Kosovo, wir kommen

Da in Rudno der Laden geschlossen hat, laufen wir morgens nur mit einem Nescafé im Bauch los. In 10 km soll ein Restaurant kommen. Morgens hat es geregnet und so warten wir noch eine halbe Stunde das Regenfeld ab, um dann auf einer frisch gewaschenen Straße in einen angenehmen kühlen Morgen zu laufen. Was wir gestern an Höhenmetern hochgelaufen sind, laufen wir nun wieder hinunter, manchmal steil bergab und dann wieder gemächlich. 6 Uhr morgens haben wir die kleine Passstraße für uns allein und wir laufen gedankenversunken vor uns hin. Ich denke über Frühstück nach. Am Liebsten hätte ich mal wieder ein einfaches Weißbrot mit Marmelade. Butter wäre schön, muss aber gar nicht sein.




So kommen wir nach Gradac, wo uns ein älterer Mann, Milos, fragt, ob wir Kaffee trinken wollen. Na klar, sehr gerne. Er bringt uns zu seinem Haus, kocht Kaffee für uns und seine Frau Lala. Er verabschiedet sich, weil er aufs Feld muss. Mit Gesten, Übersetzer und Phantasie unterhalten wir uns mit Lala. Auch sie hat ein Kind in Zürich. Alle Serben wohnen in Zürich, so kommt es mir vor. Sie fragt, wo wir essen und als wir sagen, im Restaurant, erklärt die uns, dass das schon seit 2020 geschlossen ist. Dann steht sie auf, läuft gebückt mit ihrem Stock ins Haus und bringt uns selbstgebackenen Kuchen. Wie lieb von ihr. Wir essen von dem Nuss- Apfelkuchen und danken ihr für ihre Freundlichkeit.

Wir verabschieden uns und laufen zum Kloster, das 9 Uhr öffnet. Ursula probiert die Tür, doch sie ist zu. So verbringen wir eine halbe Stunde im Klostergarten, bis es 9 Uhr ist. Die Schwestern sitzen hinter einer Mauer und unterhalten sich. Ich gehe zur Kirche, die Tür klemmt, geht aber zu öffnen. Na so ein Spaß. Danach bitten wir noch um einen Stempel, den wir bekommen.





Unser Weg führt uns an einen Dorfladen ( der nur das nötigste und haltbare hat, kein Brot oder Obst o.ä.), wo wir nach einem Kaffee fragen. Zuerst will sie uns Pulver verkaufen, aber unsere Gebärde des Trinkens ist eindeutig und wir sollen uns hinsetzen. Sie kocht uns einen Kaffee und als wir bezahlen wollen, lehnt sie es ab. Ein Geschenk.

An einer Brücke ist eine Gedenktafel, dass vor 5 Jahren hier jemand verunglückt ist. Das Brückengeländer wurde augenscheinlich noch nicht repariert.






Die Landschaft ist wunderschön und die Straße kaum befahren. Eine Schildkröte hockt auf der Straße und wir eskortieren sie an den Straßenrand. Vorne rechts fehlt ihr schon eine Pfote und wir wollen schlimmeres verhindern.


Inzwischen sind wir 20 km unterwegs und mein Magen knurrt ganz laut. Wir kommen an einem Haus vorbei, dass wie eine geschlossene Kneipe aussieht. Auf dem Tisch liegt Brot, Wurst und ein voller Ascher, aber niemand ist da. Gerade als wir weitergehen kommt ein Mann und fragt, ob wir etwas trinken wollen. Ja, ein Kaffee beruhigt auch den Magen. Er stellt uns selbst gemachte Konfitüre hin, die wir kosten sollen. Sehr süß, ich frage, ob wir Brot dazu bekommen können. Natürlich. Ehrlich, dass sind die Wunder des Weges, vor 10 km von Marmeladenbrot geträumt und nun erhört wurden. Prima. Auf eine Bezahlung möchte sich Vlasto nicht einlassen. Auch er hat eine Schwester in der Schweiz und eine Tochter in Australien. Mein Eindruck ist langsam, dass die jungen Serben, die agil und flexibel sind, ihrem Land den Rücken kehren.








Es nützt nichts, wir müssen weiter und inzwischen ist es wieder über 30°C heiß und der Weg zieht sich.



Wir kommen nach Brvenik Nasjele und hier gibt es ein Restaurant, wo wir Mittags essen. Mein Handy hat wenig Strom und als ich es an die Steckdose anschließen will, stelle ich fest, dass ich mein Kabel vergessen habe. So ein Mist! Ich habe noch ein altes Kabel dabei, aber das lädt total langsam. Zurück ist zu weit, also muss es bis zur nächsten großen Stadt irgendwie gehen. Ursula hat ja auch ein Kabel.😄
Nach der Pause laufen wir zum "Neuen Kloster" und halten in der Kirche inne.
 



300 Meter weiter ist das alte Kloster und von da haben wir einen unglaublichen Weitblick.





Da es kein Bett unterwegs gibt, haben wir immer noch einen langen Weg vor uns, der sich zieht und die Sonne kennt kein Erbarmen. So nutzen wir einen Picknickplatz für eine weitere Pause und unter einem Wassersprenger halte ich meinen Kopf. Ein Auto hält und vier Männer steigen aus. Gradimir erklärt uns, dass es sein Grundstück ist und wir können gern einen Kaffee trinken. Dann öffnet er eine Hütte und ich darf ihn kochen, während er ein Bier trinkt. Draußen sitzen wir und unterhalten uns. Sie rufen für uns im Kloster an, um zu fragen, ob wir ein Bett bekommen. Die Antwort ist nein, weil sie gerade eine Baustelle haben. Gradimir bietet uns seinen " Bedroom" an und zeigt ihn stolz. Er ist im bereits fertig gestellten Keller seines Hauses. Ein großer Raum mit zig ausrangierten Sofas, Betten und Sesseln. Lieb, aber eine Dusche brauche ich. Die Toilette ist im Schuppen und ein Kleinod der Installateurkunst.😉 Ich bedanke mich ganz herzlich, aber wir finden schon ein Bett und befragen Google. Dann buchen wir das erste Appartement am Weg in 6 km Entfernung.




Kaum sind wir ein Stück gelaufen, kommt ein Motel, dass nicht auf der Karte war. Okay, Raschka ruft und nach 35 km kommen wir an. Heute zeigt sich wieder, das Rezensionen und Bilder bei Booking geschönt sind, denn dass was wir vorfinden hat nur wenig Ähnlichkeit mit dem, was wir gesehen haben. Es ist oberhalb einer ehemaligen Ladenzeile. Der junge Mann ist beflissen und redselig, was über den Schmuddel nicht hinwegtäuscht. Aber wir sind kaputt und für eine Nacht ist es egal.


5:30 Uhr klingelt am Mittwoch (16. Juli) der Wecker und wir laufen zum Bäcker zum Frühstück. Auf einer Straße laufen wir bergauf aus Raschka hinaus. Die Blicke in die Landschaft sind wieder wunderschön. Noch ist es angenehm und so beginnt der Tag perfekt.


       


Dieses Modell weißt am Straßenrand auf das Kloster "Koncul" hin, dass wir nun heute besichtigen. Wir hören noch einen Rest der Messe der Schwestern und ihr Gesang berührt mich.




Nach der Messe fragen wir nach einem Stempel, den wir bekommen. Dazu noch einen Kaffee und ein interessantes Gespräch. Die beiden Schwestern fliegen Morgen nach Zürich, von da noch Tallin und mit dem Bus geht es nach Sankt Petersburg, zu einem Klosterbesuch. Anna hat auch eine Schwester in Zürich.


Wir verabschieden uns, wünschen eine gute Reise und pilgern weiter.


Weg von der Straße laufen wir auf einen befestigen Forstweg und kommen zu einer weiteren Wackelbrücke über den Iber. Allerdings wurden hier schon die Hölzer ausgetauscht. Nur das Geländer ist wohl noch nicht notwendig auszutauschen.





Nun laufen wir nach Donja Rudnica, durch eine alte Fabrikanlage. Ich bete, dass nichts runterfällt und staune über den Langmut der Serben.



An der orthodoxen Kirche halten wir eine zweite Frühstückspause bevor wir uns auf die Fernverkehrsstraße zum Grenzübergang nach Kosovo aufmachen.



Vor dem Übergang ist eine lange Schlange.



Wir laufen dran vorbei und reihen uns vorne ein. Der Beamte ist etwas harsch, aber ohne Kreuzverhör werden wir durchgelassen. Nun bin ich im 6. Land!




Auch hier ist die Bergwelt atemberaubend, allerdings genau wie in Serbien stinkt der Müll zum Himmel. An einem Laden steht ein Auto mit polnischen Kennzeichen und zwei Männer und eine Frau sitzen im Anbau davor. Wir fragen nach Kaffee und dürfen uns setzen. Ich frage die Männer, ob sie Polen seien, doch sie verneinen. Sie erzählen, dass sie verdeckte Ermittler der Kriminalpolizei und Kosovo- Albaner sind. Wie, jetzt fühle ich mich sicher. 😉Wir bekommen auch eiskaltes Wasser ( die 30°C- Grenze ist längst geknackt), Käse und ein gekochtes Ei. Als wir nach den Namen fragen, sagt der Eine, er heißt " Gasmann" und ich muss lachen, denn wenn so der Gasmann aussieht....
Als wir bezahlen wollen, wird es vehement abgelehnt. Wir sind Gast im Kosovo. Über Gastfreundschaft können wir hier viel lernen.

 
Dann kommen wir auf einen Wanderweg durch Felder, die nun schon alle, bis auf der Mais, abgeerntet sind. In den Gemüsegärten wachsen Tomaten, Bohnen, Zucchini...und ich merke wie die Zeit vergeht. 
Auch hier begegnet uns eine Schildkröte in freier Natur. Sie geht bedächtig ihren hier ungefährlichen Weg.




Das erste Dorf im Kosovo erreichen wir und die Leute grüßen alle freundlich. Eine Familie lädt uns zum nächsten Kaffee ein und holen die Nachbarn zum übersetzen, die etwas Englisch können. Auch hier sind Familienmitglieder in der Schweiz. Wir werden mit Schokolade und Bananen verwöhnt und erzählen von unseren Weg.


       Natur pur....daneben....

       Der Übersetzer und Fotograf😉


Die letzten 4 km liegen vor uns. Die Sonne brennt und ich merke, ich habe wieder eine neue Blase. Wieder an der Ferse. Es hört nie auf: Hitze und Asphalt sind mein Killer🫣
Ich blicke in die Landschaft und Lešak ist zu sehen.


Hier erwartet uns ein Motel und für 30€ bekommen wir ein Zimmer. Allerdings ist mit Karte zahlen nicht möglich, einen Bankautomaten gibt es nicht, aber wir können mit serbischen Dinar bezahlen. Was für ein Glück, denn davon haben wir noch jede Menge. Doch zuerst trinken wir ein Bier/ Radler vor dem Motel. Ich sehe ein Auto von der KFOR und frage die beiden Soldaten, die hinter uns sitzen, ob sie Deutsche sind ( hinter der Grenze hatte ich ein deutsches KFOR- Auto gesehen). Der eine spricht deutsch und sagt dass sie Slovenier sind. Wir erzählen kurz von unserem Pilgerweg und sie sind so beeindruckt, dass unser Bier danach bezahlt ist. Da es Soldaten sind, nehmen wir es gern an. Der Kosovo beginnt ganz freundlich.



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