Vier Tage durch den Kosovo
Am Sonntag starten wir von Pristina in einen sonnigen Morgen und laufen zur Mutter- Theresa- Kirche zum Startpunkt und entdecken, dass das Loch vor unserer Tür nach 2 Tagen "repariert" ist.🫣
In Janeve empfängt uns Don Mato, der Pfarrer der katholischen Gemeinde, welche hauptsächlich aus Kroaten besteht.
Am Abend werden wir mit frischen Erdbeeren verwöhnt, die ein Paar als Spende mitgebracht hat. Sehr lecker. Das Paar Schuhe ist extra aus Serbien angereist, um ihre Trauung zu besprechen. Sie ist serbisch- orthodox und er ist katholischer Kroate. Für Don Mato ist das kein Problem. Hauptsache sie sind glücklich.
Am nächsten Morgen bekommen wir nach der Messe noch ein Frühstück und dann verabschieden wir uns herzlich von allen. Unsere Donativo wird abgelehnt, da wir auf dem JW sind. Doch ich bitte ihn, es für die Kinder der Gemeinde zu verwenden und das findet er okay. Er segnet uns und dann gehen wir los.
Dann entdecken wir eines der seltenen JW- Schilder und laufen in den nächsten Wald.
Plötzlich kommen wir auf eine asphaltierte Straße mitten im Nirgendwo, dann zu einer riesigen Schneise, die in den Berg gesprengt wurde, vorbei an einer Autobahn- Baustelle, die aufgegeben scheint und eine Tafel verrät, dass 11 Millionen........und 01Cent verbaut werden könnten. Scheinbar sind die aber nicht angekommen, denn beendet wurde sie nicht.
Allerdings nimmt sofort der Müll am Straßenrand zu und auch ein paar Hunde bellen uns an.
Entlang dieser Riesenbaustelle kommen wir nach Ponesh, wo wir den ersten und einzigen Getränkemarkt stürmen, weil wir Durst haben. Im Laden spricht uns ein Typ an, der in der Schweiz kommt, Wurzeln im Kosovo hat und nun in Stuttgart wohnt. Er fragt und wir erzählen. Dann fragen wir, ob es einen Bus nach Gjilan gibt, denn die letzten 7 km sind an der übervollen Landstraße ohne Fußweg und die Rushhour ist im vollen Gange. Er meint, wir sollen was trinken, dann fährt er uns. Er erzählt uns ziemlich wilde Geschichten und ich denke, wenn die Hälfte stimmt....Dann steigen wir ins Auto und da rieche ich seine Fahne. Anschnallen ist nicht. Zum Glück ist soviel Verkehr, dass er langsam fahren muss. In der Stadt lässt er uns raus und wir bedanken uns.
Hauptsache, die Waschmaschine funktioniert.
Wir erreichen Vërboc, wo wir eine offene Bar finden und heißen Kaffee schlürfen. Nun müssten wir auf einer Hauptstraße nach Letnicë laufen. Der Regen schlägt auf dem Asphalt Blasen und die Straße steht schon unter Seen von Pfützen, die die Autos kräftig schneiden. Das wird nix, auch wenn die Füße schon klatsch nass sind, wollen wir nach 26 km im Regen kein Vollbad nehmen. Holger fragt einen Mann in der Bar, ob er uns fahren kann. Das macht er gern.
So kommen wir nach Letnicë, wo der Pfarrer ein Zimmer für uns hat. Wir stellen die elektrische Heizung hoch und versuchen unsere nassen Klamotten zu trocknen. Dann legen wir die Füße bis zur Messe hoch.
Mittwoch Morgen starten wir früh und finden den Pfarrer nicht, um uns zu verabschieden. Also muss es mit WhatsApp passieren. Wir laufen aus dem Ort in die Berge und kaum sind wir auf einer Wiese geht das Dilemma los. Schlamm! Holger meint, das wird nix, wir sollten fahren...ich bin der Meinung, der Weg ist der Weg und dann wird er auch wieder besser.
Wir kommen an alten Gehöften vorbei und immer wieder an Palästen, die nur 1-2 Monate im Jahr bewohnt sind, weil die Eigentümer in der Schweiz, Österreich, Deutschland....arbeiten.
Die Straße führt bis zu einem öffentlichen Grundstück und dann geht es in den Wald. Da gestern Dauerregen war, ist der Boden ziemlich schlammig und tiefe Spurrinnen stehen voller Wasser. Wir kämpfen uns durch. Allerdings stellen wir irgendwann fest, dass wir den Weg verloren haben. Wir sind zu weit rechts abgekommen. Mist!
An der nächsten Gabelung laufen wir links in der Hoffnung den Weg zu finden. Der Weg wird schmaler, dann sind wir auf einer Wiese, dahinter geht es weiter und dann ist irgendwie Schluss. Holger versucht noch durch das Dickicht zu kommen und stürzt. Glück im Unglück, er schrammt sich die Schläfe und nix ging ins Auge.
Wir laufen zurück und an der Gabelung beschließen wir, dem anderen Weg eine halbe Stunde zu folgen. Wenn es nicht klappt, drehen wir um und laufen zurück, denn es ist schon Nachmittag.
Meine Stoßgebete werden erhöht und wir finden tatsächlich auf den JW zurück und haben wahrscheinlich sogar etwas abgekürzt. Der Weg ist weiterhin schlammig und inzwischen sind wir fit im Pfützen springen und umgehen.
Dann treten wir aus dem Wald und blicken wieder auf die Schneeberge, nur sind sie jetzt viel näher.
Unter uns liegt Kacanik und es geht steil bergab in die Stadt. Ein Mann bietet uns Kaffee an und wir nehmen gern an. Holger fragt nach einem Bier und er sagt, klar. Dann sehen wir ihn wegfahren. Oh Gott, er kauft wirklich extra für Holger 4 Dosen Bier. Ich bekomme einen Kaffee und wir haben einen tollen Blick. Heute erfahren wir, dass der schneebedeckte Berg der Ljuboten ist, der 2498 Meter hoch ist und an der Grenze zu Nordmazedonien liegt. Irre!
Wir unterhalten uns mit Havi und Essam und sie reservieren uns, auf Holgers Bitte hin, ein Zimmer im "Hiking- Hotel". Wir verabschieden uns und Holger bekommt das Bier geschenkt. Unterwegs kaufen wir noch Sprite für ein Radler und laufen zum Hotel, dass 40€ kosten soll. Von außen ist klar, es hatte bessere Zeiten. Von Innen will ich nur noch raus. Holger hat keine Lust noch etwas zu suchen und handelt auf 30€ runter, doch der Alte bleibt hart und diskutiert. Ich bin schon am Abdrehen, doch als er hört, dass wir auf dem JW sind, ist 30€ okay, weil er Johannes kennt. Wir sind die einzigen Gäste und die Bilder sprechen Bände.
Wir heizen elektrisch, essen die Reste aus dem Rucksack, bis das Duschwasser lauwarm ist.
Wir sind 31 km mit 900 Hm hoch und 1000 Hm runter gelaufen und in dieser skurrilen Kaschemme gelandet. Holger findet es lustig und dafür bewundere ich ihn. Mich juckt es schon bevor ich im Bett liege. Hoffentlich schnarcht er heute Nacht nicht, damit die Nacht schnell vorbei geht.
Wir gehen im Restaurant nebenan essen, was meine Stimmung etwas hebt.























































































Danke für die Teilhabe an eurer Reise auf dem JW. Beeindruckende Bilder. Bleibt bitte Gesund!
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