Sonnenblumenfeld erfreut meine Herz und auch Schmetterlinge können wir beobachten. Ein Bauer hat Probleme mit seiner " Packerl- Maschine" und wir grüßen ihn fröhlich.





Inzwischen ist es 9 Uhr, 15 km sind geschafft und es wird immer heißer. Wir laufen durch ein Straßendorf, dass auch aufgeräumt aussieht und fragen uns, ob wir ein Dejavu aus Ungarn haben. 
In einem Grundstück bellt aufgeregt ein kleiner Hund. Ich sehe eine Flasche Wasser auf dem Tisch stehen und denke: Jetzt ein kaltes Wasser und einen Kaffee, das wäre Glück. Mein Wasser hat inzwischen schon Tee- Trinktemperatur. 
Eine Frau kommt aus dem Haus und winkt uns zu und rennt und fragt, ob wir einen Kaffee möchten. Gibt es das wirklich? Fata Morgana, Sonnenstich? Nein, es ist Realität. Dragana bittet uns auf die Terrasse. Sie ruft ihrer Tochter zu, sie soll Kaffee kochen und holt ihre Enkelin Debara
(12), welche sehr gut Englisch spricht, zum Übersetzen. Anna, die 6 Jährige versteckt sich und will von uns nichts wissen. Wir unterhalten uns und Debara übersetzt fleißig. Sie erzählt auch von ihren Problemen in der Schule und dass sie jeden Tag 1km bis zum Bus läuft. Wir erfahren, dass schon Carlotta aus Spanien und Judith aus Deutschland hier bei ihr waren. Sie lädt gern Pilger ein. Ursula verträgt noch einen Schnaps und ich lasse zwei Freundschaftsbändchen als Dankeschön da. Dann verabschieden wir uns und laufen beschwingt weiter.



Wir laufen voller Optimismus weiter, denn bisher stimmt alles. Wir kommen an der Bushaltestelle vorbei und müssen schmunzeln.





Ich sehe dieses Grundstück am Weg und freue mich über den schönen Garten.

In der Ferne sehen wir hohe Türme und beim überqueren einer Brücke sehen wir ein großes Braunkohleflöz. 



Nun geht es an eine Landstraße und die Idylle ist vorbei. Es ist schmutzig, staubig und im Drei- Minutentakt fahren riesige Kipplaster an uns vorbei. Es staubt und ich halte mir ein Tuch vor den Mund. Kommt Gegenverkehr müssen wir in den dreckigen Randstreifen springen, denn Zeit zum Warten hat niemand. 
So kommen wir nach Poljane und an einem Sportplatz gibt es ein Restaurant. Davor stehen riesige Trucks. Auf der Veranda sitzen die Fahrer und eine Altherrenriege des Fußballclubs. 
Wir grüßen und werden freundlich begutachtet.
Einer der Herren spricht Englisch, weil er früher zur See gefahren ist und alle Länder kennt. Er teilt auch seine Meinung zu allen mit. Serbien hat doch die besten Menschen.
Ein anderer will mit uns wandern und unsere Rucksäcke tragen. Ich frage, ob eine Stunde oder einen Tag mit will, denn er sieht nicht sehr trainiert aus. Ein LKW- Fahrer antwortet: 1 Minute und alle lachen. Für sie sind wir die "strong women" und wir haben ihre ungeteilt Aufmerksamkeit und kurz danach steht ein Bier auf unserem Tisch. Ich bleibe bei meinem selbstgemixten Radler, dass auch hier kritisch beäugt wird, doch Ursula ist dem zweiten Bier nicht abgeneigt. Wir essen Schopska- Salat, dem einzigen vegetarischen Gericht. Doch satt sind wir nicht. Die Männer ordern für uns Omelette ohne Fleisch. Naja, den Speck muss ich aussortieren, da haben sie was mißverstanden. Vegetarisch ist hier noch nicht so weit verbreitet.



Dann verabschieden wir uns und die Kellnerin gibt mir noch einen kleinen Brief, weil die sich über das Trinkgeld gefreut hat und bedauert, dass sie keinen Stempel hatte. Wie süß von ihr. Der "Wanderer" bietet uns an und zu fahren, doch hat er in unserem Beisein schon 3 Bier getrunken. Nein Danke, außerdem rüttelt es an der Pilgerehre.
Der Weg wird nicht schöner und wir laufen in der Gluthitze, inzwischen sind 39°C und das Telefon fährt runter bzw. zeigt die Meldung, dass es wegen Überhitzung abkühlen muss. Dadurch ist der Bildschirm dunkel und die Kamera verweigert den Dienst. Verrückt! Wir erreichen Velicki Crljeni, eine Stadt, die von einem riesigen Werk dominiert wird und vor Schmutz und Armseligkeit strotzt. Hier ist alles deprimierend. Ein Bett gibt es hier nicht und wir sind schon über 30 km gelaufen.



An der Landstraße, an der wir jetzt laufen müssen, ist Rush- hour und die Sonne brennt gnadenlos. Wir buchen ein schönes Appartment in Lazarevac und ich mache Schluss mit der Wahnsinnstour. Meine Fußsohlen brennen und der Durst nimmt kein Ende. Deshalb beschließe ich nach 10 Stunden den Bus für die letzten 8 km zu nehmen. Ursula ist stur und läuft allein weiter. Jeder wie er mag, wir sind schließlich erwachsen.
In Lazarevac kaufe ich zwei Dosen Radler ( endlich finde ich es mal wieder) und eine große Flasche Wasser und laufe dann noch 2 km bis zum Quartier.
Es ist eine große Wohnung und sehr geschmackvoll eingerichtet. Die Hausdame ist sehr freundlich und beflissen. Kaffee, Tee, eine Flasche Wasser und eine Flasche Saft stehen gratis zur Verfügung. Ich freue mich auf die herrliche Dusche nach 35 km. Die Waschmaschine dreht sich und ich relaxe bis Ursula kommt.
Wir ruhen uns aus und gehen abends Pizza essen, weil die an der Ecke ist. Der Hunger lässt die Konsistenz durchgehen, Hauptsache satt.😄




        Blick vom Balkon in die Berge😄


Und wieder klingelt der Wecker 3:40 Uhr. Die Nacht hat wieder keine Abkühlung gebracht und so schwitzen wir schon nach ein paar Metern früh halb fünf.
Wir sehen, dass es eine Innenstadt mit Fußgänger- Zone gibt und ganz nett gestaltet ist. Ein paar Hunde laufen rum, von der schwanzwedelnden Sorte die jaulen, als wollten sie sagen: Nimm mich mit. Bring mich von hier fort. Friedlich lassen sie uns gehen.







In einer Bäckerei kaufen wir ein Teilchen, dass noch so heiß ist, dass ich mir die Zunge verbrenne. Allerdings ist es wieder so zuckersüß, dass es mir zuviel ist. Leider sind alle herzhaften Teile mit Schinken oder Wurst.
Ein Bus fährt vorbei und Ursula gibt mir eine Spitze. Ich kontere zurück " sie solle erst einmal in mein Alter kommen" und wir lachen. Es ist schön, dass wir nach kurzer Zeit schon so flachsen können.


Bergauf gehen wir auf einer unbefestigten Straße aus der Stadt. Die Sonne geht auf und das Licht ist wieder magisch.



Hunde kläffen, allerdings sind sie alle hinter Zäunen und das ist gut so.


Dann ist die Straße plötzlich frisch geteert, hat einen Bürgersteig und einen Fußweg mehrere Kilometer hinaus ins Niemandsland. Irgendwo muss ein Funktionär wohnen. Doch auch hier liegt der Müll in den Büschen.


Uns fällt auf, dass überall Marktfrauen Blumenkränze verkaufen und die Leute sie an die Tore binden, so wie wir die Osterkränze. Was steckt dahinter?



Es geht bergauf und ab auf Asphalt und wir laufen durch winzige Orte. In einer Senke mit einem einzelnen Haus kommen zwei Hunde bellend auf uns zu und lassen sich nur schwer abwimmeln. Ein Mann ruft etwas, doch wir verstehen nichts und die Hunde reagieren nicht. Ursula brüllt sie immer wieder an und der Mann findet dass nicht okay. Soll er sie doch im Hof lassen, wir wollen nicht spielen!
Später auf einem Grundstück ist wieder einmal ein Ersatzteillager für Autos aller Art. Diese gibt es in fast jedem kleinen Ort.


Unter einer Brücke liegt ein Schwein und im ersten Moment denke ich, es ist verendet, doch es klimpert noch träge mit den Augen.



Hinter einem kleinen Dorfladen sehe ich, wie der Verpackungsmüll "entsorgt" wird und wundere mich, dass ich mich noch wunder.


Wir kaufen kalte Getränke und die Inhaberin lädt uns auf einen Kaffee ein. Sie spricht Französisch, da sie bis Corona in der Schweiz in der Hotellerie gearbeitet hat. Nun muss sie unsere Fragen zum morgigen Weg beantworten. Wir wollen vom JW abweichen, da er wieder nur über Straßen führt. Auf der Karte haben wir einen Wanderweg durchs Gebirge gefunden und fragen, ob er begehbar ist. Oh, das ist wunderschön. Herrliche Natur. Unbedingt sollen wir da laufen. Irgendwie amüsiert mich ihre Natur- Liebe, die nicht hinter ihrem Laden gilt. Sie bietet uns an bei ihrer Mutter in Lijg zu schlafen, doch es gibt heute auf ihrer Straßenseite kein Wasser. Erst morgen wieder. Es herrscht Wasserknappheit. Nein, dass ist lieb, aber eine Dusche brauchen wir. Sie ruft ihren Bruder an, der einen Freund hat...und wir haben ein Bett in einer Pension an einer Mühle, die eigentlich heute Ruhetag hat. Sehr schön. Wir erfahren, dass die Blumenkränze für den heutigen St. Ivan- Feiertag sind, der kein gesetzlicher Feiertag, aber ein wichtiger in der orthodoxen Kirche ist.


Dann müssen wir weiter, auch wenn es drückend heiß ist. Die 39°C sind sicher erreicht und Schatten ist selten.
In Lijg sieht es sehr trostlos aus. Es gibt kein Restaurant, nur Cafés, die nichts zu essen haben. Wir kaufen im Supermarkt Getränke und in der Bäckerei ein Käseteilchen, dass einzige vegetarische im ganzen Laden. Wir gehen zum Flussufer und die Promenade sieht schlimm aus. Es dauert bis wir ein akzeptables, schattiges Plätzchen finden, um etwas zu essen.



Auf dem letzten Stück wird es erst lauschig und die Mühle ist schön gelegen. Leider ist der Mühlbach ausgetrocknet. Das Grundstück selbst ist sehr gepflegt und schön angelegt.



Das Zimmer ist klein und heiß, doch mit Durchzug wird es gehen. Stromausfall ist gerade und so muss die Powerbank herhalten. 
Mischko, der Wirt, rät uns vom Wanderweg ab. Er telefoniert mit dem Jäger und der meint der Weg ist nur mit  einer Machete begehbar. Hier wandert niemand. Er sucht uns eine andere Variante, die zwar auch Asphalt ist, aber an einer wenig befahrenen Straße, aber er findet auch kein Quartier für uns in einer Entfernung von 30 km. So beschäftigen wir ihn den ganzen Abend und seine Geduld mit dem Übersetzer ist famos. Doch am Ende müssen wir doch den JW gehen.


Abends bekommen wir Grillgemüse mit Nachschlag. Wunderbar, denn heute sind wir wieder ausgehungert.


Auch am Dienstag starten wir sehr früh, denn es soll wieder heiß werden und endlich einmal regnen. Allerdings gibt es Unwetterwarnung!
Wir verlassen unsere schöne "Insel" und bewundern noch einmal Mischkos gepflegtes Anwesen.
Am Fluss geht es bis zu einem großen Granitwerk, wo riesige Steine geschnitten werden.



Über eine alte  Brücke laufe ich vorsichtig, doch Ursula meint, dass seinen Stahlträger und sie wäre haltbar, auch wenn sie nicht so aussieht.
Der Himmel ist wunderschön von der aufgehenden Sonne. Es ist heute tatsächlich angenehm von der Temperatur.



Dann kommen wir zu der großen Straße, die morgens um 5 Uhr noch nicht so befahren ist. Alles paletti. Am Rande der Straße steht ganz unkonventionell eine Verkaufsausstellung. 



Langsam wird es hell und wir haben wunderbare Ausblicke in die serbischen Berge. Wow, wie schön das ist. Ich bin gerade richtig glücklich.


So erreichen wir Dici, wo ein alter Friedhof auf Besichtigung wartet. Leider gibt es keine Erklärungstafel, nur ein Verbotsschild, dass die Steine nicht betreten werden dürfen.





Die Kneipe, wo wir frühstücken wollten ist geschlossen . Zwei Serben, mit etwas zweifelhaften Aussehen begrüßen uns überschwänglich (auf dem Parkplatz), in Serbien und fragen woher wir kommen. Die obligatorische Frage, wie uns Serbien gefällt wird uns auch wieder gestellt. Doch ein Café wissen sie nicht. Wir gehen weiter und 200 m später finden wir eine Raststätte, wo es Kaffee gibt. Meiner Bitte um ein vegetarisches Sandwich erfüllt die Frau uns, da wir die einzigen Gäste sind. So warten wir geduldig 20 Minuten, bis unser Tomaten- Feta- Sandwich kommt. Gestärkt gehen wir weiter und der Verkehr nimmt zu. 
Auf der Karte habe ich einen kleinen Weg parallel zur Straße entdeckt. Wir gehen zurück und finden ihn. Es ist eine ehemalige Bahnlinie, der wir nun folgen. Am alten Bahnhof wäscht ein alter Mann gerade seine Wäsche und wir fragen, ob der Weg begehbar ist. Ja, ja. Herrlich laufen wir hier in morgendlicher Ruhe.


Dann sehen wir einen Schwelbrand und denken, dass er durch die Trockenheit entstanden ist. Doch als wir näher kommen, hat jemand den Müll angesteckt. Ich bekomme es einfach nicht in den Kopf.


Kurze Zeit später kommen wir an schönen Holzhäusern vorbei. Idyllisch liegen sie am Hang.



Am Tunnel müssen wir auf die Straße zurück, doch es gibt tatsächlich einen Fußweg. Danach hat jemand aus Baumstämmen einen Übertritt über die Leitplanken gebaut, der uns zurück auf die alte Bahnlinie führt. Ich bin so froh nicht an der Straße laufen zu müssen, denn inzwischen ist der Verkehr heftig.



Vorbei an einem Steinbruch laufen wir nun stetig bergauf und in die Berge hinein. Ein Blick zurück zeigt uns, wieviel Stein schon abgebaut wurde. Die Landschaft ist so idyllisch, die Wege schön, die kleinen Dörfer pittoresk und die Lösungen der "Probleme" manchmal unkompliziert.😄







Die Natur holt sich zurück, was der Mensch nicht mehr braucht. In diesem Fall sieht es fast aus wie Kunst. Nun geht es richtig steil bergauf nach Zagradje. Der Schweiß läuft, das Wasser rinnt die Kehle runter. Wir haben wieder gute 36°C. Doch die Natur ist so schön, sogar der Müll wird proportional zu den Einwohnern weniger.( Sehr dünn besiedelt😄). Wir genießen jeden Schritt und jeden Ausblick.
In Ugrinovci ist das Restaurant auch geschlossen. Wir picknicken an den Überresten eines Sportplatzes und mein Wasser wird knapp. Es soll in den nächsten Dörfern keinen Laden geben. Ich wappne schon den Übersetzer, um jemanden um eine Flasche Wasser im Ort zu bitten. Doch gegenüber der Post ist ein Supermarkt und ich bin gerettet. Wir kaufen noch ein "Kifle" ( Hörnchen), Käse und Kekse. Alles verpackt und nochmal verpackt. Bei der nächsten Trinkpause sinnieren wir über unseren ökologischen Fußabdruck. Im Moment produziere ich mehr Abfall in der Woche als sonst im ganzen Monat. Jeden Tag zwei PET- Flaschen, 2 Dosen, 2 Tüten...und entsorgen sie vorschriftsmäßig in Mülleimern. Doch weiß ich, dass sie nicht recycelt werden. Vermeiden kann ich es nicht. Ich komme mir ziemlich aus der Art geschlagen vor, wenn ich mich umschaue. Ursula geht es ähnlich und sie ertappt sich dabei, dass sie denkt, warum? Eigentlich könnten wir auch alles fallen lassen, wo es nicht mehr benötigt wird. Doch das macht es nicht besser. Wir bleiben bei unserem Bewusstsein und tragen alles, bis ein Abfalleimer kommt.





Weiter geht es durch die Berge und schon von Ferne sehen wir die Kirche, die wir besichtigen wollen und wo es einen Stempel geben soll.




Doch die Kirche wird bewacht und alle versuche den Hund zu beruhigen schlagen fehl. Kurz danach werden wir von einer Frau aufgefordert, das Grundstück zu verlassen. Wir dürfen hier nicht campen. Unsere Erklärungsversuche laufen in ein Telefonat hinaus, bei dem wir erfahren, dass der Pfarrer erst in 2 Stunden zurück ist und wir an der Schule campen sollen. Wir wollen aber nicht campen und ziehen weiter.
Inzwischen wird der Himmel schwarz. Wir ziehen die Regenklamotten keine Sekunde zu früh an, denn plötzlich schüttet es aus Eimern. Der Weg ist sofort ein "reißender" Fluss und die Schuhe klatschnass. Es donnert und wir suchen nach einem schützendem Dach. Nach dem Donner blitzt es und ich laufe vorneweg. Ich rufe Ursula zu, dass ich eine Unterstellmöglichkeit suche. Ich steige zu einem Grundstück hinab, laufe drumrum, doch es ist niemand da und es gibt kein Vordach. Zurück auf dem Weg ist Ursula verschwunden. Ich rufe, höre aber nur den Regen rauschen und den Donner grummeln. Ich renne weiter und biege vom Weg ab, da es dort noch Häuser geben soll. Es sind Datschen, die heute unbesucht sind. Ein Tor lässt sich öffnen und ein Vordach mit zwei Hockern bietet Schutz. Ich schicke Ursula den Standort, doch ich habe keinen Empfang. Mist. Ich hoffe ihr geht es gut und rufe immer wieder gegen das  Regen-Geprassel ihren Namen. Als es aufhört laufe ich zurück zum Weg und habe Empfang. Ursula ist weitergegangen und steht klatschnass an einem Gehöft, wo der Hund bellt, sodass ich sie finden kann. Ihr ging es wie mir. Sie hat auch gerufen und ich habe nix gehört.
Gemeinsam laufen wir weiter und die Luft riecht nach Sommergewitter, der Asphalt dampft und alles sieht frisch gewaschen aus. Sogar die Temperatur ist jetzt wahrscheinlich unter 30°C und angenehm.


Wir kommen an dem höchsten Berg vorbei, doch den Aufstieg lassen wir, da das nächste Regenfeld anrollt. Links sehen wir ein Dorf und versuchen dort ein Bett zu finden. Den ersten Einheimischen befrage ich mit dem Übersetzer, aber er kann nicht lesen. Also Zeichensprache. Er meint in 3 km wäre ein Bett. Zu weit. Der zweite Dorfbewohner wehrt schon meine Ansprache ab. Ursula findet etwas auf Google im Dorf. Das Grundstück ist offen und ein Partypavillon ist unsere Rettung, denn schlagartig schüttet es wieder. Ursula zieht sich um und dann warten wir den Regenguss ab und freuen uns im Trockenen zu sitzen. In dem Haus ist niemand zu Hause.


Als der Regen aufhört beschließen wir die letzten 8 km noch zu laufen, denn ringsum wird der Himmel wieder blau.



Wir kommen an einem Friedhof vorbei und ich staune wieder einmal, dass er einfach an der Straße liegt, ohne Zaun, Begrenzung oder ähnliches. Im Gegenteil, er zieht sich und vorn sind die neueren Gräber und hinten wachsen die alten einfach zu. 


Bald sehen wir die Kirche von Rudnik und wir buchen schnell ein Appartement über Booking. Hier zeigt sich der Nutzen der App. Spontan und der jeweiligen Situation angepasst können wir entscheiden.


Zur Kirche laufen wir nicht, sondern der Weg geht nicht am ersten Café vorbei. Ein Bier haben wir uns nach fast 38 km verdient. Wir waren 12 Stunden unterwegs und hatten 1190 Hm nach oben und 684 nach unten. Was für ein Tag!
Dann ziehen wir in unser Apartment ein. Der Vermieter ist quirlig, hat keine Eile und da es morgen Vormittag regnen soll, können wir bis Mittag drin bleiben, denn er hat für morgen keine Reservierung. Phantastisch. Ausschlafen ist angesagt.
Die Möbilierung ist bunt gemischt, ausschlaggebend ist für mich die Dusche und die ist top!😄 In der Küche steht eine Schale mit Nougatpralinen und wir können die Finger nicht von lassen.



Dann gehen wir essen. Es regnet wieder und kühlt merklich ab. So hole ich seit langem Mal wieder lange Sachen aus dem Rucksack.
In der Kneipe gibt es zur Abwechslung gebackenen Käse. Dazu Salat. Wir sind wieder ausgehungert. Leider sind die Pommes nicht heiß und so freut sich die Katze unter dem Tisch, als mir 2,3 runterfallen. Im Moment futter ich soviel wie nie und recht ungesund. An Obst und Gemüse mangelt es mir, dafür viel Weißbrot, Süßes und  Fast Food.
Vor dem nächsten Regenguss laufen wir zurück und fallen wir müde ins Bett.




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